Eine von 900 Interessierten des Offenbacher Diabetiker-Tages.
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Eine von 900 Interessierten des Offenbacher Diabetiker-Tages.

Diabetiker-Tag

Insulin ist nicht alles

Der "diabetische Fuß" ist die häufigste Folge der Zuckerkrankheit - die Gefahr, einen Fuß zu verlieren, ist groß. Dabei wären die meisten Amputationen vermeidbar, sagen Experten.

Von Claudia Wenhardt-Bucci

Den Fußpuls neben dem Knöchel ertasten, die Haut des Fußes fühlen, ihn auf auffällige Risse oder eingewachsene Nägel untersuchen - schon diese Kleinigkeiten können erste Hinweise auf eine Diabeteserkrankung geben.

"Ich habe etwas trockene Haut und ein leichtes Taubheitsgefühl in den Füßen", sagt die Mühlheimerin Melitta May. Daher ließ sie sich am Wochenende beim 3. Diabetikertag im Offenbacher Rathaus von Diabetologe Christian Klepzig ihre Füße untersuchen.

Klepzig gehört zum Team der Fußambulanz des Offenbacher Klinikums, ebenso wie die Podologin Claudia Pfarr und die Orthopädie-Schuhmachermeisterin Jasmin Krammig - auch sie untersuchen die Füße der 76-Jährigen. "Bei mir ist vor zwei Jahren Diabetes festgestellt worden. Noch habe ich keine großen Schwierigkeiten. Aber ich werde auf alle Fälle mal zur Fußambulanz gehen."

"Der diabetische Fuß ist die häufigste Folge einer andauernden Zuckerkrankheit", bestätigt Frank Ulrich vom Deutschen Diabetiker Bund, der den Diabetikertag in Offenbach ausgerichtet hat. "Immer schwebt das Damoklesschwert Amputation über den Betroffenen." Das allerdings müsse nicht sein, erklärt Klepzig. "70 bis 80 Prozent der Amputationen sind sicherlich überflüssig", betont er. Wichtig sei eine gute Vorsorge. Ein diabetischer Fuß, der oft mit Geschwüren und offenen Wunden einhergehe, müsse fachgerecht behandelt werden.

Denn das Schmerzempfinden der Patienten sei aufgrund einer sogenannten sensomotorischen Neuropathie - einer Störung der feinen Nervenenden -- ausgeschaltet. Das verhindere, dass sie Probleme mit den Füßen fühlen. "Sie spüren beispielsweise einen kleinen Stein im Schuh nicht. Der drückt aber so sehr auf den Fuß, dass eine offene Wunde entsteht." In der Fußambulanz könnten die Spezialisten etwa die Wunde entsprechend reinigen und den Druck auf den Fuß durch einen orthopädischen Schuh entlasten.

Klepzigs Kollege Dieter Klein, ebenfalls Diabetologe und Oberarzt am Klinikum Offenbach, bestätigt das. "Allerdings übernimmt die AOK bislang als einzige Kasse in Hessen die Behandlung in den Fußambulanzen. Wir hoffen sehr, dass sich das bald ändert."

Über dieses Problem ärgert sich auch eine 48-jährige Offenbacherin. "Meine Krankenkasse zahlt die Vorsorge nicht", sagt sie. Vor zwei Monaten sei bei ihr Zucker festgestellt worden. Nun wolle sie versuchen, ohne Insulin auszukommen. Daher sei sie wie 900 andere Interessierte auch zum Diabetikertag gekommen, um Informationen zu erhalten.

"Schlimm wird es für die Erkrankten, wenn sie Diabetes nicht ernst nehmen und sich nicht behandeln lassen", sagt Ulrich. Dann könne es neben einem diabetischen Fuß zu Blindheit, Herz-Kreislauf-Problemen oder Nierenversagen kommen. Der Grund dafür: Die Organe werden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Deswegen sei es besonders wichtig, Wissen zu vermitteln. Und eines ist für Ulrich ganz klar: "Gut eingestellt und behandelt, können Diabetes-Patienten 100 Jahre alt werden."

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