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Die Wartezeiten an Busstationen werden sich verlängern.
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Die Wartezeiten an Busstationen werden sich verlängern.

Offenbach

In Offenbach sollen künftig weniger Busse fahren

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Die neue Koalition beschließt die Deckelung der Haushaltsausgaben für den Nahverkehr. Verkehrsdezernentin Sabine Groß (Grüne) soll ein Konzept zu Einsparmöglichkeiten erstellen.

Sabine Groß war das Unbehagen anzusehen, als sie am Donnerstagabend ans Rednerpult trat. „Mit diesem Beschluss bekomme ich einen sehr schweren Auftrag“, sagte die Offenbacher Verkehrs- und Mobilitätsdezernentin der Grünen vor den Stadtverordneten in der ESO-Sportfabrik. In den vergangenen Jahren hatte sie sich mit ihrer Partei erfolgreich für den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), für eine Erhöhung der Taktzeiten sowie die Einführung von Elektrobussen eingesetzt.

Nun sollen Groß und das Geschäftsfeld Nahverkehr in Offenbach (NiO) der Stadtwerke Holding Offenbach (SoH) GmbH noch vor der Sommerpause ein Konzept entwickeln, um die städtischen Kosten in den kommenden Jahren für den ÖPNV zu deckeln. So hat es die neue Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP beschlossen. Die Zeit drängt, da die Umsetzung schon zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember erfolgen soll, damit die Kosten bereits für das Jahr 2022 verringert werden.

2019 hatte der Offenbacher ÖPNV ein Defizit von acht Millionen Euro, 2023 liegt er in der aktuellen Planung bei 18 Millionen Euro. „Wir werden den steilen Anstieg abmildern müssen, weil sich die Stadt sonst überhebt“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende und designierte neue Kämmerer Martin Wilhelm. Geringere Taktungen und eine Optimierung der Linienstruktur sollen die Einsparungen bringen. Für das Jahr 2022 droht der Stadt ein deftiges zweistelliges Millionendefizit. „Das Regierungspräsidium verweist bei der Haushaltsgenehmigung für das Jahr 2021 explizit darauf und sagt, dass die mit fünf Millionen Euro geplanten ÖPNV-Verluste zu hoch sind“, so Wilhelm. Das RP habe offenbar nicht gewusst, dass in der mittelfristigen Planung höhere Verluste eingeplant waren. Für 2022 sind es 6,7 Millionen Euro im städtischen Haushalt, für 2023 sind es 10,8 Millionen Euro und für 2024 nochmal 10,3 Millionen Euro. Die Koalition will die Kosten im Jahr 2022 auf 3,7 Millionen Euro deckeln und für die Jahre 2023 und 2024 auf je fünf Millionen Euro.

Zwei Effekte macht die Koalition für die höheren Kosten verantwortlich: Zum einen nutzten wegen Corona weniger Menschen den ÖPNV. Zum anderen hätten die Busfahrer:innen einen sehr guten Tarifabschluss erzielt.

Das letzte Argument hielt der Linken-Stadtverordnete Markus Philippi für „total daneben.“ Vor der ESO-Sportfabrik hatten sich am Donnerstag rund 50 Busfahrer:innen versammelt, die gegen drohende Entlassungen protestierten. Zwar versicherte die neue Koalition, dass es keine Kündigungen geben wird, aber auslaufende Verträge bei der Tochtergesellschaft der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB), der Main Mobil Offenbach (MMO), könnten nicht mehr verlängert werden. „Das sind Kündigungen“, befand Philippi, der von einem Kahlschlag des ÖPNV sprach.

Der CDU-Stadtverordnete Marc-Oliver Junker bezweifelte, dass ein Konzept so schnell vorliegen könne, wenn bereits in der letzten Sitzung vor den Sommerferien am 15. Juli darüber abgestimmt werden soll. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Dominik Schwagereit sprach von einem schmerzhaften, aber notwendigem Schritt. „Wer keine Alternativen aufzeigt, läuft automatisch in eine Grundsteuererhöhung und das will niemand hier im Haus“, sagte der Liberale.

Sabine Groß gab zu bedenken: „Wenn wir einmal die Leistung im ÖPNV runterfahren, dann können wir sie nicht über Nacht wieder nach oben fahren, wenn wir feststellen, dass wir uns ein anderes Angebot wünschen.“

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