Siemens Kaiserlei

200 Stellen bei Siemens in Gefahr

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1200 Ingenieure und Techniker planen Gaskraftwerke am Siemans-Standort im Kaiserlei. 200 Stellen sind nun bedroht und sollen eingespart werden, obwohl Siemens offiziell künftig einen Mangel an Fachkräften befürchtet.

Das ist kein fairer Umgang mit der Belegschaft“, sagt Marita Weber, Erste Bevollmächtige der IG Metall in Offenbach. Weber meint nicht irgendeinen Betrieb, Weber spricht vom DAX-Mitglied Siemens, der von sich selbst sagt, er wolle sozial nachhaltig handeln. Am Offenbacher Siemens-Standort sind von rund 1200 Stellen circa 200 akut bedroht. Verhandlungen über einen Abbau in dieser Höhe laufen bereits – obwohl Siemens an eine Vereinbarung gebunden ist, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Und obwohl der Standort zum Kerngeschäft gehört.

Die Mitarbeiter am Kaiserlei sind überwiegend Ingenieure und Techniker, aber auch Verwaltungspersonal. Also genau die Fachkräfte, über die der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher vor einem Jahr in einem Interview sagte: „Bei Siemens droht bis 2020 eine Lücke von bis zu 14000 Mitarbeitern – vor allem Facharbeiter und Ingenieure“. Aber vorher möchte der Konzern im Rahmen eines Sparprogramms in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen. Das soll tausende Arbeitsplätze kosten, 200 davon in Offenbach.

An einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall in der vergangenen Woche haben sich auch Offenbacher Beschäftigte beteiligt und vor der Börse in Frankfurt demonstriert. Dort war großer Unmut über das Vorgehen der Geschäftsleitung zu hören, die erst fünf Wochen, nachdem die Pläne zur Stellenstreichung erstmals in den Medien zu lesen waren, diese auch offiziell der Belegschaft mitgeteilt hat. „Der Geschäftsbereich, zu dem wir gehören, war in den Geschäftsjahren 2010 bis 2012 und auch im ersten Quartal des laufenden jeweils die Nummer eins im gesamten Konzern bei den Auftragseingängen, dem Umsatz und auch der Gewinnmarge“, so ein Beschäftigter des Offenbacher Standorts, der nicht namentlich zitiert werden möchte.

Die in Offenbach projektierten Gas- und Dampfkraftwerke haben unter den Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, mit den höchsten Wirkungsgrad. Sie werden deshalb häufig als perfekte Ergänzung von Windkraft und Photovoltaik genannt. Umso kurzsichtiger erscheint es Gewerkschafterin Weber, wenn gerade in diesem Bereich gekürzt werden soll. „Das ist keine in die Zukunft gerichtete Firmenpolitik“, sagt sie. Und auch für die Stadt Offenbach sei es ein Schlag ins Gesicht, denn gerade hier würden junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte nach den großen Verlusten von Blaumann-Arbeitsplätzen dringend benötigt, so Weber.

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