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Das Modell des Hugenottenrathauses, das nach altem Vorbild auf dem Marktplatz von Neu-Isenburg entstehen könnte.

Neu-Isenburg

Ideen für eine neue Altstadt in Neu-Isenburg

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Vereine und Initiativen wollen den Neu-Isenburger Marktplatz umgestalten und beleben. Die Vorstellungen driften aber weit auseinander.

Frankfurt hat es geschafft, eine neue Altstadt zu bauen. Ähnliches sollte doch auch in Neu-Isenburg gelingen.“ Gerhard Pons, Sprecher der Hugenottenfamilien, der Nachkommen der einstigen französischen Glaubensflüchtlinge, ist überzeugt davon, dass der historische Kern von Neu-Isenburg belebt und ein Anziehungspunkt für Einheimische sowie ausländische Gäste werden kann.

Über den Weg dorthin herrscht Uneinigkeit: Ein im Januar gegründeter Trägerverein will das 1876 abgerissene Hugenottenrathaus wieder aufbauen, der Großteil der Anwohner favorisiert Säulenstümpfe, die der Verein „Pour l’Yseboursch“ auf den Grundmauern des alten Rathauses errichten will. Die Bürgerinitiative „Schöner Alter Ort“ wünscht dagegen, dass die freie Fläche bestehen bleibt und nur um Sitzgelegenheiten und einen Springbrunnen mit Trinkwasserstelle ergänzt wird.

Historischer Rathausnachbau versus Stumpfmodell versus Freifläche – alle drei Gestaltungsideen für den Marktplatz kommen aus der Bürgerschaft und wurden am Mittwoch, auf den Tag genau 320 Jahre nach der Gründung von Neu-Isenburg, mit Modellen öffentlichkeitswirksam vorgestellt. Wie es schien, haben sich zwei Lager gebildet: Die einen sehen im Hugenottenrathaus einen Anziehungspunkt und übergeordneten Frequenzbringer, die anderen wollen mit den Säulenstümpfen einen Ort der Kommunikation für die Einheimischen schaffen. Die Bürgerinitiative als dritter Akteur lehnt das Rathausmodell ab, kann sich aber „das Stumpfmodell zumindest vorstellen, weil es offen ist“, sagte Erika Hartmann-Boll. „Es darf kein Streit entstehen“, warnte Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU).

Was verwirklicht wird und wofür welches Geld ausgegeben wird, entscheiden Magistrat und Stadtverordnete, machte der Erste Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) unmissverständlich klar. Aktuell dürfen die Bürger Projekte, die in dem Programm Stadtumbau umgesetzt werden sollen, online bewerten (stadtumbau.neu-isenburg.de). Die Bewertungen fließen mit den Vorstellungen der Interessengruppen zum sogenannten Alten Ort, dem historischen Zentrum, in die Entscheidung ein.

Der Wiederaufbau des alten Rathauses auf historischem Grund werde wohl „einen mittleren sechsstelligen Betrag“ kosten, sagte Torsten von Juterzenka, Vorsitzender des Trägervereins Hugenottenrathaus. Die Summe sollen Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft aufbringen, auch Fördertöpfe des Landes sollen angezapft werden. Es gebe auch schon ein Betreiberkonzept für den Passivhausbau mit Gewölbekeller, Ratssaal, Ratscafé, Aussichtsplattform, öffentlichem WC, Solarkollektoren für Warmwasser und Uhr mit Glockenspiel. Die Entwürfe kommen von Dominik Mangelmann, Ideengeber zur Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt, und Georg Oeter, Vorsitzender des Vereins Pro Altstadt Frankfurt.

Im fünfstelligen Bereich liegen die Kostenschätzungen für das Stumpfmodell, das die Säulenstümpfe des Brunnenhauses sowie die Mauersockel des Treppenturmes in einer Sitzhöhe von 40 Zentimetern rekonstruieren will. Der alte Brunnen soll wieder hochgemauert werden, im Inneren ein beleuchtetes Wasserspiel plätschern. Bühnenelemente und ein Zeltdach böten über 20 Gestaltungsmöglichkeiten, sagte Werner Stahl, Vorsitzender von Pour l’Yseboursch. Metallbögen sollen die Eingänge der Altstadtgassen überspannen, und Gehwegplatten mit den Namen der hugenottischen Bürgermeister sind geplant.

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