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Platzmangel an allen Orten: ehemalige Waschräume dienen als Lager.

Offenbach

Bei Hitze wölben sich die Fenster

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Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof in marodem Zustand. Zelt als Übergangslösung angedacht.

Viel wurde in den vergangenen Wochen von SPD und Koalition über den Zustand der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof geschrieben und gestritten. Am Mittwoch konnten sich Medienvertreter einen Überblick über den Zustand des 1968 errichteten Gebäudes machen. Was zu sehen war, übertraf alle bisherigen Schilderung bei Weitem.

Denn das verwinkelte Gebäude ist augenscheinlich in schlechtem Zustand: Im Untergeschoss liegen Rohre offen, an den Wänden gibt es Wasserflecken, die Decke unter dem Sezierraum zeigt gefährliche Risse. Immer wieder müsse die Decke des Technikraums im Untergeschoss abgestützt werden, so groß sei die Sorge vor einem Einsturz, sagt Werner Horneff, Leiter des Krematoriums.

Welche Materialien vor Jahren im Keller verbaut wurden, wisse man nicht. „Asbest ist aber sehr wahrscheinlich“, sagt er mit Blick auf ein Loch in der Decke. Um die Räumlichkeiten, die Friedhofsbesucher nicht sehen, ist es am schlimmsten bestellt: Von den vier Mitarbeiterduschen in einem fensterlosen Raum ist nur eine funktionstüchtig, an den anderen sind die Kacheln abgefallen, Rohre liegen frei, und eine rotbraune Brühe läuft aus einem Anschluss. Da nicht gelüftet werden kann, zieht die Nässe in den benachbarten Umkleideraum. In mehreren Räumen trete immer wieder Schimmel auf, sagt Friedhofsleiterin Gabriele Schreiber. Etwa in den Schauräumen, in denen Verstorbene in Särgen für Angehörige aufgebahrt werden können.

Auf den zweiten Blick fallen auch in der Trauerhalle die Probleme auf. Wasserflecken an der Holzdecke zeigen, dass bei Starkregen Wasser eindringt. Die von dem Offenbacher Künstler Bernd Rosenheim gestalteten Bleiglasfenster wölben sich an der Außenseite gefährlich. „Bei der Hitze vergangene Woche war die Wölbung noch viel schlimmer“, sagt Schreiber.

Über 30 000 Euro habe man schon in die Wartung des Sargaufzugs investiert, rund 7500 Euro alle drei Jahre in die der elektrisch betriebenen Tür mit den Rosenheim-Fenstern. Und da die Sargrampe im Winter elektrisch beheizt werden muss, würden jährlich 10 000 Euro an Energiekosten anfallen.

Dass Friedhofsmitarbeiter und Betriebskommission einen Neubau bevorzugen, überrascht da wenig. „Auch die drei SPD-Mitglieder waren dafür“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther; deren Kritik sei für ihn überraschend gekommen.

Erste Überlegungen für einen Neubau gebe es bereits, das Hanauer Stadtplanungsbüro Urban Concept, das für die Planung der Trauerhalle in Hanau-Steinheim verantwortlich zeichnete, wurde mit den Rahmenbedingungen beauftragt. Barrierefrei soll die neue Trauerhalle sein und über Verwaltungsräume im Eingangsbereich verfügen. „So wäre immer ein Ansprechpartner für Besucher vor Ort“, sagt Walther.

Die Trauerhalle selbst würde von 260 auf 140 Sitzplätze verkleinert. Für die Zeit während des Baus sei an eine beheizbare Zeltlösung mit Glaselementen, wie sie etwa in Langen genutzt wurde, gedacht. „Wenn es gewünscht wird, rechnen wir auch eine Sanierung noch einmal durch - aber die löst nicht die fehlende Barrierefreiheit und die hohen Energie- und Wartungskosten“, sagt er.

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