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Mögen den Innenhof mit Wandmalerei: Community-Manager Marco Borgia (li.) und Bewohner Niko Chatziastrou.
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Mögen den Innenhof mit Wandmalerei: Community-Manager Marco Borgia (li.) und Bewohner Niko Chatziastrou.

Wohnen in Offenbach

Hipper wohnen am Offenbacher Hafen

  • Fabian Scheuermann
    VonFabian Scheuermann
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Das "Main Atrium" am Offenbacher Hafen ist fertig. Fast alle der 205 Mikroapartments sind bereits vermietet. Unter den Bewohnern sind Studenten, Berufseinsteiger und Wochenendpendler.

Als erstes holt Marco Borgia morgens die Eier aus dem Hühnerstall. Aber nicht irgendwo in einer idyllischen Hofreite, sondern mitten in Offenbach – im Innenhof des „Main Atrium“ zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Hafen. 205 Mikroapartments hat die Aalener „i Live“-Gruppe hier gebaut und verkauft, seit August wohnen Menschen hier. Die Eier liegen in der Lounge am Morgen für die Bewohner aus.

Marco Borgia ist für das Gebäude als „Community & Facility Manager“ zuständig und die hippe Berufsbezeichnung passt zu seinem Look: Den Bart trägt er modisch gestutzt, die Haare sind hinter dem Undercut zu einem kleinen Zopf gebunden. Borgia ist Hausmeister und Concierge, und per App ist er mit den Bewohnern des Hauses vernetzt und kann so direkt auf Wünsche oder Beschwerden eingehen.

Die Mieter werden hier damit umworben, sich wenige Gedanken machen zu müssen, die Zimmer mit Küchenzeile und Bad sind teilmöbliert. Und auf ein lästiges WG-Casting kann man verzichten. Wer Gesellschaft mag, verabredet sich einfach per App zum Wein oder Basketballspielen auf der Dachterrasse – mit Skylineblick. Und wenn Freunde zu Besuch kommen und das Zimmer zu eng ist, mietet man per App die „Event-Küche“ an: 60 Euro kostet das, sauber macht eine Putzkraft.

Und auch die Vermieter können sich zurücklehnen: Die i-Live-Gruppe übernimmt die Vermietung und sorgt dafür, dass es beim Mieterwechsel nicht zu Zahlungslücken kommt. Für die Mieter hat das seinen Preis: 385 Euro beträgt die Warmmiete für ein 21-Quadratmeter-Apartment – die 55-Quadratmeter-Version liegt bei rund 1000 Euro. das sind 18 Euro pro Quadratmeter.

Das Geschäftsmodell scheint aufzugehen: Das „Main Atrium“ ist das 15. Apartmenthaus des Unternehmens, weitere sind geplant. Zielgruppe sind Studenten, aber auch Berufseinsteiger und Wochenendpendler, die eine kleine, effiziente Bleibe suchen.

Im benachbarten Frankfurt wurden in den letzten Jahren hunderte solcher Apartments gebaut. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kommt zu dem Schluss, dass der Bau solch teurer Kleinstwohnungen in der Stadt um bis zu 50 Prozent über den Bedarf hinaus gehe.

Die i-Live-Gruppe hat dennoch den Schritt nach Rhein-Main gewagt und mit dem „Main Atrium“ ihr erstes Projekt hier realisiert – 90 Prozent der Apartments sollen vermietet sein. Um die Lage auszutesten, sind Mitarbeiter des Unternehmens vor der Standortentscheidung per Rad zum Hochhaus der EZB gefahren und haben die Zeit gestoppt.

Niko Chatziastrou fährt mit dem Auto – zum Flughafen. Der junge Mann ist vor fünf Monaten wegen des Jobs von Reutlingen hergezogen, erst nach Langen und nun nach Offenbach. In welcher Stadt er wohnt, ist dem Flugbegleiter aber gar nicht so wichtig – Hauptsache er ist schnell bei der Arbeit und er kann ab und zu mal nach Frankfurt fahren. Für Leute wie ihn ist das „Main Atrium“ keine sterile Wohnfabrik, sondern ein Ort zum Zurücklehnen.

Auch die Sache mit den Eiern findet er „cool“ – auch wenn pro Tag nur wenige gelegt werden. Lebensmittel gibt es hier ja trotzdem: Heute eröffnet im „Main Atrium“ die erste Alnatura-Filiale Offenbachs. Ein bisschen erinnern die Hühner Chatziastrou jedenfalls an sein griechisches Heimatdorf, erzählt er. Direkt neben dem kleinen Stall im Innenhof steht eine 18 Meter hohe Brandwand, die von Künstlern mit einem Gemälde Rio de Janeiros besprüht wurde – inklusive Armensiedlungen. Von seinem Zimmer, das mit Stellplatz 610 Euro kostet, schaut Chatziastrou direkt darauf.

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