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Retter zeigen die Notfallbehandlung im "Schockraum" des Sana-Klinikums.

Offenbach

Helfen, wenn das Herz stillsteht

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Das Sana-Klinikum Offenbach startet eine Kampagne, um über Erste Hilfe bei akutem Herzstillstand zu informieren.

Etwa 100 000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen akuten Herzstillstand – doch nur rund 5000 können gerettet werden. Diese Zahlen nennt Professor Harald Klepzig, Chefarzt der Kardiologie am Sana-Klinikum Offenbach. Hauptgrund für diesen niedrigen Wert ist ihm zufolge, dass sich die meisten Menschen nicht trauten, Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. „Die Menschen scheinen nicht belehrbar zu sein“, konstatiert der Kardiologe. Klepzig muss es wissen, sitzt er doch im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Um die Bedeutung der Ersten Hilfe bekannter zu machen, hat das Offenbacher Sana-Klinikum nun eine Informationsoffensive gestartet. Am Mittwoch konnten sich Interessierte in dem Krankenhaus darüber informieren, was im Fall eines Herzstillstands zu tun ist. Sie lernten dabei auch, dass es selbst kerngesunde junge Leute treffen kann – etwa beim Sport. Ganz konkret stattet das Sana-Klinikum zudem in Zusammenarbeit mit der Stadt bis Ende des Jahres rund zehn Offenbacher Sportstätten mit Defibrillatoren aus, zudem werden Mitglieder von Vereinen in der Nutzung geschult.

Wie erfolgreich eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit auf lokaler Ebene sein kann, zeigten die intensiven Bemühungen einiger US-amerikanischer Städte in diesem Bereich, wie Klepzig anführt: In Städten wie Seattle sei die Rettungsquote von Herzstillstandspatienten so auf 20 bis 30 Prozent angestiegen.

Stefan Wenzel, ärztlicher Leiter des Notarztteams des Sana-Klinikums, betont, dass man sich ein „Herz fassen muss, anderen Menschen ans Herz zu fassen“. Denn pro Minute nicht durchgeführter Wiederbelebungsmaßnahmen nach einem Herzstillstand sinke die Chance der Rettung um etwa zehn Prozent. Und auch danach rennt die Zeit: Das Sana-Klinikum verfolgt deshalb wie andere Krankenhäuser auch das Ziel, dass zwischen Notruf und fachlicher Versorgung im eigens dafür eingerichteten „Schockraum“ maximal zwei Stunden vergehen.

Rund 100 Mitarbeiter aus verschiedenen medizinischen Disziplinen sind am Sana-Klinikum in die Arbeit mit Herzstillstand-Patienten eingebunden. Diese interdisziplinäre Arbeit erhält nun einen Namen: „Cardiac Arrest Center“. Unter dem gedanklichen Dach eines solchen Herzstillstandzentrums seien die medizinischen Abläufe im Notfall und danach nun noch klarer definiert, erklärt Daniel Kiefl, Chefarzt der Notaufnahme.

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