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Führt die SPD-Fraktion an: Helena Wolf. Foto: Monika Müller
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Führt die SPD-Fraktion an: Helena Wolf.

Offenbach

Helena Wolf: „Ich traue es mir zu und weiß was ich will“

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Helena Wolf führt mit nur 24 Jahren die SPD-Fraktion in Offenbach an und will auch ein Vorbild für junge Mädchen und Frauen sein.

Helena Wolf hat in den vergangen Tagen und Wochen schon einige kritische Reaktionen zu ihrer Wahl als SPD-Fraktionschefin zu hören bekommen: „Die macht das maximal ein Jahr. Die überlebt das doch eh nicht.“ „Das ist die Auswirkung davon, dass da jemand seine Interessen durchsetzt.“ „Man setzt da jetzt ein kleines Mädchen hin, die nicht Nein sagt.“ „Das“, sagt die 24-Jährige, „ist definitiv nicht der Fall. Das wissen auch alle Beteiligten.“

Wolf ist nicht nur die erste Frau an der Fraktionsspitze der Offenbacher SPD, sondern mit weitem Abstand auch die jüngste. Nachdem klar war, dass der bisherige Fraktionschef Martin Wilhelm zum Kämmerer gewählt werden soll, ist der Posten vakant geworden. „Irgendwann haben sich die Dinge anders entwickelt, als ich das selbst erwartet habe“, sagt Wolf zum Entscheidungsprozess. Komplettiert wird der Fraktionsvorstand von Maurice Skowronek, Ida Todisco und Holger Hinkel.

Wolf ist im März zum ersten Mal ins Stadtparlament gewählt und dabei von Platz acht auf fünf kumuliert worden. Zusammen mit Hibba Kauser (22), die von Platz vier auf zwei kumuliert wurde, hat Wolf es offensichtlich geschafft, jüngere Wählerinnen und Wähler zu begeistern.

Politisch engagiert ist die gebürtige Offenbacherin schon lange. In die Organisation der Jusos ist sie im Januar 2015 eingetreten, seit eineinhalb Jahren führt sie den SPD-Ortsverein Tempelsee/Lauterborn an. Sie war Schulsprecherin der Rudolf-Koch-Schule, in der sie ein Jahr lang im Fach Politik und Wirtschaft Schülerin des heutigen Oberbürgermeisters Felix Schwenke war. An der Technischen Universität in Darmstadt, wo sie Maschinenbau studiert, war sie Asta-Vorsitzende. „Ich habe schon immer gerne Politik da gemacht, wo ich Veränderungen sehen kann“, sagt Wolf.

Sie will sich insbesondere dem Thema Kinderarmut widmen und den im Koalitionsvertrag beschlossenen Aktionsplan umsetzen. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie im März 2020 engagiert sich Wolf ehrenamtlich bei der Tafel. „Das hat meinen Blick auf Armut noch einmal geschärft“, sagt sie. Das auch unangenehme Themen auf sie zukommen würden, wie die Einsparungen im öffentlichen Personennahverkehr, die sie in ihrer ersten Rede in der Stadtverordnetenversammlung verteidigen musste, war ihr von Anfang an bewusst. Sie habe rote Linien, die sie nicht überschreiten werde. Bei anderen Dingen finde man Kompromisse. „Als junger Mensch muss man so viel arbeiten, um ernst genommen zu werden. Als junge Frau vier Mal so viel.“

Eigenen Weg gehen

Sich durchzusetzen, hat sie früh gelernt. Bereits mit dreieinhalb Jahren hat sie angefangen, bei der SG Wiking Fußball zu spielen, und bis zu ihrem 14. Lebensjahr kickte sie mit Jungs. Dann wechselte sie für zwei Jahre zu Eintracht Frankfurt, ehe sie zur SG Wiking zurückkam und sich ausgerechnet im Spiel gegen die Eintracht den Mittelfußknochen brach; mit 17 hörte sie mit dem Fußball auf. Parallel dazu hat sie mit elf Jahren angefangen zu rudern und 2016 knapp die Qualifikation für die Juniorenweltmeisterschaft in Rio de Janeiro verpasst. „Früher habe ich meine Energie im Sport gebündelt, jetzt in der Politik“, sagt sie schmunzelnd. Sie läuft aber immer noch und fährt zudem Rennrad.

Zum Maschinenbaustudium ist Wolf eher über Umwege gekommen, sie findet es eigentlich uninteressant, Maschinen zu konstruieren. Durch ihren mehrmonatigen Aufenthalt in Island kann sie sich vorstellen, in die Entwicklung und Erforschung bei erneuerbaren Energien einzusteigen. Sie will ihren Master abschließen und dann möglicherweise ein Studium des Umwelt-Ingenieurwesens dranhängen. In ihrer politischen Arbeit will sie Mädchen und jungen Frauen zeigen, wie stark junge Frauen sein können und das man seinen eigenen Weg gehen kann. „Das habe ich immer gemacht. Sowohl mit dem Fußball als auch mit dem Maschinenbau als auch jetzt als Fraktionsvorsitzende.“

Sie will in den eigenen Reihen kritisch bleiben und sich ihren Blick von außen, den sie als frischgebackene Stadtverordnete noch hat, bewahren. Auf der anderen Seite will sie all jenen zurufen, die sie politisch noch unterschätzen: „Ich traue mir das zu. Ich bin vielleicht erst 24, aber ich weiß, was ich will, und werde auch umsetzen, was ich will.“

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