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„Das Haus platzt aus allen Nähten“

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Von: Sigrid Aldehoff

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Die Ausstellungseröffnung im Rahmen der Jubiläumsfeier des Frauenhauses lockte einige Besucher an.
Die Ausstellungseröffnung im Rahmen der Jubiläumsfeier des Frauenhauses lockte einige Besucher an. © Monika Müller

Der Verein "Frauen helfen Frauen" ist Träger des Offenbacher Frauenhauses. Im Interview sprechen die Vereinsvorstandsmitglieder Margareta Sticksel und Heidi Balthasar über große Spendenbereitschaft und steigenden Bedarf.

Vor 20 Jahren gab es noch starke Vorbehalte gegen das neue Frauenhaus. Welche Befürchtungen hatten die Leute?

Margareta Sticksel: Generell wurde die gesamte Frauenbewegung auch vor 20 Jahren noch sehr kritisch gesehen. Hinzu kam das Misstrauen, dass wir als Verein „Frauen helfen Frauen“ mit den öffentlichen Geldern von Land und Stadt für ein autonomes Frauenhaus nicht richtig umgehen und nicht zu ordnungsgemäßer Buchführung in der Lage sein könnten. Umso größer war dann das Erstaunen, als es geklappt hat.

Fühlen sie sich heute akzeptiert?

Sticksel: Wir haben heute einen sehr stabilen Stand in Offenbach und erfahren parteiübergreifende Unterstützung.

Schlägt sich die gestiegene Anerkennung auch in der Spendenbereitschaft nieder?

Sticksel: Ja, zum Glück. Wir haben einen festen Stamm von Unterstützern, die direkt spenden oder mit viel Engagement Geld sammeln. Darauf sind wir dringend angewiesen, denn die Kosten, vor allem für das Personal, steigen und die Zuschüsse sinken.

Wie viele Mitarbeiterinnen hat das Haus und wie viele Frauen können hier untergebracht werden?

Sticksel: Wir haben sechs pädagogische Mitarbeiterinnen auf vier Vollzeitstellen und 32 Plätze in zwölf Zimmern. Das reicht aber nie, wir haben dreimal so viele Anfragen wie Plätze.

Wie viele Frauen und Kinder sind in den vergangenen 20 Jahren in das Frauenhaus geflohen?

Sticksel: Etwa 1500 bis 2000 Frauen und ebenso viele Kinder. Trotz des Gewaltschutzgesetzes in Hessen steigen die Anfragen, wir platzen aus allen Nähten. Die Frauenhäuser in Hessen sind alle miteinander vernetzt, manchmal müssen wir die Frauen bis nach Bad Hersfeld vermitteln, weil dort der einzige freie Platz ist.

Möchten die Frauen denn nicht ohnehin möglichst weit weg von ihrem Peiniger untergebracht werden?

Heidi Balthasar: Das hängt von der Lebenssituation ab. Wenn die Kinder in die Schule oder Kita gehen und die Frauen arbeiten, wollen sie unbedingt in Offenbach bleiben. Wir müssen dann abschätzen, wie hoch die Gefahr ist, dass der Mann sie dort abfängt.

Ist die steigende Nachfrage nach Unterbringung im Frauenhaus ein Indiz für das gestiegene Selbstbewusstsein von Frauen, sich nicht länger der Gewalt auszusetzen?

Balthasar: Unser Image ist inzwischen so gut, dass die Hemmschwelle gesunken ist, hier Zuflucht zu suchen. Aber wer zu uns kommt ist meist auch jahrelang misshandelt worden und hat meist kein Selbstbewusstsein mehr. Oft geben sich Frauen sogar selbst die Schuld und erklären die Gewalt des Mannes mit eigenem Fehlverhalten.

Das Interview führte Sigrid Aldehoff.

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