+
Kreative Motive und große Rocksongs – diese Mischung lockte in diesem Jahr besonders viele Besucher in den Büsingpark.

Lichterfest

Ein Hauch von Woodstock in Offenbach

  • schließen

Große Rock-Songs, geniale Sänger und ein 50-köpfiges Symphonieorchester - das ist die gelungene Mischung beim diesjährigen Lichterfest im Offenbacher Büsingpark.

Samstagabend in Offenbach: Rockrhythmen durchziehen die Innenstadt, ein rotes Lichtermeer illuminiert den Büsingpark an der Berliner Straße. Das Lichterfest ist 15 Jahre alt – und feiert sich quasi selbst mit einer Hommage an das legendäre Woodstock-Festival, das im August vor 50 Jahren im US-Bundesstaat New York stattfand. Erstmals entführte die Neue Philharmonie Frankfurt die Zuschauer nicht teilweise in die Welt der Klassik, sondern widmete sich den ganzen Abend lang ausschließlich großen Rock-Songs.

Symphonic Rock in Concert war das Motto, das die Neue Philharmonie Frankfurt für dieses Jahr ausgewählt hatte. Ein Thema, das den Geschmack vieler traf. Dicht an dicht lagen die Picknickdecken der Besucher auf der Wiese im Büsingpark, ein breiter Menschenstrom flanierte an den Lichtermotiven vorbei, die mehr als 30 Vereine mit 70 000 Kerzen gelegt hatten. Dass der Wetterbericht keinen Regen vorhersagte, veranlasste zahlreiche Bürger, spontan das Lichterfest zu besuchen. Die Veranstaltung begann somit mit einer viertelstündigen Verspätung, weil die Schlangen an den Kassen um 20 Uhr noch lang waren.

Die Stuhlreihen vor der Bühne waren ausverkauft – und auch die Gäste aus der japanischen Partnerstadt Kawagoe waren begeistert.

Das 50-köpfige Orchester, die Rockband und drei stimmgewaltige Solisten der Neuen Philharmonie sorgten dann für ein sinfonisches Sound-Gewitter, für Gänsehaut-Momente und für Begeisterung. Und es war richtig großes Kino, als „With a Little Help from My Friends“ mit der Reibeisenstimme des Originalinterpreten Joe Cocker erklang.

Songs von Joe Cocker und The Who schufen auch die Verbindung zu Woodstock – der Sänger und die Band traten damals während des dreitägigen Festivals vor 400 000 Zuschauern auf. Doch auch neuere Rockrhythmen kamen zu ihrem Recht – wie etwa „Skyfall“ von Adele oder „Viva la Vida“ von Coldplay. Am Ende hatte das Lichterfest sogar noch ein bisschen mehr von Woodstock: Bei der Zugabe klatschten fast alle Zuschauer mit und tanzten zum Teil mit nackten Füßen auf der Wiese.

Mit großen Stimmen glänzten die Solisten aus den Reihen der Neuen Philharmonie Frankfurt.

Die Vereine setzten das Motto mit den Teelichtern diesmal besonders kreativ um. Bei der Kolpingfamilie stützte sich eine Ballerina auf eine E-Gitarre, beim Wassersportverein grüßte die berühmte herausgestreckte Zunge der Rolling Stones, bei der Freien Evangelischen Gemeinde saßen ein Engel mit einer Harfe und ein Engel mit einer E-Gitarre auf Wolken. Die Wirtschaftsjunioren Offenbach verpassten ihrem großen Teelichter-Bass und ihrem Cello sogar Saiten aus Häkelgarn. Der TV Offenbach dagegen nahm das Wort „Rock“ wörtlich und wählte das Kleidungsstück als Motiv. Beim Skiclub Offenbach kreischte ein mit Teelichtern stilisierter Sänger ins Mikrofon.

Lesen Sie auch: Woodstock 1969: Eine Generation, die sich in ihrem Widerstand selbst entdeckt

Der Skiclub bereitet sich jedes Jahr besonders akribisch auf das Fest vor. Drei Wochen vorher werden erste Entwürfe zu Papier gebracht. Das Motiv der Wahl wird dann probeweise mit Unterlegscheiben im Verhältnis 1:10 gelegt und anschließend abfotografiert. Das Foto wird in Quadrate unterteilt, ausgedruckt und vervielfältigt und dient den „Motivbauern“ beim Lichterfest als Vorlage. Auf der Anhöhe unter dem Monopteros, dem offenen Rundtempel, baut der Verein schließlich ein Seilgerüst von sechs mal sechs Metern und 50 Zentimeter großen Quadraten auf, in das die Teelichter maßstabsgetreu verbaut werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare