Buchstaben und Bücher aus Holz

Klingspormuseum sichtet seine Bestände und stellt eine neue Ausstellung zusammen

Von ANGELIKA OHLIGER

Was hat Holz mit dem Museum für Schriftkunst zu tun? Eine ganze Menge und sogar mehr, als die Macher des Klingspormuseums zunächst selbst gedacht hatten. Die Offenbacher waren eingeladen, sich an den Kulturtagen der Holzwerkstatt in Frankelbach bei Kaiserslautern unter dem Stichwort Holz zu präsentieren, berichtet Bibliothekarin Martina Weiß. Das, was sie dafür aus ihrer eigenen Sammlung zusammengetragen haben, ist jetzt auch in den eigenen Räumen zu sehen.

Stammbaum der Schriftarten

Das Thema Holz, so sagt Martina Weiß, kann im Klingspormuseum in drei Kapitel eingeteilt werden: der Baum oder der Wald als Darstellung, Bücher und Objekte aus Holz sowie Holzschnitte- und buchstaben. Zu Kapitel eins ist unter den 50 Exponaten im ersten Obergeschoss ein Stammbaum der Schriftarten zu sehen oder ein Plakat, das der Grafikdesigner Günther Kieser im Jahr 1978 zur Ankündigung des Frankfurter Jazz-Festivals gestaltet hat. Es zeigt eine aus Holz und Rinde bestehende, zum Teil mit Moos bewachsene Trompete, aus der frische Ahorn- und Lindenblätter sprießen.

Zu den Holzobjekten aus der Sammlung gehört die Schriftplastik von Hans Schmidt. Sie besteht aus vier hölzernen Würfeln, die soweit ausgehöhlt wurden, dass nur noch die Buchstaben N, A, K und T übrigbleiben. Ein C klebt wie ein Henkel am K. Zusammen entsteht das Wort "Nackt". Es ist der Titel der Plastik. Ein japanisches Reklameschild aus dem späten 19. Jahrhundert, mit dem ein Sakehändler warb, und ein Holzbuch mit Blindenschriftzeichen sind ebenfalls ausgestellt. Paul Stein hat ein Künstlerbuch mit einem Einband geschaffen, der aus Brettern von einem Küchenschrank besteht.

Eine große Rolle spielen Holzbuchstaben. "Der Holzschnitt ist die älteste Druckart", sagt Martina Weiß. Auch in der Schriftgießerei Klingspor seien Holzbuchstaben für den Plakatdruck verwendet worden. "In Blei wären sie in dieser Größe megaschwer gewesen."

Die einzige Leihgabe stammt von der Groß-Gerauer Künstlerin Tanja Leonhardt. Sie hat mit einer Kettensäge aus einem 70 Zentimeter hohen Massivholzrohling den Buchstaben L, auf einem Podest stehend, geschnitten. Er ist der erste von 50 bis 60 Buchstaben, die Leonhardt zusammen mit dem Rodgauer Kulturverein Kulta zu einem beweglichen Spiel für draußen machen möchte - angelehnt an die Freiluftschach-Idee. Es könnte im Park einer Behinderteneinrichtung oder eines Altenheims stehen, wo auch Schülergruppen zum Spielen hinkommen können.

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