Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Offenbach

„Hände weg von unseren Kolleginnen und Kollegen“

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
    schließen

Das Personal vom Offenbacher Sana-Klinikum protestiert gegen Kündigung der Servicekräfte und Zustand in der Pflege.

Keine arbeitslosen Kollegen.“ „Kein Holen aus Frei und Urlaub.“ „Gesundheit ist keine Ware.“ Diese und weitere Sätze haben Beschäftigte des Sana-Klinikums in Offenbach am Mittwoch mit Filzstiften auf einen weißen Würfel geschrieben. Rund 100 Menschen versammelten sich zwischen 12 und 14 Uhr auf dem Gelände des Klinikums. Zum einen, um gegen die geplanten Entlassungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tochtergesellschaft DGS pro service GmbH zu protestieren. Zum anderen, um am Tag der Pflege auf die unhaltbaren Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

Unterstützung und Solidarität bekamen sie von Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), der von einem fatalen Signal während der Coronavirus-Pandemie sprach. „Stehen Sie weiter zusammen, damit es nicht bei einer Aufregung bleibt, sondern so lange, bis die wichtigen Fragen beantwortet sind“, sagte der OB.

Und es gibt einige offene Fragen. Zum Beispiel, wie viele Beschäftigte genau betroffen sind und wer die Arbeit dann machen soll. Der Sana-Konzern will in ganz Deutschland 1000 Stellen streichen. Betroffen sind Hol- und Bringdienst, Patientenbegleitdienst, Info, Stationshilfsdienst, Wäscheservice, Archiv und Modul. Nur die Reinigungskräfte will Sana behalten. „Bislang sind unsere Gesprächsanfragen und unser Fragenkatalog unbeantwortet geblieben“, sagt Kay Eichler, der Betriebsratsvorsitzende der DGS pro service GmbH.

Laut Sana-Konzern sind 58,21 Vollzeitstellen und 60 Mitarbeiter:innen in Offenbach betroffen. „Wir haben die Unterlagen angefordert“, aber nichts bekommen, sagt Eichler. Bereits im März waren zehn Beschäftigte entlassen worden; deren Arbeit musste das Pflegepersonal übernehmen. „Wir befürchten, dass genau das auch jetzt passiert oder ein Externer beauftragt wird, der nur Mindestlohn zahlt“, kritisiert Eichler.

Der Sana-Konzern will die verschiedenen Bereiche in separate Strukturen bringen und somit eine fachliche Spezialisierung vorantreiben. Für zwei Stationsassistentinnen, die nicht beim Namen genannt werden wollen, klingt das wie Hohn. „Ich komme mir vor, als wäre ich dumm“, sagt eine von ihnen, die seit 42 Jahren im Klinikum arbeitet. Sie kümmere sich um Bestellungen und Botengänge, um den Krankenpfleger:innen den Rücken freizuhalten.

Viele Gefährdungsanzeigen

„Hände weg von unseren Kolleginnen und Kollegen“, forderte Peter Eichler, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Sana-Klinikums. Er berichtete, dem Betriebsrat seien im März 67 und im April 82 Gefährdungsanzeigen auf den Tisch gelegt worden. „Die Dunkelziffer ist hoch. Denn wenn ich keine Zeit habe oder der Arbeitgeber nicht reagiert, schreibe ich keine Gefährdungsanzeige“, sagte Eichler. Das sei ein Teufelskreis, aus dem man nur mit mehr Personal herauskomme. „Was wir hier tun, geht in allererster Linie auf die Gesundheit der Beschäftigten. Damit muss Schluss sein, sonst gibt es bald keine Beschäftigten mehr im Gesundheitswesen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare