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Gymnasiallehrer boykottieren Infotag

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Von: Frank Sommer

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Protest gegen Überlastung an drei Schulen. Schulamt kippte freien Fastnachtsdienstag.

Jedes Jahr laden die weiterführenden Schulen an einem Samstag zum Tag der offenen Tür ein, an dem sich Eltern und Schüler informieren können. Bei den drei Gymnasien Albert Schweitzer, Leibniz und Rudolf Koch bleiben demnächst aber die Türen zu: Die Lehrer boykottoerem die bereits angesetzten Infotage.

„Anfang des Jahres haben alle drei Gymnasien Überlastungsanzeigen an das Ministerium geschickt, doch geändert hat sich seitdem nichts“, sagt Fredi Quirmbach, Personalratsvorsitzender der Albert-Schweitzer-Schule. Dass den Lehrern nun ein Ausgleichstag für das Zusatzengagement gestrichen wurde, habe das Fass zum Überlaufen gebracht: Bisher gab es die Möglichkeit, an Fastnachtsdienstag den Unterricht ausfallen zu lassen, doch dies habe das Staatliche Schulamt untersagt. Da die Lehrer als Beamte nicht streiken dürfen, könnten sie lediglich protestieren und dem als „freiwilliges Zusatzangebot“ deklarierten Infotag fernbleiben.

„Mir blieb keine andere Möglichkeit, was den Fastnachtsdienstag anbelangt“, sagt Schulamtsleiterin Susanne Meißner. Eltern hätten sich bei ihrer Behörde beschwert, dass der Unterricht an diesem Tag ausfiel und nach der rechtlichen Grundlage hierfür gefragt. „Den Hinweis, dass dies eine Kompensation für den Dienst am Tag der offenen Tür sei, ließen sie nicht gelten, da an diesem kein Unterricht angeboten werde“, sagt Meißner. Da auch in Frankfurt oder Hanau an Fastnachtsdienstag unterrichtet werde, habe sie keinen Spielraum gehabt, erneut den Ausfall zu gewähren.

Für die Lage der Lehrer habe sie Verständnis, sagt Petra Blaufuss vom Stadtelternbeirat, der Boykott sei aber problematisch. „Viele Eltern sind beruflich so eingebunden, dass sie nur samstags Zeit für eine Infoveranstaltung haben“, sagt sie.

In der Analyse der Überlastung sind sich Personalräte, Schulamt und Stadtelternbeirat weitgehend einig: Die Lehrer müssten immer mehr Aufgaben übernehmen, da die Schülerschaft heterogener sei und mehr Schüler ohne Gymnasialempfehlung auf Elternwunsch an den Gymnasien seien. „Da muss mehr korrigiert, es muss mehr vorbereitet werden“, sagt Quirmbach, „selbst für einfachste Dinge müssen wir inzwischen ständig Infozettel verteilen, damit der Schulalltag überhaupt funktioniert.“

Andere Pausenzeiten?

Zudem delegierten die Eltern immer mehr Erziehungsaufgaben an die Lehrer, ergänzt Meißner. Da gleichzeitig auch viele Eltern die Arbeit der Lehrer kritisch hinterfragten und wegen Schulnoten auch gerne mal Anwälte einschalteten, stünden die Lehrer unter einer dauerhaften Belastung. „Wir wollen unsere Arbeit ja auch gut machen“, sagt Quirmbach, „deshalb muss sich etwas ändern.“

Bei der Frage, wie dem Problem der Überlastung zu begegnen sei, gehen die Meinungen aber auseinander: Während das Schulamt vorschlägt, die Pausenzeiten zu verändern, damit die Lehrer während des Tages etwas zur Ruhe kommen könnten, plädieren Personalräte und Stadtelternbeirat für mehr Personal. „Wenn es vom Ministerium heißt, die Lehrerversorgung sei ausreichend, dann ist das in Schulnoten ausgedrückt eine Vier – weit entfernt von gut“, sagt Blaufuss.

Schulamtsleiterin Meißner kündigt gegenüber der FR aber auch an, mit dem Kultusministerium wegen eines Kompensationstags für die Lehrer zu sprechen. Die übrigen weiterführenden Offenbacher Schulen sind vom Boykott nicht betroffen.

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