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Bettina von Nüss muss ihre Wasserpraxis aufgeben.
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Bettina von Nüss muss ihre Wasserpraxis aufgeben.

Wasserpraxis am Offenbacher Klinikum

Auf Grund gelaufen

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Leere Becken, blanker Boden: Die Schließung der Wasserpraxis am Offenbacher Klinikum zieht nicht nur die Betreiberin in Mitleidenschaft - auch die 14 Mitarbeiter stehen vor der bitteren Realität.

Der Anblick ihrer Arbeitsstätte hat für Bettina van Nüss dieser Tage etwas Sinnbildliches. Das Becken ist leer, das Wasser ist verschwunden und hat den Blick auf den blanken Boden freigegeben. Eine schlimmere Bestandsaufnahme kann man sich für ein Bewegungsbad kaum vorstellen. Und doch ist es bittere Realität für die Betreiberin der Wasserpraxis am Offenbacher Klinikum. Ebenso für 14 Mitarbeiter. Der Betrieb ist stillgelegt. „Eine Katastrophe“, viel mehr fällt van Nüss nicht mehr ein. Anfang Oktober wurde die Praxis per Amtsverfügung geschlossen. Hintergrund waren einerseits vom Gesundheitsamt festgestellte Hygienemängel. Zum Anderen fehlten wichtige Unterlagen für die Baugenehmigung.

Letztere hat nämlich, obwohl das Bewegungsbad bereits 2010 im Rahmen des Klinikumneubaus errichtet wurde, nie vorgelegen. Rein baurechtlich dürfte das Bad gar nicht existieren. Die Klinikum Offenbach GmbH ließ es dennoch auf Betreiben der Mediclin GmbH, die als Mieter einen Teil des Klinikums nutzte, errichten. Von Mediclin wiederum mietete Bettina van Nüss Ende 2012 das Bewegungsbad an und eröffnete darin ihre Wasserpraxis Anfang dieses Jahres. „Von den ganzen Schwierigkeiten im Hintergrund, habe ich damals noch nichts gewusst.“

Tatsächlich beschäftigten schon damals Mängel bei Lüftung, Filtern und Brandschutz die Bauaufsicht. Eine Ausnahmegenehmigung wurde bis Ende September erteilt. Als bis dahin noch keine genehmigungsfähigen Unterlagen vorlagen, musste das Bad geschlossen werden.

„Ich sehe mich mit Schuldzuweisungen konfrontiert, die ich sehr unfair finde“, beklagt sich van Nüss. Durch den Verkauf des Offenbacher Klinikums und dem Auszug der Mediclin hat sich die Lage zusätzlich verkompliziert. Die Fragen, wer eigentlich für den Pfusch bei den Anlagen verantwortlich ist und wie es eigentlich dazu kommen konnte, dass das Bewegungsbad ohne Baugenehmigung errichtet wurde, harren derweil ihrer Antworten.

Van Nüss droht indes durch die Schließung der Wasserpraxis das berufliche Aus. Rund 50 000 Euro hat sie nach eigenen Angaben vor knapp einem Jahr in die Neuausstattung des Bewegungsbades gesteckt. Bis zu 500 Menschen nutzten es zuletzt jede Woche, darunter auch Patienten des Klinikums sowie verschiedener Offenbacher Orthopäden.

Zu den größten Kooperationspartnern zählte die Offenbacher Ortsgruppe der Rheuma-Liga. Drei Gruppen mit insgesamt 35 Patienten nutzten die Wasserpraxis für Bewegungstraining. „Für unsere Mitglieder war das besonders wichtig. Bei vielen ist die Krankheit soweit fortgeschritten, dass an Trockengymnastik nicht mehr zu denken ist“, erklärt Elke Woltersdorf, Leiterin der Rheuma-Liga.

Auch Woltersdorf sieht in der Schließung nicht weniger als eine „Katastrophe“. Kein Wunder. Für rheumatisch-erkrankte Menschen ist die Wasserpraxis die einzige Möglichkeit für Wassergymnastik im ganzen Stadtgebiet dar. Nur eine Woche vor der Schließung hatte sich die Rheuma-Liga noch mit van Nüss darauf verständigt, eine weitere Gruppe für Rheumatiker einzurichten. „Jetzt müssen wir wirklich alle einfach wegschicken.“ Voraussetzung für die Wiedereröffnung der Wasserpraxis wären weitreichende Umbauten. Deren Höhe ermitteln derzeit Gutachter im Auftrag des neuen Klinikum-Eigentümers, der Sana AG. Erste Schätzungen, gehen von Kosten in Höhe von 200 000 bis 400 000 Euro aus. Beträge, die van Nüss keinesfalls aus eigener Tasche zahlen kann.

Die Hoffnung ruht daher finanzieller Unterstützung durch die Sana AG. In der Münchner Konzernzentrale allerdings will man sich zu dem Themenkomplex erst äußern, wenn die Gutachten vorliegen.

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