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Eines von vielen Graffiti an der Fassade des Isenburger Schlosses.

Vandalismus

Graffiti übersäen Schlossmauern

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Der Außenbereich des Isenburger Schlosses in Offenbach ist von Graffiti übersät und verunreinigt. Als Besitzer des Gebäudes gerät das Land Hessen deshalb in die Kritik.

Ein Hausmeister kehrt am frühen Donnerstagmorgen die Überreste der Nacht zusammen. Scherben von Bierflaschen und Schalen von Sonnenblumenkernen liegen an einem der Treppenaufgänge zum Isenburger Schloss. Ausnahmslos alle Außenwände des Bauwerks aus dem 16. Jahrhundert sind mit Graffiti übersät. Genauso die Holz- und Glastüren und Hinweistafeln des eigentlich repräsentativen Gebäudes für die Stadt Offenbach. Das Renaissanceobjekt sowie das Schlossareal gehören dem Land Hessen. „Für die laufende Instandhaltung sowie die Pflege vor Ort ist die Hochschule für Gestaltung (HfG) als liegenschaftsverwaltende Stelle zuständig“, heißt es vonseiten des Landes. Dafür steht der Schule ein Etat zur Verfügung, den diese ausschöpft.

Für die HfG ist das Vandalismusproblem nicht neu, aber nicht weniger ärgerlich. „Wir haben bereits mit einer Firma gesprochen, um das Graffiti zu entfernen und das wird auch kurzfristig passieren“, sagt Katja Kupfer Sprecherin der Hochschule. Dabei ist eine spezielle Lehmfarbe nötig und die Kanzlerin der HfG steht mit dem Denkmalamt in Kontakt, um sich eng abzustimmen. „Dafür reicht auch das Geld und war ohnehin eingeplant“, so Kupfer.

Die HfG war das Graffitiproblem nicht unmittelbar angegangen, weil andere Themen in den vergangenen Wochen und Monaten Priorität hatten. Die IT-Infrastruktur, die Rückkehr der Schüler bei Einhaltung der Hygieneregeln und wie stellt sich die Schule in Zeiten von Corona insgesamt auf. „Das hat viel Kraft und Energie gekostet“, sagt Kupfer.

„Eigentum verpflichtet“

Der Schlossplatz werde zwar täglich gereinigt, da es sich aber nicht um einen geschützten Campus, sondern um einen öffentlichen Platz handelt, habe sich der Zustand coronabedingt „zugespitzt“, formuliert es Kupfer. In den vergangenen Monaten sei es auch schon vorgekommen, dass neben dem üblichen Müll auch Exkremente und Erbrochenes vom Hausdienst entfernt werden mussten. Die HfG hofft auf Unterstützung der Stadt Offenbach. Der sind wiederum die Hände gebunden, weil das Gelände nicht in städtischer Hand ist, betont Christian Broos, Leiter der Stabstelle Sauberes Offenbach. „Die Situation ärgert uns natürlich auch.“ Broos will Kontakt zum Land und zur Schule aufnehmen, um eine Lösung zu finden.

Oliver Stirböck findet den Zustand am Schloss „nicht zu ertragen“. Der FDP-Landtagsabgeordnete hat deshalb eine kleine Anfrage an das Land gestellt, um zum einen herauszufinden, wie viel Geld tatsächlich zur Instandhaltung des Bauwerks zur Verfügung steht. Zum anderen sei es „eine besondere Verantwortung“, so ein Gebäude zu besitzen und es sei eigentlich nicht sinnvoll, die Instandhaltung der HfG zu überlassen. Stirböck appelliert: „Eigentum verpflichtet. Das gilt auch für die öffentliche Hand.“

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