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Creis auf Folien gesprühte Bilder hängen bei gutem Wetter manchmal mehrere Wochen.

"Creis" in Offenbach

Graffiti auf Folie

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"Creis" wünscht sich, dass die Stadt legale Flächen für Graffiti-Künstler einrichtet. Bis es soweit ist, sprüht er eben auf Frischhaltefolie.

Wieder und wieder wickelt der Mann im grauen Hoodie-Pullover, der in der Graffiti-Szene unter dem Künstlernamen „Creis“ bekannt ist, Frischhaltefolie um zwei kleine Bäume im Offenbacher Wetterpark. Die Sonne steht tief. Und auf der Folie entsteht nach und nach ein Kunstwerk aus Sprühfarbe. Diesmal ist es ein Dinosaurier, der etwas grimmig, aber auch schelmisch dreinschaut.

Während Creis die Mimik rund um die Augen noch einmal neu konturiert und seine Baby-Bulldogge aufgedreht durch das hohe Gras fegt, bleiben immer wieder Passanten stehen und schauen interessiert zu.

Nach etwa zwei Stunden packt Creis seine Sprühdosen dann wieder ein und fährt nach Hause. Der Dino bleibt – zumindest so lange, bis die Witterung die Folie zerreißt. Das Stückchen Street Art, das der 26-Jährige an seinem Feierabend geschaffen hat, ist dann Geschichte.

In unregelmäßigen Abständen tauchen im Offenbacher Stadtgebiet Creis’ temporäre Kunstwerke auf – und verschwinden wieder. Am Main zum Beispiel – oder im Dreieichpark. Ungewöhnliche Orte sind das für Graffiti-Kunst, die man sonst eher am Stadtrand findet. Doch genau darum geht es Creis: dort sprühen, wo es schön ist, wo man sich gern aufhält.

Er erzählt von Miamis Stadtteil Wynwood, wo man an jeder Ecke legal sprayen und sich dabei wohlfühlen könne. Von Offenbach aus gesehen liegt der nächste legale Ort für Graffiti an der Rad- und Fußgängerunterführung am Ratswegkreisel in Frankfurt. Doch dort ist es oft duster, dreckig und laut. „Echt unentspannt“, sagt Creis. Schöner sei es unter der Friedensbrücke, wo er kürzlich ebenfalls „gemalt“ hat – inspiriert von der Ausstellung zum Graffiti-Künstler Basquiat in der Frankfurter Schirn.

In Offenbach fehlen solche legalen Flächen. Creis hofft, dass sich das ändert. „Es gibt genügend Sprüher, die hier sprühen würden, wenn sie könnten“, sagt er. Eine Fläche von acht Metern Breite und drei Metern Höhe würde schon reichen, sagt er – idealerweise doppelseitig besprühbar, damit man gleichzeitig mit Freunden sprühen kann.

Und idealerweise direkt am Main. Das Bewusstsein für den Kunststil habe in den letzten Jahren jedenfalls auch in Offenbach zugenommen, sagt Creis. Das merkt er an seinem Arbeitsort, der Offenbacher Graffiti-Agentur Artmos4. Deren vielleicht bekanntestes Werk ist seit 2012 im Kickers-Stadion zu sehen. „Auftragsgraffiti sind immer mehr gefragt“, erzählt Creis.

Bei der Stadt heißt es auf Nachfrage, dass man Street-Art-Künstlerinnen und -Künstlern immer wieder einmal „im Rahmen von Aktionen“ die Möglichkeit gebe, im städtischen Auftrag legal Flächen zu gestalten. Zuletzt sei dies am Hafen geschehen, wo die Offenbacher Künstlerin Thekra Jaziri eine Mauer zwischen dem Kohlelager des Heizkraftwerks und dem vielbefahrenen Rad- und Fußweg am Main gestaltet hat – mit bunten Farben und Formen aus dem arabischen Kulturraum.

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