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Zu einer Weinprobe lud Werner Frei (links) die Gäste aus Orjol in die Stadtbücherei ein.

Offenbach-Orjol

Gewachsene Freundschaft

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Die Chemie stimmt: Die Partnerschaft Offenbachs mit Orjol besteht seit 25 Jahren - Zum Jubiläum ist die Russische Delegation zu Gast. Heute Abend ist die offizielle Feier der Partnerschaft im Rathaus.

Es muss ein wunderbarer Abend gewesen sein, im Jahr 1987 in Saarbrücken. Der damalige Offenbacher Oberbürgermeister Wolfgang Reuter, Stadtverordnetenvorsteher Manfred Wirsing und der Orjoler Oberbürgermeister Anatoli Merzalov hatten sich dort bei einer Konferenz mit Vertretern verschwisterungswilliger Städte aus Deutschland und Russland kennengelernt, „und die Chemie stimmte sofort“, erinnert sich Manfred Wirsing am Mittwoch bei einem Klubabend mit Gästen aus der russischen Partnerstadt. Heute Abend ist die offizielle Feier zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft im Rathaus.

Lastwagenladungen nach Orjol

Es sei stark verkürzt, zu behaupten, dass 1987 die eigentliche Verschwisterung auf Wodka, Speck und Gurke begründet war, die dann noch in fröhlicher Runde im Hotelzimmer bis in den Morgen konsumiert wurden, aber ein unmittelbarer Zusammenhang besteht wohl schon. Denn anschließend war man sich mit dem wohl sehr charismatischen und humorvollen Anatoli Merzalov einig: Offenbach und Orjol sollten eine Partnerschaft eingehen. 1988 wurden die Papiere unterschrieben.

Allein in den vergangenen zwei Jahren seien 250 Menschen hin- und hergefahren, sagt Werner Frei. Er ist seit fünf Jahren Vorsitzender des Klubs und war zuvor bis zu seinem Ruhestand bei der Stadt Offenbach als Referent für die Partnerstädte zuständig. „Aber wir haben verwaltet, die eigentliche Freundschaft wuchs zwischen den Menschen“. Sie sei deshalb auch viel aktiver als alle anderen der insgesamt 13 Partnerschaften Offenbachs. Er erzählt auch von der bewegenden Aktion „Hilfe für Orjol“ Anfang der 90er Jahre, in deren Rahmen die Versorgungsengpässe bei den russischen Partnern gelindert wurden. Die Offenbacher spendeten Kleider und Geld für medizinische Hilfsgüter, die in mehreren Lastwagenladungen nach Orjol gefahren wurden.

Manfred Wirsing erinnerte sich an viele „wunderbare Begegnungen“ mit Freunden aus Russland. Er spricht aber auch von der Ablehnung, die die erste deutsche Delegation vor einer Gedenkstätte erfuhr, die an die Toten und die Zerstörung der Stadt unter der Besetzung der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg erinnerte. „Da saßen alte Frauen, die Männer und Söhne verloren hatten und fragten, was jetzt wieder Deutsche hier wollen.“ Er habe daraufhin eine der Frauen als Geste in den Arm genommen, „und sie bestand darauf, dass ich dann bei jedem Besuch bei ihr vorbeischaue“, erinnert er sich.

Wesentlichen Anteil am Gelingen der Partnerschaft hat auch.Elena Klotschkowa. Sie kommt seit 24 Jahren regelmäßig mit dem russischen Freundschaftsklub nach Offenbach, seit 1992 ist sie seine Vorsitzende. „Ich fühle mich hier wie zuhause“, sagt die frühere Dozentin für Deutsch an der Orjoler Universität und heutige Deutschlehrerin. „Zu viele Baustellen“ gebe es momentan in der Stadt, dies sei aber in Orjol genauso. „Die Leute hier ändern sich zum Glück nicht“, sagt sie, während sie immer wieder freudig Mitglieder des Offenbacher Klubs begrüßt.

Rückblickend sagt sie, dass der Fortbestand der Freundschaft auch dem früheren Staatschef Michail Gorbatschow zu verdanken sei. Denn auch wenn die Anfänge der Freundschaft noch im Kalten Krieg gelegt wurden, trug die Liberalisierung viel dazu bei, dass sie auch gepflegt werden konnte.

Russisch-Unterricht

Der Ursprung der Partnerschaft ging noch weiter zurück: Heiner Zeller, damaliger Leiter der Schillerschule, hatte als Schüler wohl ziemlich grauenhafte Lehrer in Englisch und Französisch gehabt und lernte deshalb Russisch. An der Schillerschule gab er Russisch-Unterricht und organisierte bereits Mitte der 70er-Jahre mit Unterstützung des Jugendamtes einen Jugendaustausch.

Dies war schwierig genug. „Und niemand hätte geglaubt, dass russische Schüler tatsächlich einen Gegenbesuch machen dürfen.“ Lange hielt Zeller diese Austausche aufrecht, später war er viele Jahre Vorsitzender des Klubs Offenbach-Orjol. Heute gibt es keinen Schüleraustausch der Schillerschule mehr mit Orjol. Statt Russisch wollten die Eltern lieber Spanischunterricht haben.

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