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Eine Rose und ein Lächeln: Hassan Ali und eine Mitstreiterin am Silvestermorgen.
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Eine Rose und ein Lächeln: Hassan Ali und eine Mitstreiterin am Silvestermorgen.

Offenbach

Gesten der Gemeinsamkeit

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Die Jusos und die „Muslime für Offenbach“ werben für ein friedliches Miteinander.

Irgendwie ging dann doch alles schneller als gedacht. Knapp 1000 Rosen hatten Philipp Türmer und seine Mitstreiter von den Offenbacher Jusos mitgebracht. Nach nicht einmal einer halben Stunde sind sie restlos verteilt und am improvisierten Infostand vor der Woolworth-Filiale in der Frankfurter Straße rätselt man an diesem Silvestermorgen, wie es nun weitergehen soll. Ein paar Aktivisten eilen in nahegelegene Blumenläden, um noch Nachschub zu besorgen. Denn ganz so schnell will man die Aktion „Roses for Peace“ eigentlich nicht enden lassen. „Es ist schließlich eine wirklich schöne Idee“, sagt Juso-Chef Philipp Türmer.

Die Aktion soll nicht nur schön sein, sondern in erster Linie ein Zeichen der Hoffnung. Nach einem Jahr, das gerade in Offenbach von teils unsachlichen Debatten über Integrationspolitik geprägt war, und in dessen Ausklang die antimuslimischen Pegida-Demonstration platzten, wollen es die Aktivisten in der Offenbacher Fußgängerzone mit einem Zeichen des Zusammenhalts enden lassen.

So verteilen etwa 50 von ihnen Rosen an die Passanten. Einige gehören den Offenbacher Jusos an. Den überwiegenden Teil aber stellt die neue, noch eher informelle Gruppe „Muslime für Offenbach“.

Mit zufriedenem Gesichtsausdruck begutachtet Hasan Ali, wie seine Mitstreiter ausschwärmen um noch ein paar Rosen loszuwerden. Jeder Blume beigefügt ist ein kleines Flugblatt, das den Empfängern ein friedliches Jahr 2015 wünscht. Ali, der seit neun Jahren in Offenbach lebt, war es, der Mitglieder verschiedener muslimischer Gemeinden für diese Aktion gewinnen konnte. Es soll ein Anfang sein. „Eines der Hauptprobleme ist“, sagt der 25-Jährige, „dass wir Muslime uns zu wenig am politischen Leben beteiligen.“

Ali selbst kann man diesen Vorwurf kaum machen. Der Student der Politik- und Sozialwissenschaften hat sich aktiv an der ägyptischen Revolution von 2011 beteiligt, gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Partei des späteren Präsidentschaftskandidaten Mohammed el-Baradei. Wochenlang harrte er auf dem Tahrir-Platz aus – und brachte von dort die Idee der „Roses for Peace“ mit.

Auf dem Tahrir-Platz nämlich hatten koptische Christen Kreise um ihre muslimischen Landsleute gebildet, um sie während des Gebets mit ihren eigenen Körpern vor Übergriffen durch die Sicherheitskräfte zu schützen. Die muslimischem Revolutionäre bedankten sich für die Solidarität, indem sie vor christlichen Kirchen Rosen verteilten. Ein Zeichen der Hoffnung in einem Land, das durch Konfessionsstreitigkeiten zerrissen ist, gegen die sich deutsche Integrationsdebatten geradezu lächerlich ausnehmen.

Für Ali geht es um mehr als reine Symbolpolitik. Es geht darum, die Muslime in Offenbach am öffentlichen Leben zu beteiligen und – sofern nötig – dazu zu bringen, sich deutlicher noch als bislang, von Extremisten in den eigenen Reihen zu distanzieren. „Wenn wir das nicht tun“, sagt Ali, „machen wir uns als friedliche Mehrheit angreifbar.“ Teile der deutschen Gesellschaft sind bereits zum Angriff übergegangen, wie sich in den letzten Wochen bei diversen Großdemos gezeigt hat. „Ich kann viele Ängste verstehen“, sagt Ali, „aber nicht warum sich diese gegen friedliche Mitmenschen richten.“ Dann verteilt er wieder Rosen.

Vom Infostand aus beobachtet auch Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) das Geschehen. „Eine schöne Geste“ sei das. Und vielleicht ein Vorbote für das kommende Jahr. Einen klaren Wunsch für 2015 hat Schneider jedenfalls: „Dass Offenbach weiter den Weg einer friedlichen, toleranten Stadt geht.“

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