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Die Zukunft ist eine Baustelle: Anstatt Models sind echte Handwerker auf den Plakaten zu sehen.

Offenbach

Gesicht zeigen für die Azubis

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Handwerker starten Werbekampagne mit Offenbacher Köpfen / Freie Lehrstellen.

Carsten Götz Praxl ist Inhaber der Dachdeckerei Götz-Praxl. Er hätte gerne einen Auszubildenden. Doch in diesem Jahr hat sich keiner auf sein Gesuch gemeldet. Jetzt zeigt Praxl Gesicht. Er ist einer der acht Offenbacher Handwerker, die für die Werbeaktion „Die Zukunft ist unsere Baustelle – Entdecke das Offenbacher Handwerk“ auf Plakaten posieren, um Mitarbeiter und Auszubildende zu gewinnen.

Die ursprünglich bundesweite Werbeaktion des Handwerks hat die Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach abgeändert. „Wir setzen bewusst auf die gestandenen Handwerker dieser Region“, sagt Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel, „stellvertretend für die 130 Berufe im Handwerk“. An fünf Standorten hängen großformatige Plakate mit Vertretern von acht Gewerken. An weiteren 170 sind die kleineren Poster abgebildet, die nur drei oder vier der Handwerker zeigen.

Bei den Stadtwerken (SOH) kommt eine ähnliche Aktion gut an. Die SOH-Unternehmensgruppe wirbt seit Dezember 2015 mit 20 eigenen Mitarbeitern um neues Personal anstatt mit Models. Auf den Plakaten zu sehen sind Menschen ganz unterschiedlicher Berufe: der Müllwerker, die Managerin, der Azubi oder der Ingenieur. Die Plakate sind Teil einer umfangreichen Kampagne, zu der auch die lebensnahe Beschreibung der Arbeitsfelder gehört. Für diese Botschafter-Rollen, wie die SOH es nennt, hätten sich hausintern viele Beschäftigten gemeldet, was die Motivation im Team und die Identifikation mit der Unternehmensgruppe als Arbeitgeber erhöht habe. Auch die Außenwirkung kommt gut an. „Seit Beginn der Kampagne konnten wir die Anzahl der Bewerbungen auf freie Stellen um 48 Prozent steigern“, sagt SOH-Geschäftsführer Peter Walther.

Die 15 Plätze für die Auszubildenden in diesem Herbst konnten alle besetzt werden. Da ein Bewerber wieder absprang, ist inzwischen eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer wieder frei.

Ob die Gesichter der Handwerker eine ähnliche Interessenssteigerung hervorrufen, bleibt abzuwarten. Notwendig wäre es. Im Gegensatz zur Rhein-Main-Region, in der sich die Lage am Ausbildungsmarkt für Handwerker zumindest stabilisiert, entwickelt sie sich in Stadt und Kreis Offenbach nach Darstellung der Kreishandwerkerschaft negativ. In den vergangenen Jahren seien laut Kramwinkel 80 bis 100 Lehrstellen unbesetzt geblieben. In diesem Jahr sind jedoch noch 280 vakant. Insbesondere fehlten Auszubildende für Metzger und Bäcker.

In der Rhein-Main-Region wurden jetzt etwas mehr als die 10 000 Lehrverträge unterschrieben, die sich die Handwerkerschaft jedes Jahr zum Ziel setzt. „Wir könnten noch weitere 2000 gebrauchen“, sagt Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Insbesondere versucht die Kammer bei den „Studienzweiflern“ zu fischen. Im vergangenen Jahr unterhielt die Kammer an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt eine Sprechstunde für Studenten, die unzufrieden mit ihrem Studium sind. 400 Studenten hätten sich dort informiert. 40 Ausbildungsverträge konnten unterschrieben werden.

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