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Landschaft des Anstoßes: Kuhmühlgraben und Felder.

Bauen in Offenbach

Stadt will einige Ackerflächen erhalten

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Das Offenbacher Umweltamt sieht bei einer weiteren Bebauung von Feldern das Natur- und Landschaftserleben gefährdet.

Erschwinglicher Wohnraum wird in Offenbach immer knapper. Und jede Wohnung, die nicht hier, sondern am Rand des Ballungsraums entsteht, dürfte die Pendlerströme noch anwachsen lassen. Doch wer aus diesen Gründen einen neuen Stadtteil auf der grünen Wiese thematisiert oder die Frage, warum trotz starken Wachstums nicht über die im Offenbacher Masterplan vorgesehenen Neubaugebiete hinaus gedacht und geplant wird, der stößt in der Stadt schnell auf Unverständnis.

Zum Beispiel hält sich in Offenbach hartnäckig das Gerücht, dass zwischen den Stadtteilen Bürgel und Waldheim wegen der Fluglärmschutzzone und wegen nötiger Überflutungsflächen nicht gebaut werden könne. Beides trifft auf einen Großteil der Felder westlich des schützenswerten Kuhmühlgrabens – ein ehemaliger Mainarm, dessen direkte Umgebung unter Landschaftsschutz steht – nicht zu. Trotzdem heißt es im Internet als Reaktion auf einen FR-Artikel von voriger Woche, wer auf diesen Ackerflächen Neubauten vorschlage, der sei „völlig ahnungslos“.

Das Umweltamt tut sich schwer, stichhaltige Argumente dafür zu liefern, warum man auf besagtem Areal ohne den alten Mainarm und ohne die Bürgeler Gärten auf keinen Fall bauen könne. In einer Stellungnahme zum Thema heißt es, eine solche Landschaft nahe der Stadt ermögliche es, „dass sich die Einwohner mit dem Thema Säen, Wachsen, Ernten auseinandersetzen können“. Auch heißt es, dass aufgrund des Klimawandels, der im Sinkflug befindlichen Artenvielfalt und des Stadtklimas „grundsätzlich jeder nicht durch Bebauung oder anderweitig in seinen ökologischen Funktionen gestörte Landschaftsraum schützenswert“ sei. „Umweltbildung und Naturerfahrung“ seien in der „sich weiter verdichtenden Stadt“ zudem von „großer Bedeutung“. Diese Argumentation wird jedoch anscheinend nicht auf die bereits beschlossenen Neubaugebiete in Bieber-Nord, Bürgel-Ost und Waldhof II angewandt, wo sich nicht nur Felder befinden oder befanden, sondern auch Gärten mit ihren für die Artenvielfalt bedeutenden Heckenstrukturen.

Solche Strukturen sind zwischen dem Kuhmühlgraben und den Bürgeler Gärten kaum zu finden. Im Regionalen Flächennutzungsplan ist dieser Bereich als „Vorranggebiet regionaler Grünzug und für besondere Klimafunktionen“ erfasst – so, wie die Flächen an der A5, die Frankfurt bebauen will. 2023 soll ein neuer Plan in Kraft treten; die Kommunen können bis dahin Änderungswünsche einbringen.

In Offenbach wurde der Regionale Flächennutzungsplan zuletzt 2015 geändert. Damals wurde unter anderem eine 1,7 Hektar große Ackerfläche an der heutigen Kaiserleipromenade umgewidmet: Aus dem „Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen“ wurde dort eine „geplante gewerbliche Baufläche“.

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