Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Walter Gerstungs Sieben Tugenden in der Heyne-Fabrik.
+
Eine Walter Gerstungs Sieben Tugenden in der Heyne-Fabrik.

Kunstansichten Offenbach

Die Galerie als Aufwärmraum

Die miesen Temperaturen und der Regen des letzten Aprilwochenendes verhageln den Offenbacher Kunstansichten gehörig die eigentlich beeindruckende Kunstschau. Wer sich dennoch hintraute, erlebte dann aber vieles Großartiges.

Von Juliane Mroz

Die miesen Temperaturen und der Regen des letzten Aprilwochenendes verhageln den Offenbacher Kunstansichten gehörig die eigentlich beeindruckende Kunstschau. Wer sich dennoch hintraute, erlebte dann aber vieles Großartiges.

Feuer knistert im Ofen. Eine Katze räkelt sich auf einer bunten Häkeldecke. Die Treppe knarrt, dann die Holzdielen. Unwillig schüttelt die Katze den Kopf und sträubt die Rückenhaare. Die Besucher der Schau Kunstansichten, die sich das Atelier im Hinterhof in der Austraße 16 ansehen, stören ihre Nachmittagsruhe.

„Es ist so schön warm und gemütlich hier“, sagt eine Besucherin, lässt sich auf ein Sofa fallen und schaut sich im Raum um. „Das Haus habe ich selbst umgebaut“, sagt Künstler Horst Kolbinger. „Hier oben im Atelier habe ich den Boden aus Holzpaletten gemacht. Inzwischen ist er voller Farbe, aber so muss das ja auch sein in einem Atelier.“ Früher sei hier eine Lederwerkstatt gewesen, so Kolbinger. „Wo wir heute unsere Bilder malen, standen früher 20 Nähmaschinen.“

Das Atelier im Hinterhof ist eine von 50 Stationen bei den Kunstansichten am vergangenen Wochenende. Eine ganz andere Atmosphäre herrscht am Samstagabend in der Heyne-Fabrik am Nordring. Die wenigen Besucher schreiten andächtig durchs weiß gestrichene, hell beleuchtete Loft. Ein Paar unterhält sich flüsternd. Es ist fast allein in den weiten Räumen, in denen Walter Gerstungs „7 Tugenden“ gezeigt werden.

Im Hafen 2 ist noch weniger los. Das mehrere Meter große Holzschiff der Künstlerin Jennifer Nastanovic, das den Abschied vom Hafen-2-Gebäude und die Reise zu einem neuen Ort symbolisiert, treibt am frühen Samstagabend einsam durch den Lokschuppen. Im Café nebenan wärmen ein paar Menschen ihre Hände an Kaffeetassen.

Kein Sex am Strand

„Heute waren nur wenige Leute da, vielleicht 25 bis 30, vermutlich wegen des Regens“, sagt Thomas Dahmen. Er stellt im t-raum in der Wilhelmstraße 13 seine Bilderserie „Schwarze Russen, geschüttelte Milch und Sex am Strand“ aus. Seine Fotos zeigen Dinge, die von Menschen aus praktischen Gründen irgendwo platziert oder arrangiert wurden, und die Dahmen mit seinen Bildunterschriften zur Skulptur umdeutet. Das ist oft kurios, absurd, lustig, beispielsweise wenn Dahmen eine triste Verkehrsinsel an einer einsamen isländischen Straßenkreuzung zum tourismusfördernden Zen-Garten umdeklariert.

Meditative Stille herrscht am Samstagabend auch im Galerieraum des Wohnbüros am Platz der Deutschen Einheit, aber „ das war nicht den ganzen Tag so“, sagt Christoph Klein, Künstler und zweiter Vorsitzender des Kunstvereins Offenbach. „Bei der Eröffnung waren jede Menge Leute hier.“ Der Verein zeigt Bilder aus seiner Sammlung, der Artothek. Akustisch wird die Schau vom Offenbacher Songschreiber Michael Ständer mit Liedern über Offenbach vervollständigt. „Weil es so kalt war hier drin, mussten wir die Heizung noch mal aktivieren lassen“, sagt Klein.

"Die tollsten Menschen"

Eine Option, welche die Künstlerin Kirsten Berlin nicht hat. Sie zeigt ihre Installation „Bed of Roses“ in der Turmruine der alten Evangelischen Schlosskirche. Wasser tropft aus dem hohen Turm hinunter auf die Teppiche; Wind weht durch das Gitter vor dem Fenster und bringt die Kerzen zum Flackern. Berlin kommt aus dem Gebäude des Evangelischen Dekanats, sie musste sich kurz aufwärmen. Sie zeigt einen ihrer Finger, auf dem eine dicke Brandblase wächst. „Die hab ich mir geholt, als ich immer wieder die Kerzen anzünden musste, die der Wind ständig ausbläst.“ Dennoch sei sie sehr froh, ihr Werk im Turm zeigen zu können. „Ich habe mit dieser Installation den Tod meiner kleinen Tochter verarbeitet und mich dabei an Hermann Hesses ,Tod eines kleinen Kindes’ orientiert“, sagt Berlin.

Dass der normalerweise verschlossene Turm für die Kunstansichten geöffnet wurde, hat trotz des Regens einige Besucher angelockt, sagt Berlin. „Ich habe hier an diesem Wochenende die tollsten Menschen kennengelernt, ob das nun Frauen mit Kopftüchern waren oder HfG-Studenten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare