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Eigentlich sind sie ja ganz hübsch, die Nilgänse. Aber nicht jeder erfreut sich an ihrem Anblick.

Vögel

Nilgans-Füttern kann sehr teuer werden

Nilgänse haben sich am Mainufer in Offenbach und Rodgau ausgebreitet. Einen neuen Ansatz gegen die Tiere gibt es nun am Badesee in Nieder-Roden.

Offenbach – Am Mainufer nahe der Carl-Ulrich-Brücke und beim Restaurantschiff Backschaft sind sie in großer Zahl zu finden: Nilgänse. Egal ob morgens oder abends, an beiden Stellen lassen sich mit Leichtigkeit über 70 Tiere zählen, die genaue Zahl dürfte höher liegen. Dazwischen nur noch ein paar Schwäne, andere Vögel wie Enten finden sich kaum noch.

Auch am Schultheisweiher hat sich die Vogelart ausgebreitet. Genaue Zahlen, wie groß die Population in Offenbach ist, liegen der Stadt nicht vor. Die SPD hatte kürzlich zu einer Begehung an das Mainufer geladen, nachdem sich Bürger besorgt über die wachsende Zahl der Gänse und die schwindende Anzahl an heimischen Vögeln wie Enten gezeigt hatten. Auch der Kot der Tiere, der in Freibädern in der ganzen Region schon für Unmut gesorgt hat, wird am Mainufer als Problem wahrgenommen.

Offenbach: Abschuss keine Lösung

Mit dem Jäger Axel Seidemann hatte die SPD auch einen Experten für die Nilgänse vor Ort: Seidemann hat durch gezielte Bejagung schon im Frankfurter Brentanobad für eine deutliche Verringerung der Gänsepopulation gesorgt. Einfache Lösungen, das betont Seidemann, gebe es aber nicht: Die Gänse seien viel zu zahlreich und lernfähig, als dass sie sich leicht vertreiben ließen. „Außerdem gibt es politisch keine Einigkeit, ob Nilgänse als invasive Art angesehen werden – wenn, müsste man auch gezielt handeln“, sagt er. Das aber rufe meist heftige Proteste von Tierrechtlern hervor, die manche Lokalpolitiker vermeiden möchten.

Der Blick aufs Mainufer genüge, um festzustellen, dass die Nilgänse dort die Vorherrschaft haben. „Sie haben gelernt, dass ihnen hier keine Gefahr droht und kommen daher auch sehr nah an die Menschen heran“, sagt Seidemann. Da sie auch noch gefüttert würden, schwinde jede Scheu.

Tatsächlich ist das Füttern von Nilgans oder anderen Tieren längst von der Stadt als Problem erkannt worden, die Stadtpolizei will nach Aussage der Stadt häufiger am Mainufer kontrollieren. Allein, die Kontrollen schrecken nicht ab. Allabendlich lässt sich beobachten, dass Menschen unterschiedlichen Alters die Tiere füttern, einige kommen mit großen Taschen voller Brot an den Main.

Nilgänse: Bewuchs zur Abschreckung

Angesprochen auf die Fütterung zeigte niemand Einsicht: Man tue doch Tieren etwas Gutes, hieß es da, einen Strafzettel würde man dafür in Kauf nehmen. Dabei können die Strafen durchaus teuer werden, laut Stadt liegen die Strafen zwischen 35 und 500 Euro.

Während die SPD nach der Begehung Handlungsbedarf sieht, möchte die Stadt noch abwarten. Pläne für eine Bejagung wie im Brentanobad oder im Rodgauer Strandbad gebe es momentan nicht, heißt es dort. Bisher wurde mit einem höheren Bewuchs am Mainufer experimentiert, der für die Tiere mangels Sicht den Uferbereich unattraktiv machen soll. „Das schreckt die aber nicht ab“, kommentiert eine Passantin den Versuch trocken.

In Rodgau wird seit Jahresbeginn dagegen ein neuer Ansatz verfolgt: In den vergangenen Jahren breiteten sich Nil- und Kanadagänse am Badesee aus, sehr zum Ärger der Besucher. Um die Population gering zu halten, wurde die Bejagung gestattet. In diesem Jahr geht die Stadt andere Wege. Der Jagdpächter habe vorgeschlagen, die Tiere durch eine Futterstation von den Besuchern wegzulocken, sagt Stadtsprecherin Sabine Hooke. In einem Bereich hinter dem FKK-Areal wurde eine Futterstation aufgestellt, damit die Tiere dort und eben nicht nahe des Strandes nach Futter suchen. Und ihre Hinterlassenschaften folglich auch nicht im Besucherbereich zu finden seien.

„Wir werden schauen, ob sich dieser Versuch bewährt“, sagt Hooke. Rund 25 Nilgänse seien es in diesem Jahr, die Beschwerden der Besucher hielten sich noch in Grenzen – allerdings auch nur, da die Stadt mit großem Aufwand jeden Morgen den Kot der Tiere beseitigt. „Wir haben seit Jahren eigens Leute, die jeden morgen die Hinterlassenschaften aufsammeln, das ist natürlich sehr aufwendig“, sagt Hooke. Ob die Stadt wieder zur Bejagung zurückkehrt, sollte der Versuch nicht erfolgreich sein, ist noch nicht sicher. Einen Beschluss gebe es nicht.

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