+
Heide Ziehaus und Dimitris Karamsalis.

Offenbach Kulturforum Kinisis

Mit Fuchs und „König Otto“

  • schließen

„Bewegt“ – oder auf griechisch „en kinesei“ – lautet das Motto einer deutsch-griechischen Dichterlesung im Stadtteilbüro Mathildenviertel. Organisiert wird sie vom Kulturforum Kinisis, das die deutsch-griechische Kultur pflegt.

„Bewegt“ – oder auf griechisch „en kinesei“ – lautet das Motto einer deutsch-griechischen Dichterlesung im Stadtteilbüro Mathildenviertel. Organisiert wird sie vom Kulturforum Kinisis, das die deutsch-griechische Kultur pflegt.

Nein, gut ist er nicht immer darin weggekommen. Als listig, manchmal hinterlistig wird er beschrieben. Die Rede ist vom Fuchs in den Fabeln des antiken Dichters Äsop. Und dennoch vermisst der Fuchs samt dem Bären den Dichter. Ob er weggezogen sei, fragen sie sich. Die aus Athen ausgewanderte Eule gibt zu bedenken, dass Fuchs und Bär in der heutigen Zeit vielleicht zu langweilig seien. Eine heitere, aber auch nachdenkliche moderne Fabel ist es, die Brigitte Münch mit „Warten auf Äsop“ geschrieben hat und die zu den Geschichten gehört, die im Stadtteilbüro Mathildenviertel vorgestellt wurden.

„Bewegt“ – oder auf griechisch „en kinesei“ – lautet das Motto der Lesung, gut 25 Besucher haben sich am Samstagabend im Stadtteilbüro in der Krafftstraße eingefunden. Eingeladen dazu haben Quartiersmanager Marcus Schenk und das deutsch-griechische Kulturforum Kinisis. „Bewegt“ heißt auch das erste Buch von Sevastos Sampsounis, erschienen im Frankfurter „Größenwahn-Verlag“. Auf Wunsch des Kulturforums steht es im Mittelpunkt der Lesung.

„Ein Symbolbuch“ sei es für ihn, sagt Sampsounis: „Zur 50-Jahr-Feier des Anwerbeabkommens der Bundesrepublik mit Griechenland im Jahre 2010 haben wir Texte und Kurzgeschichten von deutschen und griechischen Autoren gesammelt.“

Viele der darin vertretenen Autoren kamen damals nach Deutschland oder sind Kinder ehemaliger „Gastarbeiter“, andere, wie Brigitte Münch, sind Deutsche, die inzwischen in Griechenland leben.

„Die Krise war schrecklich für die Wahrnehmung Griechenlands in Deutschland oder für das Erleben von Politik für die Griechen“, sagt Sampsounis, aber „gleichzeitig haben sich in Deutschland viele Philhellenen, Griechenfreunde, geoutet.“ Freundlich auch der Empfang bei der Lesung, eine Musikgruppe von Kinisis spielt während der Lesung Volkslieder auf der Mpouzouki, dem traditionellen Lauteninstrument. Schenk, Sampsounis sowie Heide Ziehaus und Dimitris Karamsalis von Kinisis lesen verschiedene Texte in beiden Sprachen aus „Bewegt“ vor.

Auf griechisch liest Karamsalis die Kurzgeschichte „Rehalgelismen“ der in Athen geborenen und seit 1968 in München lebenden Autorin Eleni Torossi vor. Wie der Titel andeutet, geht es darum um „König“ Otto Rehagel, zumindest aus der Sicht eines kleinen Jungen. Der ist taub und möchte unbedingt zum Fußballverein dazugehören, in seinem Traum macht er vor Rehagel das Spiel seines Lebens. Ob das „Dazugehören“ auch gesellschaftlich gedeutet werden kann, lässt Torossi offen. Bei griechischen Speisen ist danach für die Zuhörer noch Gelegenheit, sich über ihre Interpretation der poetischen Geschichten auszutauschen.

„Schön, dass es bei uns im Viertel ein so breites Angebot gibt“, sagt Dimitra Gaidatzi, die im Mathildenviertel wohnt und die Lesung besucht. „Wir versuchen immer, ein abwechslungsreiches Programm zu bieten“, meint Marcus Schenk vom Quartiersmanagement. Gerade an Kinisis gehe eigentlich kein Weg vorbei. Der Verein bereichere das kulturelle Leben Offenbachs gradezu vorbildlich.

Kinisis-Vize Smaro Giannari hört das gerne, sie selbst sei gespannt auf die Geschichten. Beruf und Vereinsarbeit nehmen einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch. Sie selbst konnte noch nicht in dem Buch lesen und lauscht aufmerksam den mit viel Sprachgefühl vorgetragenen Texten. Etwa „Nichts geht mehr“ von Giorgos Krommidas über zwei Freunde, die das Pokerspiel entzweite und wieder zusammenführte, auch wenn ihre Beziehungen durch das Spiel scheiterten. Ein heiterer Abend, gerade auch wegen teils ernster Geschichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare