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Bürgermeister Dieter Zimmer (4. v. li.) mit Gästen.
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Bürgermeister Dieter Zimmer (4. v. li.) mit Gästen.

Freundschaften für den Frieden

Dreieich Buchschlag und Montier-en-Der feiern 50 Jahre Verschwisterung

Von Juliane Mroz

Im Saal des Restaurants, der aussieht wie das Innere eines großen Passagierflugzeuges, ist es mucksmäuschenstill, als Jean Carteret seine Geschichte erzählt. „Wir waren 20 Jahre alt, saßen im Café Paris und warteten ungeduldig auf die Ankunft des Busses aus Buchschlag.“ Eine große Ambition sei der Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Dreieich-Buchschlag und dem 400 Kilometer entfernten Montier-en-Der im Jahr 1963 gewesen, „ein großes Abenteuer, auch ein bisschen utopisch in dieser Zeit.“

Carteret ist anzuhören, wie bewegt er ist, als er weiterspricht. „Mein Großvater und mein Vater haben gegen die Deutschen gekämpft, mein Dorf wurde im Krieg zerstört, trotzdem hatten meine Eltern und ich ein bisschen Deutsch gelernt.“ Als die 15 Jugendlichen aus Deutschland dann aus dem Bus stiegen und ins Café kamen, hatte Carteret schnell jemanden entdeckt, mit dem er verschwistert werden wollte. „Mir fiel ein lustiger, blonder Junge auf, der Rotwein bestellte. Ich trank auch immer Rotwein. Meine Wahl war gemacht. Es wurde Klaus.“

50 Jahre später sind Jean Carteret und Klaus Döpfert so eng befreundet, dass sie einander als Brüder bezeichnen. Ihre Freundschaft zeigt, wie persönliche Beziehungen zwischen Franzosen und Deutschen die Basis für die Politik der Freundschaft bilden, die der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags begründeten. Am Sonntagmorgen feierten 13 verschwisterte Familien aus Dreieich und Montier-en-Der im Aircraft (dem ehemaligen Burghof) den 50. Geburtstag der Städtepartnerschaft. Die Dreieicher waren früh dran; ihre war eine der ersten von deutschlandweit 2181 Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Kommunen.

Doch so gut die Freundschaften zwischen den Familien bis heute halten: Junge Leute sind in der Städtepartnerschaft, die inzwischen ganz Dreieich umfasst, nicht engagiert. „Die Jugendlichen können heute überall in Frankreich hinfahren, die deutsch-französische Freundschaft ist ganz selbstverständlich für sie“, sagt Döpfer. Sie hätten jedoch kein Interesse mehr daran, sich zu einer Verschwisterung zu verpflichten. „Die Schulen gehen mit dem Thema stiefmütterlich um“, kritisiert Döpfer, „da müsste mehr passieren.“

Immerhin sei die Jugend die große Chance, die Freundschaften zwischen Deutschland und anderen Ländern aufrechtzuerhalten, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD). „Sie sind in die Globalisierung hineingeboren, sind offen und mobil. Es wäre schön, wenn sich mehr junge Menschen einbringen würden.“

Jean-Jacques Bayer, Bürgermeister von Montier-en-Der, betont die Bedeutung von Städtepartnerschaften für den Frieden. „Es ist unsere Aufgabe, die tragische Vergangenheit in unserer Erinnerung lebendig zu halten. Europa, so wie es heute ist, ist nicht selbstverständlich!“

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