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Frau mit Führungsqualitäten

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Von: Madeleine Reckmann

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Freude an Zahlen und Menschen: Renate Leutke-Stegmann.
Freude an Zahlen und Menschen: Renate Leutke-Stegmann. © ROLF OESER

Renate Leutke-Stegmann ist neue Chefin des Finanzamts Offenbach I. Die Juristin hat einst in Offenbach ihre Laufbahn begonnen. Als Chefin will sie sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen.

Ein Gefühl wie ein „Coming home“ sei es für sie, nach Offenbach zurückzukehren. Renate Leutke-Stegmann ist das Finanzamtsgebäude in der Bieberer Straße, seine Flure, Arbeitszimmer und der Blick über die Stadt nur allzu bekannt.

1982 hatte sie als junge Sachgebietsleiterin in genau diesem Finanzamt ihre Laufbahn begonnen. Nach einer Phase im Finanzamt Frankfurt Börse kehrte sie 1992 als Vertreterin des Finanzamtsvorstehers für vier Jahre wieder zurück. Daher ist ihr auch ihr Büro, das der Finanzamtsvorsteherin, wie die Behördenleiterin im Amtsdeutsch heißt, vertraut. In den 1990er Jahren hatte sie dort schon gesessen, wenn sie ihren damaligen Chef Walter Bär vertreten musste.

Seit wenigen Wochen gehört ihr nun das Büro regulär. Leutke-Stegmann ist die neue Chefin über das Finanzamt Offenbach am Main I und Herrin über 17 Sachgebiete und 353 Mitarbeiter. Eine Hundeplastik steht am Schreibtisch und schaut mit treuen Augen auf die Sitzgruppe. An der Wand hängt eine Tafel mit den Namen der Sachgebietsleiter, vom Schreibtisch aus hat sie diese direkt im Blick.

„Ich wollte nochmal eine Veränderung“, sagt die 61-Jährige, deren natürliche Autorität ihre schwarz umrandete Brille und ihr grauer Kurzhaarschnitt unterstreichen. „Ich wollte nochmal ein normales Finanzamt mit normalen Problemen, mit Einkommenssteuer, Körperschaftsteuer, Vollstreckung und Betriebsprüfungen, eben alles, mit dem der Bürger draußen ein Finanzamt in Verbindung bringt.“ Zuvor, im Frankfurter Finanzamt III, hatte sie fast nur mit Körperschaftssteuer zu tun.

Spaß an Menschenführung

Leutke-Stegmann spricht so lebhaft über ihre Arbeit, dass man unmöglich den Eindruck gewinnen kann, der Umgang mit Zahlen, Bescheiden und Anträgen sei langweilig. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun“, sagt die Juristin. Menschenführung mache ihr Spaß und werde heute angesichts der wachsenden Anforderungen an die Mitarbeiter immer wichtiger.

Mit Steuergesetzen und dem Klein-Klein der Steuerprüfungen hat die Amtsleiterin schon lange nichts mehr zu tun. Sogar ihre private Steuererklärung lässt sie ihren Mann machen. Der allerdings ist auch ein Spezialist, er leitet das Finanzamt Wiesbaden I.

Gute Menschenführung schlage sich irgendwann auch einmal in Zahlen nieder, dann nämlich, wenn die Mitarbeiter trotz der zusätzlichen Aufgaben allein im EDV-Bereich motiviert und effizient arbeiteten, der Krankenstand niedrig bleibe. „Ich möchte, dass Führungskräfte jeden Morgen die Leute begrüßen, egal, ob sie in der Hierarchie oben oder unten stehen“, sagt sie . In Offenbach sei sie auf ein gutes Team von Sachbearbeitern gestoßen, wo das schon Usus sei.

Zum gedeihlichen Miteinander zählt ihrer Ansicht nach auch, dass die Mitarbeiter Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Sie selbst hat zwei inzwischen erwachsene Kinder. „Für mich war immer klar, dass ich arbeite und Kinder bekomme“, erzählt sie. Nach dem zweiten Kind ging sie nach dem Mutterschutz sofort wieder arbeiten. Dass das gut funktioniert, hätten Großmutter und Mutter ihr vorgelebt. „Ich empfehle den Mitarbeiterinnen, so schnell wie möglich nach der Geburt berufstätig zu sein“, sagt sie. Sonst würden die Kollegen auf der Karriereleister an den Müttern vorbeiziehen. Empfiehlt sie den Frauen auch, sich für Kinder zu entscheiden? „Das tue ich immer“, betont sie.

Überzeugte Großstädterin

Leutke-Stegmann nennt sich selbst eine überzeugte Großstädterin. In Berlin verbrachte sie ihre Kindheit, mit zwölf Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Frankfurt, wo sie seitdem lebt. Nach ihrer Arbeit schlendert sie gerne die Bieberer- und Berliner Straße entlang zur S-Bahn-Station Kaiserlei, weil sie nach dem Dienst gerne ein wenig Luft schnappen möchte. Dann schaut sie sich die Stadt an und erinnert sich, wie sie früher war, und sagt: „Offenbach hat sich gemausert.“

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