+
Naomi Ulber ist eine von zwei Trainerinnen der Rheuin-Main-Rockets im Sana-Sportpark.

Sport

Footballer in Offenbach mit Platzproblemen

  • schließen

Die Rockets-Jugend muss zum Training nach Hanau. Ein brachliegender Frankfurter Sportplatz könnte ein Ausweg sein.

Naomi Ulber und Simone Schindler haben ihre „Jungs“ im Griff: Die Sportler in den breiten Brustpanzern machen, was die beiden Frauen sagen. Denn Ulber und Schindler sind Football-Trainerinnen und gehören zum festen Trainerteam der Rhein-Main-Rockets.

Der junge Offenbacher Verein zählt damit zu den fortschrittlichsten in Deutschland. „Wir können es uns doch gar nicht leisten, auf die Kompetenz der Frauen zu verzichten“, sagt Rockets-Vorstand Thomas Kruppka. Die Trainerinnenausbildung biete der Verein an, oft gebe es das nicht in Deutschland, sagt Ulber. „In Köln ist mir noch eine Trainerin begegnet, aber sonst wüsste ich keine.“ American Football sei zwar schon ein wenig ein Machosport, aber doch auch gut für Frauen geeignet, betont Kruppka. Gern würde er auch eine Damenmannschaft aufstellen, jedoch fehlt dem Verein dafür der Platz. Denn die Rockets teilen das Problem aller Klubs in Großstädten: Es mangelt an Trainingsflächen.

„Wir hatten genug Anfragen für eine Damenmannschaft, aber wir könnten sie nirgends trainieren“, sagt er. Auch für Jugendliche musste der Verein sein Angebot beschränken; das U19-Jugendtraining wird in Hanau-Wilhelmsbad bei den Hanau Hornets abgehalten. „Von der Zahl der nfragen her hätten wir drei weitere Jugendgruppen bilden können, aber die mussten wir absagen“, sagt Kruppka. Schon die Fahrt nach Hanau zweimal die Woche sei eine Kraftprobe, denn um allen Jugendlichen die Teilnahme am Sport zu ermöglichen, zahlt der Verein die Fahrkosten und die teure Ausrüstung.

Der American-Football-Vereinwurde 2015 gegründet und zählt heute 145 Mitglieder.

Die Herrenabteilunghat 85 Spieler, die Jugendabteilung 20.

Der Vereinkooperiert mit der Adipositas-Klinik des Sana-Klinikums und erhielt mehrere Auszeichnungen für seine integrative Arbeit. som

www.rockets-football.de

Auch die Trainingsstätte der Männer im Sana-Sportpark am Wiener Ring ist nicht optimal. Da der Park stark nachgefragt ist, überschneiden sich die Übungszeiten der Jugend von Kickers Offenbach mit denen der Rockets. Während die Footballer sich eine halbe Stunde auf knapp einem Viertel des Kunstrasenplatzes 4 aufwärmen, stehen den Fußballern die übrigen drei Viertel zur Verfügung – für beide Seiten keine ideale Lösung.

Der Rasenplatz 5 gegenüber ist mittwochs während des Trainings zwar ungenutzt, allerdings verfügt er über keine Beleuchtung. „Im Sommer wäre das für das Training aber kein Problem“, sagt Kruppka. Eine Anfrage der FR zur Platzsituation an die Betreibergesellschaft SFO Sport- und Freizeit GmbH, eine Tochter der Stadtwerke, blieb bisher unbeantwortet.

Abhilfe in der angespannten Situation könnte ein weiterer Sportplatz schaffen, und tatsächlich gibt es in der Brandsbornstraße einen. Der liegt jedoch, obgleich nur von Offenbach aus zu erreichen, größtenteils auf Frankfurter Gemarkung und befindet sich in schlechtem Zustand. Die Rockets, der FT Oberrad und der Offenbacher Ruderverein haben bei beiden Städten um eine Reaktivierung des Platzes gebeten.

Auch der Sportkreis Frankfurt unterstützt das Ansinnen. „Wir wären froh, wenn eine Lösung gefunden würde“, sagt dessen Vorsitzender Roland Frischkorn. Mehr noch als Offenbach ist Frankfurt durch den Einwohnerzuwachs herausgefordert, allein der Sportkreis sei im vorigen Jahr um knapp 21 000 Mitglieder gewachsen. „Es wäre ein schönes Zeichen für die Zusammenarbeit der beiden Kernstädte der Rhein-Main-Region, wenn Vereine aus beiden Städten dort trainieren könnten“, sagt Frischkorn.

Die Platzsituation sei bekannt, heißt es hier wie dort. Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) habe sich bereits mit dem Frankfurter Sportdezernenten Markus Frank (CDU) darüber ausgetauscht. Offenbach wäre bereit, neue Umkleidegebäude zu errichten, wenn Frankfurt den Platz erneuert. Offenbach würde dann wie bisher eine Nutzungsgebühr an Frankfurt zahlen. Eine Umgestaltung des bisherigen Tennenfelds zum Kunstrasenplatz müsste aber zeitlich mit der Sanierung der nahen Leibnizschule abgestimmt werden. Momentan warte man auf die Antwort aus Frankfurt, heißt es. Um der Offenbacher Platzsituation generell zu begegnen, sei ein neues Sportstättenkonzept in Arbeit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare