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So nah wie in der Kasernenstraße stehen in Offenbach viele Häuser an der Bahntrasse.

Offenbach

Zwei Lärmschutzwände quer durch die Stadt

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Die Bahn stellt erste Lärmschutz-Pläne für beide Seiten der südmainischen Trasse zwischen Frankfurt und Hanau vor. Viele Fragen bleiben offen.

Dass der Fluglärm vielen Menschen in Offenbach zu schaffen macht, ist bekannt. Doch auch der Schienenlärm ist dort ein Thema: 289 Züge passieren zurzeit nach Angaben der Bahn täglich die südmainische Trasse zwischen Frankfurt und Hanau, die in Offenbach mitten durch Gründerzeitquartiere führt – 59 davon nachts. Mehr als 4000 Anwohner sind Zuglärm ausgesetzt, der 65 Dezibel, etwa das Geräuch einer Nähmaschine, überschreitet. Die Stadtverordneten befürworteten daher im Sommer einstimmig die Aufnahme Offenbachs in das freiwillige Lärmsanierungsprogramm des Bundes. Vertreter der Bahn haben am Dienstagabend im Rathaus erste Pläne vorgestellt.

Die Planer favorisieren eine Variante mit zwei je drei Meter hohen Lärmschutzwänden (plus Sockel) beidseits der etwa 2,5 Kilometer langen Trasse zwischen Frankfurter Stadtgrenze und Bieberer Straße, wo in östlicher Richtung bereits Schallschutzwände stehen: „Das ist unbedingt zu empfehlen“, sagte die zuständige Projektleiterin Sabine Weiler. Mit solchen Wänden lasse sich der Krach in der ersten Gebäudereihe um bis zu 19 Dezibel reduzieren und im gesamten betroffenen Bereich um fünf bis sechs Dezibel. An der Nordseite soll die Wand direkt hinter der A661 noch auf Frankfurter Gemarkung beginnen, auf der Südseite erst in Offenbach.

Noch ist aber alles offen: Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) zufolge beginnt nun ein Meinungsbildungsprozess, an dessen Ende ein Beschluss der Stadtverordneten zu einer konkreten Planung stehen soll. So kann sich die Stadt etwa auch für nur zwei Meter hohe Wände entscheiden oder in Teilen für – auf Brücken sowieso geplante – transparente Wände, die jedoch weniger Schall absorbieren. Auch gibt es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Frühestens 2022 sollen die mehrmonatigen Bauarbeiten beginnen, die vor allem nachts erfolgen werden. Dann ist auch klar, wer einen Zuschuss für passive Lärmschutzmaßnahmen, beispielsweise neue Fenster, beantragen kann.

Es ist ein Projekt mit einigen Unbekannten, das wurde am Dienstagabend klar. Viele der rund 100 anwesenden Interessierten stellten Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt: So wurde die technische Machbarkeit noch nicht untersucht, und auch eine Abstimmung mit dem Denkmalschutz ist noch nicht erfolgt. Fraglich ist zudem, ob die von der Bahn verwendeten Prognosen eintreffen werden, die von einer Abnahme des Zugverkehrs, allerdings einer Verdopplung der Güterzugfahrten ausgehen. Mögliche Bauvorhaben wie der neue Fernbahntunnel durch Frankfurt oder eine neue südmainische S-Bahn-Verbindung mit womöglich nötigem Gleisausbau in Offenbach wurden bei den Planungen nicht berücksichtigt, bestätigte die Bahn auf FR-Nachfrage.

Unterschiedlich bewerteten die anwesenden Anwohnerinnen und Anwohner die ersten Vorschläge der Bahn: Manche unterstützen die Pläne voll und ganz, während sich andere Sorgen machen um den Bestand großer Bäume, um den Denkmalschutz oder um die Verschattung ihrer Häuser und Wohnungen. Eine Frau gab zu bedenken, dass die Vibrationen, die sie sehr stören und gegen die auch Lärmschutzwände nicht helfen, mit steigendem Güterzugaufkommen zunehmen werden. 

Planungsdezernent Weiß wollte sich zu den Plänen noch nicht äußern. Zunächst wolle er Vorschläge und Wünsche einsammeln. Die Diskussion ist eröffnet.

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