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Seit 1996 hält die Linie 16 direkt an der Offenbacher Stadtgrenze - weit weg von der Innenstadt.

Verkehr in Offenbach

Straßenbahn zum Hafen ist für Stadt zu teuer

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Erneut ist eine Verlängerung der Linie 16 nach Offenbach im Gespräch. Die SPD schlägt eine Trasse über den Main nach Fechenheim vor. Doch es fehlt Geld.

Es ist eine Idee, die immer wieder auf den Tisch kommt – vor allem in Wahlkampfzeiten: Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 16 über die Endhaltestelle an der Frankfurter Stadtgrenze hinaus bis ins Zentrum Offenbachs. So hatte etwa die CDU-Kandidatin im Frankfurter Oberbürgermeisterwahlkampf, Bernadette Weyland, die Verlängerung gefordert. Auch ihr Parteifreund Peter Freier hatte das Thema bei seiner OB-Kandidatur in Offenbach aufgegriffen, und der jetzige Offenbacher OB Felix Schwenke (SPD) zeigte sich der Verlängerung ebenfalls zugetan. In Frankfurt steht sie sogar im Koalitionsvertrag.

Viele Offenbacher beklagen, dass sich mit der Verbannung der Tram an die Gemarkungsgrenze im Jahr 1996 Kunden aus Oberrad von der Innenstadt abgewendet haben. Nun schlägt die Offenbacher SPD vor, die Linie 16 nicht nur über die Frankfurter Straße bis zur City zu verlängern, sondern über die Kaiserstraße bis zum Hafen und über den Main bis nach Fechenheim. Auch diese Idee ist nicht neu: In einem Bericht des Urban Land Institutes zur besseren Vernetzung Frankfurts mit Offenbach kam sie schon 2015 vor.

Unterstützer gibt es einige: Henning Kühl vom ökologischen Verkehrsclub VCD bezeichnet den Vorschlag als die „schnellste und beste Möglichkeit“, um die Stadt vom Autoverkehr zu entlasten- Zumal die Bevölkerung gerade im West- und Nordend sowie am Hafen stark wächst, in jenen Quartieren also, die nahe an der Straßenbahnlinie lägen. Das Hafengebiet ist bislang nur ans Busnetz angebunden, die nächste S-Bahn-Station einen Kilometer entfernt.

Auch die Linke wünscht sich die Rückkehr der Tram, legt die Priorität aber auf das Stück zwischen Stadtgrenze und Innenstadt. Der Hauptgeschäftsführer der Offenbacher IHK, Markus Weinbrenner, sieht in dem Projekt ebenfalls die Chance, die benachbarten Frankfurter Vororte besser mit der Offenbacher Innenstadt zu verbinden. Allerdings müsse man klären, ob eine neue Tram der S-Bahn oder der angedachten Schienenverbindung „Südtangente“ zwischen Offenbach und Flughafen nicht Fahrgäste streitig mache.

Und auch die Offenbacher Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern lehnt eine Tramverlängerung keineswegs ab. „Die Linie 16 weiterzuführen, hätte einen großen Charme, da Fechenheimer und Oberräder besser an die Offenbacher Innenstadt angebunden wären“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Oliver Stirböck. Die Grünen äußern sich zurückhaltend positiv: „Wenn sich Dritte finden würden, die die Investitionskosten übernehmen, sind wir offen für solche Überlegungen.“ Mobiltätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) thematisiert ebenfalls die Kosten: Die Stadt könne den Bau derzeit schlicht nicht stemmen. Mit dem neuen Nahverkehrsplan habe Offenbach aber bereits „Weichen in die richtige Richtung gestellt“. So verkehren die Stadtbusse ab Dezember häufiger: Zum Beispiel wird am Hafen der 30-Minuten-Takt der Linie 108 zu einem 15-Minuten-Takt. 50 neue Busfahrer werden eingestellt, und 15 neue Busse gehen in Betrieb – nach und nach soll die alte Flotte durch E-Busse ersetzt werden.

Auch Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) schätzt, dass ein Tramausbau über Innenstadt und Hafen zu teuer wäre – die Stadt müsse schließlich etliche Millionen in den Ausbau der Schulen stecken. Weiß rechnet mit Baukosten zwischen 12 und 20 Milionen Euro pro Kilometer Tramstrecke. „Das ist eine Hutnummer zu groß für uns“, lautet sein Fazit.

„Ausgesprochen positiv“ steht indes das SPD-geführte Verkehrsdezernat in Frankfurt der Idee einer ringförmigen Tramlinie gegenüber. Bislang lägen aus Offenbach allerdings „keine Anfragen zur Aufnahme von Gesprächen zur Vorbereitung einer Straßenbahnplanung vor“.

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