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Ein bisschen Landschaftsgarten und etwas pure Natur: der Rumpenheimer Schlosspark in Offenbach.

Offenbach

Naturschutz kontra Denkmalpflege

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Nach langem Stillstand sollen noch 2018 erste Umbauarbeiten im Rumpenheimer Schlosspark beginnen.

Um die Zukunft des Rumpenheimer Schlossparks am nördlichen Ende Offenbachs wird hart gerungen – seit Jahren. Ein Beschluss der Stadtverordneten in der vergangenen Woche hat nun wieder Leben in die Diskussion gebracht, die sich im Wesentlichen so umschreiben lässt: Die einen fordern, den englischen Landschaftsgarten wieder komplett als solchen herzurichten – mit Sichtachsen und geschwungenen Wegen. Die anderen wollen die Artenvielfalt und den naturnahen Charakter, der sich im Laufe vieler Jahrzehnte in dem Park am Mainufer entwickelt hat, erhalten.

Gerhard Plath zählt zur ersten Gruppe. Der Architekt hat in den Achtzigern Teile des Rumpenheimer Schlosses saniert. Nun fordert er in einem Brief den neuen Planungsdezernenten Paul-Gerhard Weiß (FDP) dazu auf, sich auf die Seite des Denkmalschutzes zu schlagen und den „Urwald“ wieder in eine Gartenanlage zu verwandeln. „Ich hoffe auf ein Erwachen“, sagt Plath. In dem Schreiben, das der FR vorliegt, geht es vor allem um „Totholz“, das etwa nach Baumfällarbeiten liegen bleibt und Insekten sowie Pilzen ein Zuhause bietet. Plath zitiert in seinem Brief eine Studie der TU Berlin, derzufolge die Pilze in dem morschen Gehölz den denkmalgeschützten Baumbestand im Park gefährden könnten – quasi wegen Ansteckungsgefahr. „Ein Beibehalten dieser Totholzbereiche kommt einer wissentlichen Zerstörung des historischen Baumbestands und damit dem Landschaftsdenkmal gleich“, schreibt Plath.

„Der gesunde Baumbestand wird dadurch nicht beeinträchtigt“, entgegnet Edmund Flößer-Zilz. Der Biologe, der für die Grünen im Offenbacher Stadtparlament sitzt und dort vergangene Woche eine flammende Rede für den Naturschutz im Park gehalten hat, wirbt dafür, den vor Jahren ausgehandelten Kompromiss zwischen den Fraktionen Natur- und Denkmalschutz nicht zu torpedieren. Der Unmut wächst auch deshalb, weil die Verwaltung einen Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahr 2010 zur Teilsanierung des Parks acht Jahre später noch nicht umgesetzt hat. Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern fordert in ihrem vergangene Woche auf den Weg gebrachten – und einstimmig beschlossenen – Antrag, die Sanierung des Parks nun „endlich zeitnah“ anzugehen. Dezernent Weiß räumt diesbezüglich ein „Umsetzungsdefizit“ wegen Personalknappheit ein. Da Offenbach bei vielen Projekten auf Zuschüsse von Bund und Land angewiesen ist, müssen viele Förderanträge geschrieben werden – das habe die Mitarbeiter davon abgehalten, die Parkplanung fortzuführen. Nun sei wieder etwas Luft und man könne die Parksanierung anzugehen: „Wir müssen das jetzt abarbeiten“.

Derzeit werden die Entwüfe für zwei Vorhaben fertiggestellt: ein Rundweg um die sogenantne Zarenlinde und die Erschließung eines bewachsenen Aussichtshügels, um den sich bislang die Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR) gekümmert hat. Im Sommer werden die Pläne den Stadtverordneten vorgelegt. Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen, sodass im Sommer 2019 dieser Teil des Parks umgebaut ist. Ein Punktsieg für den Denkmal- und ein Rückschlag für den Naturschutz? Mitnichten: „Wir versuchen Kompromisse zu finden“, sagt Sigrid Pietzsch vom Stadtplanungsamt.

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