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Museen in Offenbach

Hoffnung fürs Ledermuseum

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Die schwarz-grüne Koalition im hessischen Landtag will die Förderung des Ledermuseums verdoppeln. In Offenbach keimt Hoffnung auf, denn das Museum muss dringend saniert und die Ausstellung modernisiert werden.

Es ist nur ein Satz. Aber er könnte weitreichende Folgen für das Deutsche Ledermuseum (DLM) in Offenbach haben. Im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung wird das Haus erstmals erwähnt. Wörtlich heißt es dort: „Für das einzigartige Deutsche Ledermuseum in Offenbach wollen wir unsere institutionelle Förderung verdoppeln und wollen gemeinsam mit Stadt und Bund die bauliche Infrastruktur dieser einmaligen Einrichtung am Standort Offenbach ertüchtigen.“ 

„Einzigartig. Einmalig“: Diese Attribute und die Ankündigung, den Zuschuss erhöhen zu wollen, seien ein „Hoffnungsschimmer“ für das seit „Jahrzehnten staatlich unterfinanzierte Museum“, schreibt der Offenbacher FDP-Stadtverordnete Oliver Stirböck, der dem neuen Landtag angehört.
Zwar handelt es sich bei dem Koalitionsvertrag nur um eine Absichtserklärung. Aber auch Museumsleiterin Inez Florschütz teilt den Optimismus Stirböcks. Sie sieht in der Erwähnung einen „ersten Schritt“. Sie habe viele Gespräche geführt und wohl zeigen können, dass die Sammlung eine herausragende Qualität habe. Nach ihren Worten muss nicht nur das Gebäude dringend saniert, sondern auch die Sammlung zeitgemäß präsentiert werden. Zudem sei die Personalsituation „sehr angespannt“. Florschütz ist seit 2014 Direktorin des Ledermuseums. 

Die Stadt förderte das Ledermuseum zuletzt mit 537 000 Euro jährlich, der Landeszuschuss liegt bei 220 000 Euro im Jahr. 2017 kamen anlässlich der Gründung des Museums vor 100 Jahren einmalig weitere 150 000 Euro hinzu. Vom Gesamtetat (ohne den einmaligen Zuschuss) gehen 75 bis 80 Prozent für die Personalkosten drauf.

Der Sanierungsbedarf des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wird auf mindestens 1,5 Millionen Euro geschätzt. Es handelt sich um ein ehemaliges Lagerhaus der Offenbacher Messe an der Frankfurter Straße, das 1829 errichtet worden war.

Stirböck zufolge ist die Verdoppelung der Landesförderung nicht mehr an einen höheren städtischen Zuschuss gekoppelt. Diese vom noch amtierenden Minister Boris Rhein (CDU) vertretene „Doktrin“ habe die FDP immer kritisiert, weil eine höhere Förderung angesichts der finanziellen Lage Offenbachs „völlig unrealistisch“ sei.

Der Liberale regt an, das Ledermuseum aus der bisherigen Struktur einer Anstalt öffentlichen Rechts in ein Museum unter Führung des Landes umzuwandeln. Florschütz hält diese Idee für überlegenswert. Denn die Satzung sei antiquiert. Ihr Bestreben sei es, dass das DLM finanziell und personell der Größe und Bedeutung der Sammlung entsprechend ausgestattet werde. Dass es einen großen Nachholbedarf gebe, sei unübersehbar. Mit welchen Partnern und unter welcher Trägerschaft das Museum künftig stehen soll, müsse mit allen Beteiligten in Stadt und Land, eventuell auch mit dem Bund, besprochen werden, so Florschütz.

Sie bestätigt die Einschätzung Stirböcks, dass der seit 2017 freie Eintritt für Kinder und Jugendliche in städtische und Landesmuseen für das Ledermuseum ein Nachteil ist. In ihrem Haus fielen nicht nur Eintrittspreise an, sondern auch Führungskosten. „Da kommen wir automatisch in eine schwierige Situation, weil sich Schulklassen eher für das günstige Museum entscheiden.“

Auf einen Blick: Das Ledermuseum

Das Deutsche Ledermuseum in Offenbach wurde 1917 vom damaligen Direktor der Technischen Lehranstalten, Hugo Eberhardt, gegründet. 1938 zog es in sein bis heute genutztes Domizil an der Frankfurter Straße. Die Sammlung umfasst über 30 000 Objekte aus allen Kulturen und Epochen aus den Bereichen Angewandte Kunst und Ethnologie sowie dem Schuhmuseum.

Als Anstalt des öffentlichen Rechts untersteht das DLM der Aufsicht des Ministers für Wissenschaft und Kunst, der die Leitung auf Vorschlag des Senats ernennt. Diese Rechtsform gilt seit 1922. Der Senat, gebildet aus Vertretern der öffentlichen Hand, des Landes und der Wirtschaft, regelt die Museumsangelegenheiten. ags   

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