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Noch wird vermessen - bald rollen die Bagger.

Wohnen in Offenbach

Bauen nach 15 Jahren Planung

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Im Offenbacher Stadtteil Bürgel sollen einmal am Mainzer Ring 1100 Menschen leben. Es hätten noch mehr sein können.

„Man würde heute sicherlich versuchen, mehr Wohneinheiten auf der Fläche unterzubringen“, sagt der Leiter des Offenbacher Stadtplanungsamts, Simon Valerius, anlässlich des Baubeginns im Quartier Bürgel-Ost. In Zeiten rapide steigender Mieten und Baupreise im Ballungsraum ist das ein Satz wie ein Ausrufezeichen. 1100 Menschen sollen auf den ehemaligen Acker- und Gartenflächen am Rand des Stadtteils Bürgel in einigen Jahren leben,vorrangig in Reihenhäusern und Doppelhaushälften. Lediglich entlang des Mainzer Rings und im Zentrum des künftigen Quartiers sind neben einer geplanten Kita und einem Spielplatz auch insgesamt 19 dreigeschossige Mehrfamilienhäuser geplant.

Dass hier – wenige Fahrradminuten von der S-Bahn-Station Offenbach-Ost und in Laufweite des kleinstädtischen Bürgeler Ortskerns – nicht dichter gebaut wird, liege daran, dass die Stadtverordneten den Bebauungsplan für das knapp zehn Hektar große Areal bereits 2004 beschlossen hatten, erklärt Valerius. Wie begehrt Wohnraum in Offenbach einmal sein würde, hätten viele damals noch nicht antizipiert. Nach 2004 passierte dann erstmal lange nichts. Die Stadt scheiterte mit dem Versuch, die vielen Eigentümer des Geländes für eine privatrechtliche Erschließung zu gewinnen und begann schließlich nach Jahren, das Areal selbst zu entwickeln.

In diesem Herbst sind in Bürgel-Ost nun die ersten Arbeiter zugange. Sie verlegen in den nächsten zwölf Monaten Versorgungsleitungen und errichten die Baustraßen, sodass 2020 die ersten Grundstückseigentümer mit dem Bau ihrer Häuser beginnen können. „Manche wollen es gar nicht glauben, dass es hier losgeht“, sagte Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) beim symbolischen Spatenstich.

Doch nach Humor ist nicht allen zumute an diesem Herbstnachmittag. Thomas Müller etwa wollte auf seinem Grundstück in Bürgel-Ost bauen. Doch nun habe sich alles so lange verzögert, dass er wohl keinen Kredit mehr bekomme, klagt der 58-Jährige, der in Bürgel aufgewachsen ist und in Neu-Isenburg wohnt. Die Stadt habe ihn lange vertröstet: „Ich ärgere mich heftig.“

Entspannter ist ein anderer Bürgeler. Dort, wo derzeit noch Brombeerhecken und kleine Bäume wachsen, plant er ein barrierefreies Zehnfamilienhaus. Seinen Namen möchte er aber auf keinen Fall in der Zeitung lesen. Der Grund: Er werde „als Grundstückseigentümer belästigend mit Anfragen von Maklern überschüttet“.

Die Preise im Baugebiet steigen, doch es soll auch erschwinglicher Wohnraum entstehen – das hat Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) kürzlich verkündet. Auf den wenigen städtischen Grundstücken in Bürgel-Ost sollen die kommunale Baugesellschaft GBO bauen und andere Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften.

Ein teils begrünter Lärmschutzwall soll das Baugebiet vom Autolärm des Mainzer Rings schützen, der seit 2014 Bürgels Umgehungsstraße ist und nun auch zur Erschließung des neuen Quartiers dient. Ab Dezember 2019 soll die Buslinie 108 im 15-Minuten-Takt auf dem Ring verkehren und dort an mehreren Haltestellen stoppen. Die schulische Versorgung soll Weiß zufolge über die Uhland-Grundschule im Bürgeler Ortskern und über die Ernst-Reuter-Schule in Rumpenheim sichergestellt werden, die erweitert werden soll.

Der Vorsitzende des Vereins Pro Bürgel, Michael Maier, befürchtet dennoch, dass die Schulkapazitäten ausgereizt sein könnten, wenn viele junge Familien ins neue Baugebiet ziehen. Ein zumindest temporäres Problem sieht er in der schlechten Erreichbarkeit mit dem Auto. Denn die Kettelerstraße – eine Hauptzufahrtsstraße in den Stadtteil – ist wegen Kanalarbeiten zwei Jahre lang gesperrt. Mit dem Rad kommt man indes bequem und schnell nach Bürgel, seit die Stadt im Sommer Wurzelschäden auf dem Mainradweg geflickt hat.

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