Linienbusse

Elektrobus jetzt mit Heizung

Im März soll das Vorzeigemodell wieder zwischen Offenbach und Frankfurt pendeln.

Von Jörg Muthorst

Man muss ihn auf dieses Thema ganz behutsam ansprechen. Sonst verliert der üblicherweise souverän auftretende OVB-Chef Volker Lampmann schon mal für einen Moment die Beherrschung. Was den Geschäftsführer der Offenbacher Verkehrsbetriebe außer Fassung bringt, trägt den Namen Cobus 2500e, beschäftigt den einstigen Leitstellenleiter der Modellregion Elektromobilität bereits seit vielen Monaten und steht in einer Werkstatt im portugiesischen Porto.

Dort wird der umgebaute Flughafen-Vorfeldbuss im Auftrag des Wiesbadener Weltmarktführers Contrac gerade für den winterlichen Betrieb mit einer Heizung nachgerüstet. Im November hatten die OVB ihr Vorzeigemodell nach großem Werberummel bei der Inbetriebnahme des bundesweit ersten rein elektrisch betriebenen Linienbusses wieder aus dem Verkehr gezogen. Den Fahrgästen war es auf der 17 Kilometer langen Strecke zwischen Mühlheim und Bornheim einfach zu kalt geworden. Der eingebaute Umlüfter hatte es gerade mal geschafft, die Scheiben beschlagfrei zu halten.

Hohn und Spott aller Orten über den Elektrobus: „Das ist doch der ohne Heizung“. Contrac-Vertriebschef Andreas Funk: „Wir haben gelitten unter diesen Witzen.“ Die ganze Region machte sich lustig über Ingenieure im sonnigen Süden, die für den Einsatz ihres revolutionären Gefährts im deutschen Winter glatt die Heizung vergessen hätten. Pioniere haben’s halt immer schwer.

„Wir werden den E-Bus dennoch auf die Straße bringen“, sagt Lampmann trotzig. Und Funk ist bemüht, mit dem Vorurteil gegenüber den portugiesischen Ingenieuren aufzuräumen. Nichts sei vergessen worden. Schließlich liefere Contrac seine Busse bis ins klirrend kalte Kasachstan.

Der 2500e jedoch ist noch ein 13 Tonnen schweres Vorserienmodell. Unter OVB-Regie wurde im Oktober 2011 damit begonnen, seine Alltagstauglichkeit auf täglich vier Umläufen zu erforschen. Ursprünglich hätte der Prototyp schon im Sommer durch Offenbach stromern sollen. Dann wäre auch keine an den zwei Tonnen schweren Batterien saugende Heizung erforderlich gewesen. Ein aufwendiges Zulassungsverfahren verzögerte den Probelauf des 50 Passagiere fassenden Testboliden jedoch bis in den Spätherbst. Funk: „Wir sind noch in der Lernphase.“

Geschadet habe das Offenbacher Fiasko Contrac bislang aber nicht. Von Bad Homburg, Wiesbaden und Köln, von Sylt, Rom und Venedig gebe es Anfragen. Aufträge allerdings noch keine. Das ist auch kein Wunder. Ein emissionsfreier Omnibus kostet noch fast eine halbe Million Euro, das Doppelte eines herkömmlichen Fahrzeuges. Doch bei den allein 200000 Euro kostenden Batterien sei technisch und preislich viel in Bewegung, sagt der Vertriebsleiter. Sowie ein Auftrag eingehe, soll der E-Bus in Serie gehen.

Der Wurm war freilich schon vorher in diesem mit Bundesmitteln geförderten Modellprojekt. Schon 2009 sollte ein Elektrobus auf der OVB-Linie 103 an den Start gehen. Die werbewirksame Aktion musste jedoch wieder abgeblasen werden. Das Demonstrationsmodell Turiner Provenienz war nicht rechtzeitig erhältlich.

Auch die portugiesische Fabrikation mit einer Reichweite von immerhin 150 Kilometern hatte anfangs noch ihre Tücken. Noch einen Tag vor der Demo-Tour durch Offenbach flogen die Sicherungen raus. Im Linienbetrieb versagte das Vorserienmodell einmal kurzzeitig seinen Dienst. Eines der sieben Batteriepacks hatte schlappgemacht und musste in Wiesbaden gewechselt werden.

Anfang März soll der Elektro-Cobus wieder nach Offenbach rollen und nach einigen Testumläufen für weitere vier Wochen auf Linientour gehen. Dann allerdings mit Wärme-Aggregat. Die Portugiesen haben jetzt eine Standheizung eingebaut. Und einen kleinen Tank. Denn um die Batterien zu schonen, wird ganz herkömmlich Dieselöl verfeuert. Beim nächsten Modell, verspricht Funk, werde elektrisch geheizt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare