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Einmal winken für 50 Euro

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Von: Frank Sommer

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Auktionator Klaus Kohlweyer weiß, wie man die Leute zum Mitbieten animiert.
Auktionator Klaus Kohlweyer weiß, wie man die Leute zum Mitbieten animiert. © Rolf Oeser

Die 20. Päckchenversteigerung auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt bringt ein Rekordergebnis ein.

Klaus Kohlweyer nimmt das Mikrofon aus der Halterung und geht an die Bühnenrampe. „Zehn, 15!“ Mit der freien Hand deutet er in die Menge: „20 Euro. Wer bietet mehr?“ Rasch steigt das Gebot für das rote Päckchen auf 35 Euro, die Rodgauerin Sandra Erbert erhält den Zuschlag. Was sie da ersteigert hat, das will sie erst später nachschauen. „Egal, wie viel Wert der Inhalt hat: Der gute Zweck ist entscheidend“, sagt sie.

Derweil läuft Kohlweyer zur Hochform auf, der Vize-Vorsitzende des Gewerbeverein „Treffpunkt Offenbach“ ist ein wahrer Frontmann. Wie in den vergangenen Jahren moderiert er die Päckchenversteigerung des Einzelhandels auf dem Weihnachtsmarkt.

107 Päckchen und 17 Gutscheine wollen versteigert werden, so viele Spenden hat Birgitt Möbus von der Wirtschaftsförderung in diesem Jahr von Offenbacher Händlern und Firmen erhalten.

Die Menge vor der Bühne ist wie im Auktionsrausch: Egal, was Kohlweyer aufruft, schnell heben sich die Hände, und ebenso schnellt der Preis in die Höhe. Unachtsam sollte keiner die Hand heben, das merkt auch Libor Mazur, als er einem Freund zuwinkt. „Wir sind bei 50 Euro“, erinnert ihn Kohlweyer. „Ja, 50“, ruft Mazur zurück und muss lachen. Drei Päckchen hat er schon ersteigert, „auf ein weiteres kommt es dann nicht an.“

Gleich drei Institutionen kommt der Erlös der Versteigerung in diesem Jahr zugute: dem Waldzoo, der Hospizbewegung und der Offenbacher Sektion der Tafel Frankfurt. „Wir brauchen rund 30 000 Euro an Spenden pro Jahr, um unsere Arbeit aufrecht zu erhalten“, sagt Reinhold Schäfer von der Hospizbewegung. Das Geld wird für das Trauercafé für Angehörige oder für die Qualifikation der 30 Ehrenamtlichen benötigt.

„Jeder Euro hilft“, sagt auch Christine Sparr von der Tafel. „Die Not wird immer größer in unserer Gesellschaft.“ Seit acht Jahren engagiert sich die Tafel in Offenbach. Wurden damals 80 Haushalte mit Lebensmitteln unterstützt, sind es heute schon über 500.

Sparr präsentiert das nächste Päckchen. Rasch leert sich der Tisch mit der Auktionsware. „Höre ich 60 Euro?“, fragt Kohlweyer. Heinrich Michel hebt die Hand und erhält den Zuschlag. Michel ist Beschicker des Weihnachtsmarktes und steigert Jahr für Jahr mit. „Natürlich spielt die Spannung eine Rolle, was man da ersteigert“, meint er, „aber natürlich auch der Gedanke, anderen zu helfen.“ Kohlweyer erinnert auf der Bühne daran, dass die Beschicker auch in diesem Jahr wieder Waren für einen eigenen Weihnachtsmarkt der Tafel für Bedürftige gespendet haben.

Ein Geschenkkorb kommt zum Aufruf, Mohammed Afkir will die Hand zum Gebot heben, doch schon ist der Preis bei 70 Euro angekommen. „Ich habe mir ein Limit von 50 Euro gesetzt“, sagt der Offenbacher, beim nächsten Korb aber erhält er den Zuschlag. Das erste Mal steigere er mit. Maria Gawron, die nur wenige Schritte entfernt steht, ist auch das erste Mal dabei. Schon zwei Pakete hat sie ersteigert. Auch bei anderen stapeln sich schon die Päckchen.

„Dass jedes Päckchen gleichzeitig eine Gewinnchance darstellt, mag eine Rolle spielen“, vermutet Gawron. Aber, da ist sie sich mit Afkir und anderen vor der Bühne einig, das sei nicht die Hauptsache: „Hier geht es um den guten Zweck.“ Den Hauptpreis, ein nagelneues i-Phone, gewinnt schließlich unter lautem Jubel Libor Mazur. Doch Gewinner sind auch die drei Institutionen, für die gesammelt wird: 6220 Euro beträgt der Erlös.

„Sensationell“, meint Kohlweyer, „so viel hatten wir noch nie.“ Er schüttelt den Kopf, muss kurz um Worte ringen. Ein Rekordergebnis sei das, doch lasse es sich schlecht durch drei teilen. Lauter Beifall brandet auf, als er entscheidet, dass „Treffpunkt Offenbach“ den Betrag auf 6600 Euro aufstockt.

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