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Begeisterte Reitschülerin: Amelie Ries lernt unter Anleitung von Nina Martin, verschiedene Figuren zu reiten.

Offenbach

Einen Lebenstraum erfüllt

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Auf dem Goldockerhof gibt es wieder eine Reiterschule.

Pony „Paddy“ folgt brav allen Anweisungen, die Amelie ihm gibt. Amelie gehört zu den rund 200 Reitschülerinnen auf dem Rumpenheimer Goldockerhof. „Den Goldockerhof kannte ich natürlich und war traurig, dass dort lange kein Reitbetrieb mehr war“, sagt ihre Mutter Martina Ries. Seit Alexandra Röder im April 2017 den Hof übernahm, gibt es wieder einen Reitbetrieb. „Es ist so wichtig für Offenbach, dass es hier einen Reiterhof gibt und die Kinder die Tiere kennenlernen können“, sagt Ries.

30 Pferde, darunter 13 Schulpferde, leben inzwischen auf dem Goldockerhof. Fünf Reitlehrerinnen bringen jungen und älteren Reitschülern den Umgang mit den Pferden bei. „Kurse für Erwachsene erfreuen sich auch großer Beliebtheit“, sagt sie. Mit zwei Schulpferden hat Röder den Betrieb vor zwei Jahren aufgenommen. „Inzwischen kommen Anfragen für Reitstunden aus der ganzen Region, nicht nur aus Offenbach und Mühlheim“, sagt die Wirtschaftsingenieurin und Reitlehrerin.

BIR half beim Aufräumen

Dabei sah es zunächst gar nicht gut aus für den Goldockerhof: Die Vorbesitzer hatten Gelände und Gebäude verwahrlosen lassen, Unrat und Dreck stapelten sich. Als Röder ihn übernahm, glich er eher dem völlig verdreckten Augiasstall der griechischen Sagenwelt. In der Sage leitet Held Herakles einen Fluss um, damit der Stall gereinigt wird, in Rumpenheim konnte Röder auf die tatkräftige Unterstützung von Anwohnern und Mitgliedern der örtlichen Bürgerinitiative BIR zählen – der nahe gelegene Main konnte in seinem Flussbett bleiben. Inzwischen sind die Koppeln neu angelegt, die wuchernden Brombeerhecken verschwunden, und das Dach der großen und der kleineren Reithalle ist ausgebessert. Dank Kater „Barbarossa“ sind auch die Nagetiere, die es sich in den verwahrlosten Ställen bequem gemacht hatten, verschwunden. Auf allen Dächern sind Photovoltaikanlagen installiert, die Stromkabel sind noch nicht alle im Boden vergraben. „Laut Energieversorger reicht der hier produzierte Strom für gut 500 Haushalte“, sagt Röder.

Denn die Anlage ist riesig, allein das Hauptgebäude umfasst rund 1000 Quadratmeter Fläche auf drei Stockwerken. Während die Stallungen, Reithallen und Nebengebäude auf Vordermann gebracht wurden, ist gerade am Hauptgebäude noch viel zu tun. „Es ist noch nicht völlig entkernt, aber dieses Jahr werden wir den Innenausbau angehen“, sagt Röder. Zunächst aber gibt es neue Türen und Fenster für alle Gebäude. Außerdem soll in der kleinen Reithalle ein Aufenthalts- und Schulungsraum eingerichtet werden.

„Es gibt viele Nachfragen, ob die Gaststätte auch wieder öffnet, aber das steht erst mal hinten an“, sagt sie. Zunächst möchte sie den Betrieb wieder ins Hauptgebäude verlegen und Übernachtungsmöglichkeiten anbieten können. „Das wird aber noch etwas dauern, es ist immer noch viel zu tun“, sagt sie. Eine sechsstellige Summe hat sie bereits in den Hof investiert, allein die Dachreparatur kostete knapp 60 000 Euro, der neue Reithallenbelag um die 25 000 Euro.

„Und trotzdem, ich bereue es nicht eine Sekunde, den Hof gekauft zu haben“, sagt Röder. Ein eigener Reiterhof war ihr Traum seit der Kindheit. Dank tatkräftiger Unterstützung ihres Mannes, ihrer Eltern und von Freunden lasse sich dieser Traum realisieren. Ihr Vater habe gerade erst neue Hindernisse für die Reithalle gebaut, im Frühjahr werden dann neue für die Außenanlage in Angriff genommen. „Den Hof in Ordnung zu bringen, bleibt eine Lebensaufgabe“, sagt sie.

Nach wie vor ist das Interesse in Rumpenheim groß am Gold-ockerhof. Sogar mit der nahegelegenen Ernst-Reuter-Schule gibt es inzwischen eine Kooperation, Reitstunden sind dort dank der Hilfe des Fördervereins in den Schulsport integriert. „Die Schüler stehen extra eine halbe Stunde morgens früher auf, um dann hier die Ponys zu striegeln und zu zäumen“, sagt Röder. Auch eine Reit-AG hat sich gegründet und übt auf dem Goldockerhof.

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