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Nahverkehr in Offenbach

Schwenke will U-Bahn-Anschluss für Offenbach

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In Offenbach wird über die Verlängerung der Straßenbahnlinie 16 diskutiert. Nun geht OB Schwenke noch einen großen Schritt weiter. 

In den vergangenen Monaten ist die Diskussion über eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 16 von Oberrad über Offenbach bis nach Fechenheim wieder aufgeflammt. Insbesondere Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) machte sich für eine Wiederbelebung der 1996 auf Offenbacher Stadtgebiet stillgelegten Verbindung stark. 

Auch wenn manche diese Idee als Träumerei abtun, geht Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sogar noch einen Schritt weiter. Er plädiert für einen U-Bahn-Ringschluss von der Endhaltestelle der Linie 16 an der Stadtgrenze über das Hafenviertel mit der künftigen Hochschule für Gestaltung, den Marktplatz, das ehemalige Allessa-Areal und über den Stadtteil Bürgel bis nach Fechenheim. 

Einen Halt an der S-Bahn-Station Marktplatz (oder Ledermuseum beziehungsweise Offenbach-Ost) hält er für zwingend nötig, um die Innenstadt besser anzubinden und zu stärken. Aus finanziellen Gründen ist aus seiner Sicht auch eine reduzierte Variante ohne Allessa und Bürgel denkbar. Doch, doch, es sei ihm ernst mit diesem Vorschlag, beteuert der Oberbürgermeister auf eine entsprechende Frage. Das sei keine Schnapsidee. Er ist überzeugt, dass es eine U-Bahn nach Offenbach schon längst gäbe, „wenn Frankfurt und Offenbach nicht getrennte Städte wären“. 

Schwenke möchte den gut sechs Kilometer langen Ringschluss, der grob geschätzt mindestens 300 Millionen Euro kosten dürfte, prüfen lassen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, wie teuer ein solches Vorhaben werde, wie die Streckenführung aussehen und ob die Linie 16 unter die Erde verlegt werden könnte. Auftraggeber sollten laut OB Offenbach, Frankfurt und der Rhein-Main-Verkehrsverbund sein. 

Für Schwenke ist die U-Bahn aus verkehrlicher Sicht die optimale Lösung, „weil der Raum über der Erde frei bleibt“. Demgegenüber beanspruche die Tram Straßenraum, der heute schon nicht für Autos, Radler, Fußgänger und neue Elektroroller ausreiche. Aus seiner Sicht ist „völlig klar“, dass ein solches Projekt nur dann realisierbar ist, wenn alles durch europäische-, Bundes- oder Landesmittel zur Förderung des Schienenverkehrs finanziert werde. Das hält er für angemessen. Denn der Kampf gegen den Klimawandel sei eine europäische und nationale Aufgabe. Daher müsse der Schienenausbau auch durch diese Ebenen maßgeblich mitfinanziert werden – mit besonders guten Förderquoten für arme Kommunen. 

Dem OB ist bewusst, dass sein Vorstoß manchen verrückt erscheinen mag. Dennoch will er für seine Position werben, auch wenn er gar nicht für Verkehr zuständig ist. Als Oberbürgermeister sei es aber auch seine Aufgabe, „über wichtige Fragen für die ganze Stadt nachzudenken“. Als Wirtschaftsdezernent ist ihm eine optimale verkehrliche Erschließung etwa des Hafens oder des Allessa-Geländes und eine Entlastung der Verkehrsachse Mainstraße wichtig. 

In Gesprächen mit Oesterling und der Offenbacher Verkehrsdezernentin Sabine Groß (Grüne) will Schwenke bemerkt haben, dass beide wie er selbst einen realistischen Blick aufs Geld „und damit auf das entscheidende Problem haben“. Inhaltlich wären sie aber ebenfalls froh, wenn der Schienenverkehr ausgebaut werden könnte, meint der OB. Er glaubt, dass die Zeit auf seiner Seite steht. 17 der 18 heißesten Jahre habe es seit der Jahrtausendwende gegeben. Das werde sich fortsetzen. Schwenke ist deshalb überzeugt, dass weitere Hitzesommer die Debatte über den Schienenverkehr in Deutschland verändern werden. „Meine These ist: Die Förderquote wird auf 95 Prozent steigen. Und dann ist es gut, wenn wir etwas vorweisen können.“

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