Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Marco Frank mit seinen Lamas vor dem Zirkuszelt auf dem Buchhügel in Offenbach.
+
Marco Frank mit seinen Lamas vor dem Zirkuszelt auf dem Buchhügel in Offenbach.

Offenbach

Ein ganz neues Heimatgefühl für den Circus Barus

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
    schließen

Die Saisonplanung für den in Offenbach gestrandeten Zirkus ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie weiter schwierig. Direktor Marco Frank würde sich ein Grundstück in der Stadt, die ihm ans Herz gewachsen ist, wünschen.

Die Lamas, Kamele und Esel grasen genüsslich auf dem Buchhügelgelände in Offenbach. Seit Dezember stehen außerdem Wohnwagen und riesige Lastwagen auf dem Platz und in den Straßen. Hier hat der Circus Barus vor sieben Monate im wahrsten Sinne des Wortes sein Zelt aufgeschlagen. „Es wird eine traurige Angelegenheit sein, wenn wir weiter müssen“, sagt Zirkusdirektor Marco Frank. In Offenbach fühlen sich der 46-Jährige und seine Familie mittlerweile heimisch. „Das kannten wir vorher so nicht.“ Drei Wochen am Stück beim Weihnachtszirkus in Hanau zu sein, war bis dahin das höchste der Gefühle. Mittlerweile sind mehr als 16 Monate vergangen, seit der Zirkus wegen Corona in Offenbach gestrandet ist.

In der zweiten Jahreshälfte hofft Frank, dass er an Ort und Stelle in Offenbach die ersten Vorstellungen geben kann. Von anderen Städten hat er noch keine Zusagen bekommen. „Und wenn ich irgendwo eine Zusage bekomme, bringt es mir ja nichts, wenn ich sie woanders nicht kriege“, erklärt Frank. Schließlich muss er seine Routen planen, darauf achten, dass er nicht zu viel Sprit von A nach B verbraucht, Werbung und immer einen festen Platz haben, wo er mit seinem Tross unterkommen kann. Jetzt sind es 15 Leute, wenn die Saison startet kommen Artistinnen und Artisten dazu.

„Wir haben über die Saison 20 Standorte. Und das die Schlag auf Schlag zusagen, ist auch unwahrscheinlich, da die auch Vorlauf brauchen“, erklärt Bianca Frank. Zumal in vielen Städten auch noch andere ausgefallene Festlichkeiten nachgeholt werden müssten. Es ist also vieles weiterhin in der Schwebe.

Sehr konkret ist dagegen die Hilfe der Stadt. Der Zirkus muss keine Platzmiete zahlen, auch die Stromrechnung ist ihm erlassen worden, weil er keine Einnahmen hat. Vom Staat hat er lediglich eine einmalige Hilfe von 9000 Euro bekommen. Trotzdem fallen alleine für die Fahrzeuge Leasingraten, Versicherungen und der TÜV an. Vor einigen Monaten musste Frank einen Traktor und einen Campinganhänger verkaufen, um sich über Wasser zu halten. Wenn die Saison wieder losgeht, muss er sich einen neuen besorgen.

„Es kommen auch immer noch sehr viele Leute, um uns zu unterstützen“, berichtet Frank glücklich. An Vormittagen sind es Schulklassen, Eltern mit ihren Kindern oder die anliegende Kita. Letztere hat sogar die Patenschaft für die Ziegenlämmer übernommen. Es kommen Menschen vorbei, die Futter für die rund 40 Tiere mitbringen oder auch Geld in den Spendenkasten am Eingang werfen. Auch einen Pool oder Kühlschrank haben die Zirkusleute geschenkt bekommen. In einen Getränkemarkt können sie sich kostenlos mit Getränken eindecken. „Es sind sehr viele Freundschaften entstanden“, sagt Frank. Ab 10 Uhr, wenn die Tiere versorgt sind, stehen die Türen der Familie Frank und des Zirkus bis 19 Uhr für alle die vorbeikommen wollen, offen.

Seit gestern bauen die Zirkusleute die Tribüne zusammen und müssen sich Gedanken über Hygienekonzepte machen. Einzelne Sitze auf der Tribüne, eine Einbahnstraße bei den Toiletten oder Plexiglasscheiben in der Loge. Bevor der Circus Barus irgendwo gastiert, muss das vorliegen. Bis dahin werden sie erstmal in Offenbach bleiben.

„Für uns wäre es ein Traum, ein eigenes Grundstück zu haben“, sagt Frank. Finanzierbar wäre das aber nur in Ostdeutschland. Seine Heimat sieht der Zirkus, dessen Meldeadresse im nordhessischen Schlitz ist, in Hessen. „Am liebsten hätten wir was eigenes in Offenbach. Vielleicht hat ja jemand etwas für uns“, sagt Frank hoffnungsvoll.

Das Kamel lässt sich gemütlich die Sonne auf das Fell scheinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare