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Offenbach 29.10.2019 Bewachsene Mauer zum Postgelände in der Hohen Straße.

Klimaschutz

Efeu und wilden Wein in Offenbach erhalten

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Begrünte Fassaden sollen in Offenbach vor Hitze schützen. Forderungen nach einer Verschärfung der Grünschutzsatzung werden laut.

Klimaschutz ist das Schlagwort der Stunde. Und Kommunen wie Offenbach geben sich viel Mühe, Strategien zur Klimaanpassung zu erarbeiten. Strategien also, die bewirken sollen, dass die Städte trotz zunehmender Erhitzung, häufiger werdender Dürreperioden und unwetterartigem Starkregen auch in einigen Jahrzehnten noch lebenswert sind.

Ein Baustein dabei ist der Erhalt von bestehendem Grün. Dass bereits dies schwer genug ist, hat das Vorgehen einer Baufirma in der vergangenen Woche gezeigt: Innerhalb weniger Stunden rissen Arbeiter Efeu und wilden Wein von einer Hauswand, der dort über Jahre hinweg über zehn Meter hochgewachsen war.

REGELUNG
Die Grünschutzsatzung der Stadt Offenbach schützt Laubbäume, deren Stammumfang in einem Meter Höhe einen Meter überschreitet – bei Nadelbäumen sind es 1,20 Meter. Auch Gebüsche, die mehr als 30 Quadratmeter groß sind, fallen in den Geltungsbereich der Satzung.

In Frankfurt sind Laubbäume bereits ab einem Stammumfang von mehr als 60 Zentimetern geschützt. Es gibt in beiden Städten aber diverse Ausnahmeregelungen – etwa, wenn ein Baum krank ist. Dann darf der Baum fallen – gegebenenfalls werden Zahlungen für Ausgleichspflanzungen fällig. fab

Astrid Ost, eine Anwohnerin des Senefelderquartiers südlich der Innenstadt, hatte sich am Donnerstagmorgen bei der FR und beim Umweltamt gemeldet – in der Hoffnung, der Abriss könne noch verhindert werden. Schon mittags musste sie aber feststellen: „Inzwischen ist das Grün abgerissen.“ Das Beispiel zeigt, wie schwierig es ist, den vielzitierten Wunsch nach mehr Fassadengrün in den Städten in Einklang zu bringen mit der Realität.

Ost, die einmal für die SPD im Offenbacher Stadtparlament saß, die Partei aber schon lange wieder verlassen hat, fordert nun eine Verschärfung der kommunalen Grünschutzsatzung: Denn darin geht es vor allem um den Schutz von großen Bäumen. Heike Hollerbach, die Leiterin des Offenbacher Umweltamts, sagt, dass laut Satzung zwar auch „flächenhafte Gebüsche“ geschützt seien – deren Abholzung ab einer gewissen Größe also einer Genehmigung bedarf. Doch hält auch sie eine Verschärfung für eine gute Idee: In dem Sinne, dass eine deutlichere Formulierung mehr Klarheit schaffe, was erlaubt sei und was nicht. Im konkreten Fall im Senefelderquartier habe sich die Grundstückseigentümerin übrigens korrekt verhalten und sich rechtzeitig vom Umweltamt beraten lassen. Während der Brutzeit etwa sei der Abriss von Efeu aus Artenschutzgründen nicht genehmigungsfähig, so Hollerbach.

Tatsächlich ist die Stadt beim Thema Fassadengrün nicht tatenlos: So steht in den 2017 beschlossenen städtebaulichen Leitlinien, dass bei allen Baumaßnahmen Gründächer und Fassadenbegrünungen mitgedacht werden sollten, um den zu erwartenden „Gefahren der Überhitzung im öffentlichen Raum“ entgegenzuwirken. Die Stadt fördert mit Unterstützung des Landes auch die Begrünung von Brandwänden mit bis zu 25 Prozent. Und um bestehende Bäume zu erhalten, wurde gerade das jährliche Budget des Grünflächenamts um 500000 Euro aufgestockt: So sollen ein neuer Tankwagen zur Bewässerung und zwei neue Stellen finanziert werden. Statt 100 Bäumen werden ab sofort pro Jahr mindestens 200 neu gepflanzt.

Das Problem: Das reicht wohl nicht aus. Alleine in diesem Jahr sind in und an Offenbacher Parks und Straßen rund 800 Bäume gestorben – schätzt Johannes Irgel, der beim Stadtservice ESO für Grünwesen und Straßenreinigung zuständig ist. Die Grünen arbeiten derweil an einer Initiative, die auch das Thema Fassadengrün aufgreift. Konkreter wird Fraktionsgeschäftsführer Ivan Greguric noch nicht: Die Ideen müssen erst noch mit den Koalitionspartnern CDU, FDP und Freien Wählern abgestimmt werden. „Insofern“, sagt Greguric, „freut uns die Wachsamkeit und steigende Zustimmung der Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadt bezüglich dieses Themas sehr.“

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