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Manche Bücher haben auch ein Loch ...

Ausstellung in Offenbach

Seltene Kinderbücher im Klingspor-Museum

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Fast 500 kleine Kunstwerke und Raritäten sind in der Kinderbuchausstellung im Klingspor-Museum zu sehen. Knapp die Hälfte der Exponate sind Werke aus dem Ausland. Allen gemein ist: Sie sind Augenweide und Lesevergnügen zugleich.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Wenn schon Kleinkinder den Erlkönig zitieren, dann könnte das an einem Werk aus dem Berliner Kindermann-Verlag liegen. Das Kinderbuch ist eine der Besonderheiten, die bei der 58. Auflage der internationalen Kinderbuchausstellung im Klingspor-Museum zu sehen sind. Die Kuratorin Elke Rauer hat 497 reich bebilderte kleine Kunstwerke, Kuriositäten, Raritäten und Neuerscheinungen aus aller Welt gesammelt, die nicht nur die Kleinen, sondern durchaus auch die Großen in ihren Bann ziehen.

Die Kinderbuchausstellung ist das „Baby“ von Elke Rauer. Seit 1989 geht die Verwaltungsangestellte mit Akribie und Leidenschaft zu Werke, um den Besuchern Ungewöhnliches zu präsentieren. Das sieht man in jedem Glaskasten, hinter jeder Vitrine. „Ein halbes Jahr lang schreibe ich Verlage an, um Bücher zu finden. Ein halbes Jahr lang schreibe ich, um mich dafür zu bedanken.“

Auch in diesem Jahr ist ihr wieder ein großer Coup gelungen: In der Sonderschau sind Originalzeichnungen von Tatjana Hauptmann zu sehen. Die gebürtige Wiesbadenerin, die heute in der Schweiz lebt, präsentierte schon vor 50 Jahren in der Offenbacher Kinderbuchausstellung zwei Bilderbücher, die sie selbst geschrieben und illustriert hatte – im Alter von 13 Jahren. Damals studierte der Teenager auf freiwilliger Basis an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Fünf Jahrzehnte später kehrt die heutige Illustratorin nun mit Originalzeichnungen von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, aus dem „Balladenbuch“ und aus „Geschichten aus 1001 Nacht“ an ihre erste Wirkstätte zurück. Rauer waren Hauptmanns unglaublich filigrane und detailreiche Schwarz-Weiß-Illustrationen im Vorjahr aufgefallen, als ihr eine Jubiläums-Sonderausgabe des Diogenes-Verlags in die Hände fiel. Darin waren Märchen von Hauptmann illustriert. In einem Feedback an den Verlag äußerte sie sich lobend über die Zeichnungen, und so kam der Kontakt zustande.

Der große Ausstellungssaal birgt ebenfalls zahlreiche Schätze. Zum Beispiel Bücher, die vom kleinen Künstlerkreis „Edition Leuchtkäfer“ in Handsiebdruck in einer Miniauflage von 27 Exemplaren entstanden sind. Die Nummer vier von 27 steht im Schaukasten im Klingspor Museum.

Oder aber Kinderbücher aus dem Iran, die in Deutschland bisher noch nicht zu stehen waren. Rauer bekam sie durch einen persönlichen Kontakt zur Verlegerin auf der Buchmesse kostenlos zur Verfügung gestellt. 58 Stück hat sie erhalten – für jedes Ausstellungsjahr ein Buch. 27 sind in den Schaukästen gelandet und bergen Erstaunliches: „Da ist sogar eine Frau ohne Kopftuch dargestellt, mit vom Wind zerzausten Haaren“, sagt Rauer.

212 Kinderbücher kommen in diesem Jahr aus dem Ausland. Unter anderem ein japanisches mit dem sehr deutsch klingenden Titel „Kleine Hannah“. Aus Italien dagegen sind Werke aus der Edition Dromadaire nach Offenbach gewandert, die Kinder in Workshops selbst gedruckt haben.

Im Innenleben des Sachbücher-Schaukastens findet sich Kurioses: „Nicht spülen – eine Expedition ins Klo“ entpuppt sich als lustig illustrierter Band, der Essgewohnheiten und die entsprechenden Magen- und Darminhalte unter die Lupe nimmt.

Nebenan steht die „Problemkiste“, wie die Kuratorin sagt. Dort sind drei Bücher zum Thema Tod und zwei eindringliche Bücher zum Thema Krieg platziert.

Wer aufmerksam ist, findet noch viele ungewöhnliche Themen, derer sich Kinderbuch-Autoren und Illustratoren angenommen haben: Yoga, Stechmücken, Augenbrauen, Amazonas-Pflanzen im Pop-up-Stil, Büchners „Leonce und Lena“, Troja im Comic-Stil, behinderte Cartoons und Kochbücher mit Zwergen. Eines aber haben alle Bücher gemeinsam: Sie sind Augenweide und Lesevergnügen zugleich.

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