Bereit zur Debatte: Jana Muckelmann, 28 Jahre, studiert Pädagogik in Frankfurt. Claudia Stiefel, 30 Jahre, ist Kommunikationsdesignerin. Beide sind an der Organisation der Podiumsdiskussion beteiligt. "Das bedingungslose Grundeinkommen denken - Positionen zu einer Grundsicherung für alle" ist für Mittwoch, 3. Februar, 19 Uhr in den Räumen der Volkshochschule Offenbach, Berliner Straße 77, geplant.
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Bereit zur Debatte: Jana Muckelmann, 28 Jahre, studiert Pädagogik in Frankfurt. Claudia Stiefel, 30 Jahre, ist Kommunikationsdesignerin. Beide sind an der Organisation der Podiumsdiskussion beteiligt. "Das bedingungslose Grundeinkommen denken - Positionen zu einer Grundsicherung für alle" ist für Mittwoch, 3. Februar, 19 Uhr in den Räumen der Volkshochschule Offenbach, Berliner Straße 77, geplant.

Interview

Kein Zwang zur Arbeit

Die Offenbacher Initiative Bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert mit Madeleine Reckmann über ihre Idee. Arbeitet denn dann überhaupt noch jemand, Frau Muckelmann, Frau Stiefel?

Sie sind noch jung und gut ausgebildet. Was treibt Sie zur Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen?Jana Muckelmann: Das hat mit der Ausbildung nichts zu tun. Das Grundeinkommen soll ja jede Person bekommen und zwar bedingungslos. Das unterschiedet es von anderen Grundeinkommensmodellen. Bedingungslos ohne Bedürftigkeitsprüfung. Die Menschen sollen auch nicht zur Arbeit gezwungen werden.Claudia Stiefel: Sie dürfen sich zur Grundsicherung aber so viel dazu verdienen, wie sie wollen.

Arbeitet dann noch jemand?Muckelmann: Wir gehen davon aus, dass die meisten Menschen nicht aufhören zu arbeiten. Vielleicht nehmen sie eine andere Arbeit an oder arbeiten weniger, weil das Grundeinkommen ihre Existenz sichert. Nach unserem Menschenbild sind die Menschen mündig genug, um Freiräume verantwortungsvoll wahrzunehmen. Es sollte ihnen kein Misstrauen entgegengebracht werden sondern Vertrauen.Stiefel: Es gäbe auch mehr Zeit für soziale Aufgaben, Kindererziehung, Altenpflege oder ähnliches. Die Menschen könnten ihre individuellen Fähigkeiten entwickeln. Die Bedeutung von Arbeit wird sich verändern und nicht nur Erwerbstätigkeit meinen, sondern etwa auch ehrenamtliche Arbeit. Vielleicht gibt es mehr Teilzeitstellen.

Das hört sich gut an, aber wie soll das finanziert werden?Muckelmann: Es gibt verschiedene, von Experten durchgerechnete Finanzierungsmodelle, die die Machbarkeit des Grundeinkommens bestätigen. Die Frage nach der Finanzierbarkeit ist aber zu komplex, um sie in wenigen Sätzen zu erklären. Uns geht es darum, die Idee des Grundeinkommens bekanntzumachen. Deshalb heißt unsere Podiumsdiskussion auch "Das bedingungslose Grundeinkommen denken". Unsere Initiative vertritt kein spezielles Finanzierungsmodell. Wir wollen die Idee stark machen, dazu muss man darüber reflektieren.

Aber man sollte doch Details kennen?Muckelmann: Detailfragen können wir klären, wenn wir wissen, ob wir das wollen. Wir möchten zur Reflexion anregen. Es ist doch vermessen zu glauben, dass die Verteilung des Wohlstands nur über Erwerbsarbeit erfolgen kann. Die Arbeitslosigkeit steigt, es gibt ja zu wenig Jobs. Vollbeschäftigung im Sinne von Erwerbsarbeit ist eine Utopie. Deshalb wird das bedingungslose Grundeinkommen auch international diskutiert, und es gibt in Deutschland ein breites Netzwerk. 2009 wurde im Bundestag eine Petition für das bedingungslose Grundeinkommen behandelt, die von knapp 53.000 Bürgern unterzeichnet war.

Haben Sie persönlich Existenzangst?Muckelmann: Ich studiere Pädagogik. Im Erziehungsbereich gibt es viele prekäre Arbeitsverhältnisse. Das macht schon Angst.Stiefel: In dem künstlerischen Bereich, in dem ich tätig bin, lässt sich das schöpferische Arbeiten nur schwer in ein Leistungsprinzip einordnen. Es gibt Phasen des Reflektierens und der Ideenfindung, die für das Arbeiten enorm wichtig sind. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte für ein kreativeres Arbeiten sorgen.

Na gut, wie viel soll es geben?Stiefel: Auch bei der Höhe des Grundeinkommens möchten wir uns nicht festlegen. Das Geld soll für die Existenzsicherung reichen und die kulturelle Teilhabe. Die genaue Höhe ist abhängig vom Finanzierungsmodell und der Konjunktur.

Mehr als Hartz IV?Stiefel: Ja, deutlich mehr als Hartz IV, wie gesagt, es soll die kulturelle Teilhabe absichern, mit der S-Bahn ins Kino oder Theater fahren etwa.

Sie haben fünf Gesprächspartner aufs Podium geladen.Stiefel: Ja, wir haben Experten eingeladen, die unterschiedliche Positionen vertreten. Wir wollen ja zur Diskussion anregen und das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Die philosophische Sichtweise ist ebenso dabei wie die wissenschaftliche.

Ist jemand dabei, der gegen das Grundeinkommen ist?Stiefel: Axel Gerntke von der IG Metall. Er steht für die Existenzsicherung, aber nicht für die bedingungslose.Muckelmann: Joachim Heil ist ein Befürworter. Als Lehrbeauftragter für Philosophie klopft er Begriffe auf saubere Definitionen ab. Antje Schrupp betrachtet das Thema aus Sicht der Frauen. Klaus-Uwe Gerhardt von den Grünen beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit dem Grundeinkommen und ist ein vehementer Vertreter. Caren Lay möchte die Idee innerhalb der Linken etablieren.

Ist die Gruppe parteiabhängig?Muckelmann: Nein. Das ist eine parteiunabhängige Initiative. Die Linke hilft bei der Finanzierung der Veranstaltung. Wir wünschen uns einen breiten Austausch mit allen Parteien.

Interview: Madeleine Reckmann

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