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Lehrerin Rieke Strehl unterrichtet an der GTS-Schule in Offenbach – momentan per Homeschooling.
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Lehrerin Rieke Strehl unterrichtet an der GTS-Schule in Offenbach – momentan per Homeschooling.

Offenbach

Die Beziehungsarbeiterin

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Lehrerin Rieke Strehl an den Gewerblich-Technischen Schulen in Offenbach geht auf ihre Schüler und Schülerinnen ein. Derzeit vor allem im Distanzunterricht über den Bildschirm.

Hey, wie geht‘s dir?“ So oder so ähnlich beginnt Rieke Strehl fast jede Unterrichtsstunde. „Hey, wie geht’s dir?“: Klingt simpel, hat aber große Wirkung.

Die 35-Jährige ist Lehrerin für Mathematik und Chemie an den Gewerblich-Technischen Schulen in Offenbach. Ihr Leistungskurs Umwelttechnik wird seit den Weihnachtsferien per Homeschooling abgehalten. Die 15- bis 18-Jährigen sehen ihre Lehrerin fünfmal 45 Minuten in der Woche – zu den regulären Zeiten, wie sie im Stundenplan stehen. Aber eben nicht live, sondern am Bildschirm. Auch wenn langsam wieder ein paar mehr Kinder und Jugendliche die Schule besuchen dürfen, bleibt der Distanzunterricht bis auf weiteres eine wesentliche Säule der Lernstoffvermittlung.

Doch das verläuft oft alles andere als glatt. Diese Erfahrung hat auch Rieke Strehl gemacht. Am Anfang habe die Quote der erledigten Arbeiten, die sie den Schülern und Schülerinnen zur Vorbereitung der Unterrichtsstunde aufgetragen habe, bei 30 Prozent gelegen, erzählt sie. Mit 30 Prozent aber funktioniert das Konzept des „flipped classroom“ nicht, das Strehl nutzt. Dabei erarbeiten sich die Schüler:innen den Stoff erst einmal selbst, um ihn dann gemeinsam im Unterricht einzuüben und Verständnisschwierigkeiten zu klären. „Bei 30 Prozent kann ich auch gleich bei 0 anfangen“, sagt Strehl. Waren die Aufgaben zu schwer? „Nein, kam die Antwort, wir haben einfach keine Lust.“

Redebedürfnis der Jugendlichen ist groß

Was also tun? „Die Beziehung starkmachen“, sagt sie. Deshalb auch die Frage nach dem Befinden vor jeder Lehreinheit. „Ich habe es selbst nicht geglaubt, aber die Jugendlichen haben mir erzählt, dass ich die erste Lehrerin seit fast einem Jahr bin, die sie danach fragt.“ Die Zeit, die das kostet, ist es ihr wert. „Das können fünf oder zehn Minuten sein, manchmal geht aber auch die ganze Stunde dafür drauf“, berichtet Strehl.

Denn das Redebedürfnis der Jugendlichen ist groß. „Die sind erschöpft vom Lockdown, ihnen fehlt der rote Faden, sie dürfen nicht in die Schule, sind nonstop bei den Eltern, manche sagen, sie seien in einem richtigen Loch“, erzählt Strehl. Das schlägt auf die Motivation. Reden hilft da. Aber das allein genügt nicht. Inzwischen hat Strehl bei der Unterrichtsvorbereitung ihrer Schüler:innen eine Quote von 80 bis 90 Prozent erreicht. „Vorgestern waren es sogar 100 Prozent“, berichtet sie. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass das auch damit zu tun hat, dass sie eigens für ihren Unterricht einen eigenen Youtube-Kanal eingerichtet hat.

„Man muss kein IT-Freak sein“

Dort produziert sie Videos, in denen sie erklärt, was eine Redoxreaktion ist, wie man Punkte in ein Koordinatensystem einträgt oder was man für das Mathe-Abitur können muss. Sie macht das gut, auch nicht so begabte Schülerinnen und Schüler können dem Stoff folgen. „Und außerdem kann man sich die Erklärungen auch fünfmal vorspielen lassen, zurückspulen oder mal die Pausentaste drücken“, erläutert sie.

Strehl ist vorbelastet, was den Umgang mit Mathematik und Informationstechnik angeht. Mutter und Vater sind in einschlägigen Berufen aktiv, sie ist Mitglied in der Prio-Arbeitsgemeinschaft beim hessischen Kultusministerium, wo Fortbildungen für Lehrkräfte entwickelt werden.

„Aber man muss kein IT-Freak sein, um Distanzunterricht interessant zu machen“, ist sie überzeugt. Ab und an mal die Methode wechseln, die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Lösungen suchen lassen, sie überhaupt zum selbstständigen Lernen zu erziehen – damit scheint sie Erfolg zu haben. Und wer keine eigenen Videos produzieren wolle, der könne auf ein riesiges Angebot im Netz zugreifen. „Das ist oft ziemlich gut“, urteilt Strehl. Allerdings muss ein Lehrer dann auch dazu bereit sein, anderen Pädagogen mal den Vortritt zu lassen. „Wenn die besser erklären können, warum dann nicht?“

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