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Im neuen Quartier "Vitopia" am Kaiserlei setzt der Bauherr auf Geothermie.

Geothermie in Offenbach

Mit Erdwärme Heizkosten sparen

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Das Regierungspräsidium genehmigt die Geothermie für die Projekte "Four" und "Vitopia" am Kaiserlei.

Grünes Licht für zwei ehrgeizige Geothermie-Projekte in Offenbach und Frankfurt, die zu den größten Anlagen ihrer Art in Hessen gehören. Das Quartier der CG Gruppe am Kaiserlei sowie die vier neuen Hochhäuser auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bank sollen mittels Erdwärme beheizt und gekühlt werden. Das Regierungspräsidium (RP) genehmigte die Nutzung der Geothermie für die Neubauten auf beiden Arealen für jeweils 50 Jahre. In dem Offenbacher Viertel namens „Vitopia“ kann Erdwärme mit einer Leistung von 851 Kilowatt entzogen werden.

Erdwärme ist ein sogenannter bergfreier Bodenschatz, der unter die Regelungen des Bundesberggesetzes fällt. Deshalb ist eine Genehmigung der zuständigen Bergbehörde notwendig, die beim RP Darmstadt angesiedelt ist.

In dem Offenbacher Quartier an der Berliner Straße / Goethering entstehen bis 2021 auf einem 100 000 Quadratmeter großen Gelände insgesamt 840 Wohnungen, eine Kindertagesstätte, eine Schwimmhalle, Hotels, Gastronomie und Einzelhandel. Die beiden markanten Bürotürme der Kraftwerkeunion werden entkernt und zu Mikro-Apartments umgebaut. Die übrigen Gebäude auf dem Areal werden durch Neubauten ersetzt. Der Heiz- und Kühlbedarf dieser Neubauten soll durch die Erdwärmeanlage gedeckt werden.

Nach Angaben des RP sollen auf dem Kaiserlei-Areal 135 Bohrungen mit einer Tiefe von 100 Metern und 128 mit einer Tiefe von 120 Metern erfolgen, in denen die Erdwärmesonden installiert werden. Die Gesamtlänge aller Bohrungen, mit denen Ende Oktober begonnen wird, beträgt rund 30 Kilometer.

Die Sonden sind ein geschlossenes, mit Wasser befülltes Rohrsystem. Mit Hilfe von Wärmepumpen ist die Nutzung der oberflächennahen Erdwärme zum Heizen möglich. Um zu kühlen, wird Wärme aus dem Gebäude ins Erdreich geleitet.

Nach Angaben des Dezernats „Bergaufsicht“ beim RP besteht der Untergrund in dem Quartier am Kaiserlei aus sandigem Ton und einer Wechselfolge von Ton und Schluff. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie habe dem Projekt nach Auswertung der Daten zum Untergrund zugestimmt, teilte die Behörde der FR mit.

Die „Bergaufsicht“ wies darauf hin, das Projekt sei durch einen erfahrenen Planer vorbereitet worden. Anhydrit (Gipskeuper) sei nicht vorhanden, so dass auch keine Probleme durch das Aufquellen von Gipskeuper entstehen könnten. Schwierigkeiten durch „gespanntes“ (also unter Druck stehendes) Grundwasser seien ebenfalls nicht zu erwarten, da das Grundwasser durch hohe Sandanteile „relativ entspannt“ sei.

Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe, meinte: „Wir reden viel in Deutschland, tun aber wenig, was zum Beispiel den CO2-Ausstoß betrifft.“ Nach seinen Angaben können durch die Erdwärmenutzung 200 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Die Geothermie verteure das Bauprojekt um rund zehn Millionen Euro, sagte er. Die Gesamtinvestition beträgt etwa 300 Millionen Euro.

Die Nebenkosten würden um 20 bis 30 Cent je Quadratmeter steigen. „Die Mieter sind aber bereit, dafür zu bezahlen, dass sie neue Technologie und kein CO2 haben.“ Gröner zufolge können in Wohnungen und Büros mittels Erdwärme 50 Prozent der Heizleistung eingespart werden, in warmen Wintern sogar 70 Prozent. Werde es kälter als null Grad, werde Fernwärme eingesetzt. Im Sommer diene die Geothermie dazu, die Räume um bis zu fünf Grad herunterzukühlen.

Der Wert für ein KfW-Effizienzhaus 55, das 45 Prozent weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau benötigt, wird nach seinen Worten durch die Geothermie halbiert. Der Vorstandsvorsitzende betonte, man kooperiere eng mit dem Berliner Energiedienstleister Gasag. „Das sind Profis, die für uns Geothermie-Anlagen in ganz Deutschland bauen.“ Und: „Wir haben uns verpflichtet, für eine ausgeglichene Bilanz aus Wärmezufuhr und -entnahme zu sorgen.“

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