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Die Reste des Portals sind neu zusammengefügt – als Erinnerung für die Nachgeborenen.
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Die Reste des Portals sind neu zusammengefügt – als Erinnerung für die Nachgeborenen.

Offenbach Mayer

Denkmal für die Mayer-Werke

  • VonJörg Echtler
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Mehr als Steinskulpturen sind nicht übriggeblieben von den Lederwerken Julius Mayer & Sohn, einst ein Glanzstück der Offenbacher Industrie. Die Skulpturen haben jetzt einen neuen Platz vor dem Ledermuseum gefunden - als Denkmal, Erinnerung und Wiedergutmachung.

Sie waren ein Glanzstück Offenbacher Industriegeschichte. Mehr als ein paar Steinskulpturen sind nicht übriggeblieben von den Lederwerken Julius Mayer & Sohn. Sie stammen vom Portal des ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Mainstraße und haben jetzt einen neuen Platz vor dem Ledermuseum gefunden – als Denkmal, Erinnerung und „auch ein Stück Wiedergutmachung“, wie Museumsdirektor Christian Rathke sagt.

Denn das Schicksal der Firma ist ein typisches Beispiel jüdischen Unternehmertums in Deutschland: Obwohl national gesinnt und Kriegsveteran war der letzte Besitzer, Robert von Hirsch, 1933 gezwungen, die Firma aufzugeben und in die Schweiz zu emigrieren. Seine beiden Direktoren bezahlten ihr Bleiben mit dem Leben.

Die 1857 gegründeten Lederwerke eroberten sich in den folgenden Jahrzehnten eine herausragende Stellung auf dem Weltmarkt. Ludo, der Sohn des Firmengründers Julius Mayer, hatte die in Amerika entwickelte Chromgerbung eingeführt. Die brachte gegenüber der bisher verwandten, auf Alaun basierenden Methode eine große Zeitersparnis.

Bis zu 20 000 Ziegenfelle täglich wurden zu Hochzeiten bei Meyer verarbeitet, teilweise ging die gesamte Weltproduktion an Ziegenleder durch die neuen Werkshallen zwischen Au- und Karlstraße. Die waren mit den seinerzeit modernsten Maschinen, mit Gasturbinen und Elektromotoren ausgestattet.

Das in Offenbach gefertigte Glanz-Chevreauleder war in der Schuhproduktion „jahrelang der Renner“, wie Rathke erklärt. Dem wirtschaftlichen Boom und der Bedeutung des Unternehmens entsprach auch der repräsentative Verwaltungssitz am Mainufer, von Hugo Eberhardt, dem Leiter der Technischen Lehranstalten (heute Hochschule für Gestaltung) und Gründer des Ledermuseums, 1910 im historisierenden Stil errichtet. Besucher mussten das kolossale figurenverzierte Portal und ein großes Treppenhaus passieren. „Die kamen sich vor wie in einem Schloss“, sagt Rathke.

Nach dem Krieg waren die guten Zeiten vorbei

Vom wirtschaftlichen Erfolg der Werke – eine Zweigfabrik für Lackleder war im benachbarten Mühlheim eröffnet worden – profitierten auch deren Mitarbeiter. Die Unternehmerfamilie legte einen Pensionsfonds für Angestellte, deren Kinder und Witwen auf und betätigte sich auch mäzenatisch: Ludo Mayer finanzierte den Neubau der Hochschule für Gestaltung am Isenburger Schloss. Sein Neffe Robert von Hirsch, der die Firma seit Meyers Tod im September 1917 führte, war ein leidenschaftlicher Sammler mittelalterlicher Kunst, der etwa dem Frankfurter Städel Werke stiftete. Nach dem Krieg waren die guten Zeiten vorbei. 1968 wurde der Sitz der Firma Mayer, die seit 1936 zu Salamander gehörte, nach Worms verlegt, zwei Jahre später wurde die Fabrik abgerissen. An ihrer Stelle entstanden die Hochhäuser des Mainparks.

Die Portalbögen des Verwaltungsbaus blieben bis 1977 stehen. Danach begann die Odyssee der letzten Steine der Lederwerke. Zwei der Kolossalstatuen fanden 1989 im Rathausfoyer eine neue Heimat. Nachdem sie zeitweise im Dreieichpark aufgestellt waren, landeten die Reste beim städtischen Bauhof und schließlich vor dem Ledermuseum.

Eine Spende der Dr. Marschner-Stiftung ermöglichte es nun, den empfindlichen Muschelkalk zu sanieren und die Steine zu einer Konstruktion zusammenzufügen, die an das ehemalige Portal erinnert. Eine Hinweistafel erzählt die Geschichte der Lederwerke und der Unternehmerfamilie Mayer – ebenso drei Vitrinen im Museum selbst.

Die Eröffnung des Denkmals ist am Freitag, 25. Oktober, um 17 Uhr vor dem Ledermuseum. Unter anderem spricht OB Horst Schneider.

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