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135 der 250 Bäume auf dem Damm werden gefällt, später aber nachgepflanzt. Vorne im Bild ist der Kulturwaggon zu sehen.

Offenbach

Deichsanierung soll 2022 beginnen

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Der 130 Jahre alte Maindeich in Offenbach ist marode und nicht standfest. Seine Sanierung ist lange Zeit aufgeschoben worden - nun könnte es bald soweit sein.

Der Baubeginn für die Sanierung des 130 Jahre alten Maindeichs in Offenbach war schon häufig angekündigt worden. Wäre alles problemlos verlaufen, stünde das Bauwerk längst. Doch es gab Widerstände, unter anderem weil viele Bäume auf dem Damm gefällt werden müssen. Die letzte Planung hatte 2019 das Regierungspräsidium (RP) wegen Sicherheitsbedenken abgelehnt. Jetzt ist die Stadt optimistisch, dass die Arbeiten im März 2022 starten. Denn die Planfeststellung für die Deichsanierung ist endlich rechtskräftig.

Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) sprach von einer „sehr guten Nachricht für Offenbach und für den Schutz der Bevölkerung vor künftigem Hochwasser“. Nach Jahren der Planung und Umplanungen sei eine überzeugende Variante für den Ausbau erarbeitet worden, die alle Anforderungen an den Hochwasserschutz erfülle und auch wichtige städtebauliche Interessen vereine.

Zwar konnte sich die Kommune mit ihrer ursprünglichen Planung nicht durchsetzen. Sie wollte den Damm in Höhe des Isenburger Schlosses auf rund 90 Metern Länge absenken, um die Stadt zum Main hin zu öffnen. Die Genehmigungsbehörde hatte gegen die mobilen Schutzelemente jedoch massive Bedenken, weil der Aufbau möglicherweise nicht rechtzeitig hätte erfolgen können.

Um die Verbindung von der Innenstadt zum Mainufer zu stärken, soll nun der bestehende Durchlass an der Schlossstraße von derzeit 5,50 Metern auf rund 15 Meter verbreitert und zudem etwas erhöht werden. Außerdem wird es dort und auch in Höhe der Herrnstraße eine barrierefreie Rampe auf den Deich geben. Das soll die Anbindung an den Mainuferradweg verbessern.

Damm um bis zu 50 Zentimeter erhöhen

Aus historischen Gründen gibt es in Offenbach Deichabschnitte, die dem Land gehören. Wie es dazu kam, sei unklar, teilte die städtische Pressestelle der FR mit. Ihr Sprecher Fabian El Cheikh kündigte an, dies im Stadtarchiv recherchieren zu lassen.

Die aktuelle Sanierung betrifft die Teile, für die die Stadt selbst zuständig ist. Das sind ein 1,8 Kilometer langer Abschnitt in der Innenstadt zwischen Carl-Ulrich-Brücke und dem geplanten Innovationscampus auf dem früheren Alessa-Gelände, eine 550 Meter lange Strecke in Rumpenheim und ein kurzer Abschnitt an der Grenze zu Mühlheim.

Vorgabe des Landes Hessen war, den Deich für ein Hochwasser, wie es statistisch alle 200 Jahre vorkommt, zu ertüchtigen. Dazu muss der Damm um bis zu 50 Zentimeter erhöht werden. Um eine ausreichende Standsicherheit zu erreichen, wird auf der gesamten Länge eine Spundwand auf der zum Main hin gelegenen Deichseite bis zu zehn Meter tief in den Boden gebracht.

Sowohl für die Vergabe der Planungsleistungen wie auch der Bauarbeiten ist eine europaweite Ausschreibung notwendig. Die Stadt strebt an, den Bauauftrag noch Ende 2021 zu erteilen. Die Bauarbeiten sollen im Herbst 2024 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten liegen nach Angaben der Pressestelle inzwischen bei 19 Millionen Euro. Früher war von 14 Millionen Euro die Rede gewesen.

Der Baubeginn für den längsten Abschnitt in der Innenstadt ist noch ungewiss. Weil der Verkehr während der Deichsanierung umgeleitet werden muss, will die Stadt diese Arbeiten mit anderen großen Bauprojekten in der Innenstadt abstimmen.

Ein Baumgutachter soll Planung und Bauarbeiten begleiten. Der Schutz der verbleibenden Bäume einschließlich deren Wurzeln habe höchste Priorität, heißt es in einer städtischen Mitteilung. Von den derzeit 250 Bäumen auf dem Damm müssen 135 gefällt werden. Sie werden später durch neue ersetzt. Jeder Baum erhalte mindestens zwölf Kubikmeter Wurzelraum und damit deutlich mehr als bislang, betont die Stadt.

In Rumpenheim soll die Spundwand vor der historischen Hochwasserschutzmauer mit Sandsteinen verkleidet werden. Rund um die Gaststätte „Zum Schiffchen“ wird aus Denkmalschutzgründen auf die Spundwand verzichtet und das Mauerwerk aus Naturstein stattdessen mit Ankerstäben stabilisiert sowie durch eine 50 Zentimeter hohe, mobile Schutzwand ergänzt.

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