Robert Becker in seiner Bibliothek mit „Lederstrumpf“-Ausgaben und der Neuübersetzung der „Monikins“.

Offenbach

Cooper-Fan ohne „Lederstrumpf“-Sehnsucht

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Robert Becker begeisterte sich erst als Erwachsener für das Werk des amerikanischen Bestsellerautors. Auslöser für sein Interesse war der Schriftsteller Arno Schmidt.

Robert Becker ist Cooper-Fan. Und er will, dass möglichst viele Deutsche es auch werden. Sie haben noch nie von James Fenimore Cooper gehört? Wahrscheinlich irren Sie sich. Zumindest männlichen Lesern dürfte der Amerikaner als Autor der „Lederstrumpf“-Romane bekannt sein, die seit ihrer Erstveröffentlichung 1823 auch dank zahlreicher Verfilmungen bis heute populär sind. Und genau das ärgert Becker.

Er spricht sogar von einem Skandal, dass ein so produktiver und vielseitiger Autor auf Jugendbücher reduziert werde. Niemand wisse, dass Cooper sieben Jahre in Europa gelebt, politische Kampagnen geführt und gesellschaftspolitische Geschehen kommentiert habe. Am Sonntag, 15. September, will Becker den Bestsellerautor vorstellen und zeigen, warum sich die Lektüre seiner Werke heute noch lohnt.

Wie kommt ein Offenbacher IT-Spezialist dazu, sich so vehement für einen vor 230 Jahren geborenen Autor einzusetzen, obwohl er als Jugendlicher die „Lederstrumpf“-Bücher verschmähte? Auslöser war der Schriftsteller Arno Schmidt, der Anfang der 1960er Jahre „in Klein=Deutschland eine zage Cooper=Renaissance“ diagnostizierte und vier Cooper-Bücher übersetzte. In „Zettls Traum“ thematisierte er das Buch „Die Monikins“, das er als witzig und bedeutsam lobte.

Sein Hinweis, eine Neuausgabe sei nötig, verstand Becker als Aufforderung. Gemeinsam mit einem Freund machte er sich an die Arbeit. Es dauerte Jahre, bis die Übersetzung 2012 auf Deutsch erschien. Becker hatte Familie, die Kinder waren klein. Da blieb wenig Zeit. Ein Bestseller wurde das Buch nicht. Doch das Interesse an Cooper war geweckt.

Einen Übersetzerkurs musste Becker nicht belegen. „Ich hatte Englisch in der Schule und war Frank Zappa-Fan.“ Diese Kenntnisse hätten für eine moderne und gut lesbare Fassung (im Gegensatz zu den teils schauderhaften, früheren Übersetzungen) gereicht.

Zur Person Robert Becker, 65, stammt aus Borken. In Marburg studierte er Mathematik, Politikwissenschaften und Philosophie. Weil Ende der 1970er Jahre Mathelehrer nicht gefragt waren, bildete sich Becker zum Organisationsprogrammierer weiter und arbeitete in der EDV-Branche. Seit 1992 lebt die Familie in Offenbach.

Eine Neuausgabevon James Fenimore Coopers „Die Monikins“ legte Becker 2012 gemeinsam mit Wolfgang Breidenstein vor. Gerade erschienen ist Beckers Buch „Lederstrumpf in Hanau“ (18 Euro) bei Wbg Darmstadt. ags

Die „Monikins“ seien eine gesellschaftspolitische Satire. „Wenn Sie den Roman lesen, könnten Sie glauben, Cooper habe Donald Trump vorweggenommen.“ Er beschreibe so etwas wie eine Globalisierung und befasse sich auch mit einer „moralischen Finsternis“, in der es nur um Geld gehe.

Die kritische Haltung Coopers und sein gesellschaftspolitisches Engagement seien n Deutschland nicht wahrgenommen worden. Schuld daran waren die stark gekürzten Bearbeitungen der „Lederstrumpf“-Editionen für die Jugend. Beckers aktuelles Buch „Lederstrumpf in Hanau“, in dem er die Arbeiten des Cooper-Enthusiasten Rudolf Drescher vorstellt, gewährt einen neuen Blick auf Vielfalt von Coopers Werken.

Der aus wohlhabendem Haus stammende Cooper fuhr zur See, versuchte sich als Farmer und Unternehmer, bevor er nach dem Verlust des Familienvermögens die Schriftstellerei entdeckte. Seine siebenjährige Europareise führte ihn mehrmals nach Frankfurt, wo er immer im Hotel „Zum Weißen Schwan“ logierte.

In einem Brief an seine Frau im August 1830 bezeichnete er die Stadt als lebhaft, „aber niemals war ich an einem Ort, wo die Leute sich so wenig um einen Fremden kümmerten“. Über die Deutschen urteilte er, diese seien zwar nett, stünden aber zweifelsfrei nicht an der Spitze der Zivilisation.

Vortrag und Lesung mit Robert Becker über James Fenimore Cooper am Sonntag, 15. September, um 16 Uhr im Mausoleum im Rumpenheimer Schlosspark.

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