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Helga Frank aus Schöneck verkauft seit 1963 Weihnachtsbäume in ihrer Geburtsstadt Offenbach.
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Helga Frank aus Schöneck verkauft seit 1963 Weihnachtsbäume in ihrer Geburtsstadt Offenbach.

Offenbach

Christbäume sind Familiensache

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Früher hatten 16 Händler ihren Weihnachtsbaum-Verkaufsstand auf dem Wilhelmsplatz in Offenbach - das ist längst vorbei. Doch seit 100 Jahren gehören die Franks in Offenbach zu Weihnachten.

Helga Frank kann zupacken. Es dauert nur wenige Minuten, bis rund 20 Nadelbäume in Reih und Glied da drapiert sind, wo sie hingehören. Ein Handgriff, und schon ist die Nordmanntanne, die fast genauso groß ist wie sie selbst, zum Verschnüren in die Durchziehmaschine gehievt. Die kleine Frau mit den kurzen blonden Haaren hat jede Menge Übung: Seit fünf Jahrzehnten verkauft sie in Offenbach Christbäume – und führt damit eine 100-jährige Familientradition fort.

Stolz schwingt mit in der Stimme, wenn Helga Frank erzählt, dass ihre Familie in diesem Jahr Jubiläum feiern konnte: „Die Eltern der Schwiegereltern hatten dieses Geschäft schon.“ Einen großen Anteil an dieser Beständigkeit trägt sie selbst: Seit 50 Jahren trotzt sie in der Vorweihnachtszeit Wind und Wetter. „Ich war eigentlich nie richtig krank“, denkt sie laut nach. „Mal ein Schnupfen, aber das war’s auch schon“. Ob das wohl an ihren „Hausmittelchen“ liegt, die sie in dem kleinen Holzhaus auf dem Verkaufsareal auf dem Rathausvorplatz versteckt hat? „Das Schnäpschen ist immer dabei“, verrät sie lachend, erklärt aber, dass es in der Hauptsache der gute heiße Tee mit Honig ist, der sie warm hält.

„Das Schlimmste für uns sind Regen, Schnee und Wind“, sagt Frank. Als Anfang Dezember „Xaver“ über Deutschland fegte, seien ihr alle Bäume umgefallen, erzählt sie. Schnee schadet der Optik, denn die Äste tragen schwer unter der Last und hängen herunter. Für den Regen hat sie vorgesorgt: Im Auto liegen Ersatzkleidung und Zweitschuhe.

20 Jahre war die gebürtige Offenbacherin alt, als sie ins kalte Wasser geschmissen wurde, wie sie sich ausdrückt. Bei ihrer Heirat habe ihr der Schwiegervater klargemacht, dass sie im Familienunternehmen auch mithelfen müsse. „Dabei war ich doch kaufmännische Angestellte und hatte keine Ahnung von Bäumen“, sagt sie. Sie habe sich damals geniert, die Kunden anzusprechen. Das musste sich aber ganz plötzlich ändern, als der Schwiegervater im Jahr 1964 einen Schlaganfall erlitt.

Früher war alles besser. Dieser Spruch mag ja in vielen Lebenslagen gelten – aber nicht beim Christbaumverkauf. „Ich hatte nur einen löchrigen Marktschirm, wo ich mich unterstellen konnte“, erinnert sie sich. Auch die Durchziehmaschinen waren noch nicht erfunden. „Ich habe die Bäume auf einen Tisch gelegt und mit einem Seil umwickelt“, sagt sie. Von den Nadeln zerstochene Arme gehörten zum Tagesgeschäft.

Damals hat sie mit ihrem Mann auch noch selbst die Bäume geschlagen. „Wir fuhren jedes Jahr acht Tage ins Sauerland in eine Hütte im Forst und bekamen vom Förster ein Stück Wald zugeteilt“, sagt sie. Die abgesägten Bäume hat die Familie damals in Waggons geladen, in Offenbach wieder ausgeladen und direkt auf den Markt gebracht.

Später wurden die Christbäume geliefert. „Wir sind dann nur noch ins Sauerland gefahren, um die gewünschten Bäume auszuzeichnen.“ Auch heute erfolgt die Lieferung aus dem Sauerland – und aus Dänemark, dem Heimatland der Nordmanntannen.

Christbäume wurden einst auf dem Wilhelmsplatz verkauft. 16 Händler tummelten sich dort, entsinnt sich die 70-Jährige. Jeder hatte eine kleine Parzelle. Es gab nur Fichten zu kaufen. Mehrere Händler seien dann abgesprungen oder konnten ihr Geschäft nicht weitervererben, weil sich der Verkauf bei so viel Konkurrenz kaum rentiert habe. Die Franks dagegen hatten vorgesorgt: Für sie war das Christbaumgeschäft nur Zuerwerb. Sie hatten schon lange vorher einen Obst- und Gemüsehandel aufgemacht, der auch heute noch bestens floriert.

„Als der Weihnachtsbaumhandel vor das Rathaus verlegt wurde, waren wir nur noch sechs Händler“, erinnert sich Frank, und fügt hinzu: „Hätte mein Sohn kein Interesse gehabt, hätte ich auch aufgeben müssen.“ Alleine könne man dieses Geschäft nicht bewerkstelligen. Immerhin verkaufen die Franks pro Saison zwischen 500 und 700 Bäume. Ihr Geschäft hat sie im Jahr 2000 an den Sohn übergeben. „Ich bin jetzt nur noch ausführendes Organ“, erklärt sie schmunzelnd.

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