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Chorprobe, damit am Sonntag auch alle Lieder sitzen.

Chor St. Josef

Mit Popsongs in die Kirche locken

Der Junge Chor St. Josef begeistert seit 25 Jahren mit seiner unkonventionellen Art

Von Laura Eßlinger

Ein aufgeregtes Stimmengemurmel hallt durch den Piussaal der Pfarrei St. Josef. „Leute, Leute, wir fangen an“, ruft Peter Krausch. Die Menge verstummt. „Und eins, zwei, drei“, dann folgt der Einsatz. „Halt, wir machen die vierte Strophe noch mal“, stoppt der Chorleiter die Sängerinnen und Sänger. Wenn der Junge Chor St. Josef mit Unterstützung der Band For Heaven’s Sake kommenden Sonntag sein Jubiläumskonzert gibt, soll schließlich alles bis ins Detail stimmen. Deshalb sind am Dienstagabend alle aktiven Chorsänger zur Generalprobe gekommen.

Rund 100 Mitglieder umfasst der Junge Chor St. Josef: 20 Kinder sowie 80 Jugendliche und Erwachsene. Die Jüngsten sind acht Jahre, der Älteste ist 61. Sie alle stehen nun in Reih und Glied und warten auf den nächsten Einsatz. Bunte Seidentücher, die Zeichen der frohen Botschaft sein sollen, zieren die Haare und Hälse der Sänger. Zum 25-jährigen Bestehen wollen sie das Werk „Begegnungen – Musikalische Fenster zum Johannes-Evangelium“ aufführen. „Wir haben das schon mal erfolgreich vor 20 Jahren gesungen“, erinnert sich Peter Krausch. Sein Fuß zählt stets mit im Takt; doch auch ein Musiklehrer verzählt sich: „Ach Mist, Moment, stopp, stopp!“. Die Sänger lachen.

Seit den Anfängen im März 1987 leitet er den Chor. Mit sieben Anderen wollte der mittlerweile 47-Jährige, der damals noch Zivildienstleistender war, die alten und verstaubten Kirchenlieder auflockern: „Deshalb heißen wir Junger Chor, wir wollten junge Musik für junge Menschen machen und sie so in die Kirche locken“. Denn der Musiklehrer, der bei der Probe immer mal wieder an seinem Bier nippt, weiß: „Meistens finden Jugendliche die Kirche langweilig.“ Aktuelle Popsongs wie Cheryl Coles „Fight for this love“ werden deshalb von Sängerin Rita Grindl umgeschrieben, manchmal von Peter Krausch auch neu komponiert. Das Konzept kommt an: In den vergangenen Jahren sind viele neue Gesichter dazugekommen. Der unkonventionelle Chor spricht sich schnell rum.

Wieder wird eines der Lieder unterbrochen. Der Keyborder hat sich verspielt. Entspannt stimmt sich Peter Krausch nochmal mit den Musikern ab. Während der kurzen Verschnaufpause berichtet Maria Baier-Happ: „Ich treffe hier nette Bekannte und auch das musikalische Gemisch ist sehr interessant.“ Die 50-Jährige ist seit zwei Jahren mit ihrer Tochter dabei. Schon ein paar Jahre länger singt Matthias Hagen mit: „Seit über 15 Jahren probe ich hier, die Gemeinschaft ist toll. Nur ein paar Männer mehr könnten wir noch gebrauchen.“ Der christliche Hintergrund des Chors ist ihm sehr wichtig. Fürs Mitsingen spielt die Religionszugehörigkeit aber keine Rolle.

Johanna Dornauf ist seit ihrer Kommunion dabei. Sie schätzt „die lustige und witzige Art von unserem Chorleiter Peter“. Ihr 13-jähriger Bruder Philipp findet, dass „die Proben sehr freizeitlich gestaltet werden“. „Da kann man gut vom Schulstress abschalten und sich ablenken“, berichtet er.

Wie so oft bei einer Probe, wird es auch an diesem Abend spät. Doch das stört die Wenigsten der Sänger, die mittlerweile auch das vierzehnte Lied stimmgewaltig anstimmen.

Das Jubiläumskonzert des Jungen Chors St. Josef beginnt am 11. März um 17 Uhr in der Kirche St. Elisabeth, Richard-Wagner-Straße 73. Der Eintritt ist frei.

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