+
Gerade noch mal gutgegangen: Roland Kern stellte sich Fragen am Wahlabend.

Rödermark

Sieg mit einem blauen Auge

  • schließen

Warum Bürgermeister Roland Kern so schlecht abgeschnitten hat. Eine Analyse.

Der Amtsinhaber Roland Kern (AL/Grüne) war bei der Bürgermeister-Stichwahl in Rödermark am Sonntagabend quasi schon angezählt, hat es aber am Ende doch noch geschafft. Sein Gegenspieler Carsten Helfmann (CDU) hatte sich als amtierender Bürgermeister von Eppertshausen in fremde Gefilde gewagt – und es hätte fast eine Sensation gegeben. Aber eben nur fast. In der zwölften von 16 Runden bekam der Titelverteidiger Oberwasser und trug den Sieg davon.

Doch dieser Sieg dürfte für Kern einen bitteren Beigeschmack haben. Fast 50 Prozent der Wähler votierten am Sonntag gegen ihn. Er, der nun schon zwölf Jahre lang die Geschicke der Stadt Rödermark leitet, wird von der Hälfte seiner Bürger nicht mehr gewollt.

Halten ihn die Bürger für zu alt für das Amt? Oder haben sie es ihm übel genommen, dass er von vornherein gesagt hat, er stehe nur mehr gut zwei Jahre zur Verfügung? Oder glauben sie dem Szenario, das die politischen Gegner im Falle seiner Wiederwahl heraufbeschworen haben: zwei Jahre Stillstand?

Noch am Mittwoch hatte sich Kern siegessicher gegeben und zeigte sich von Wahlempfehlungen für den Gegenspieler wenig beeindruckt. In den 38,5 Prozent, die Helfmann im ersten Wahlgang erreicht hatte, seien die Stimmen der Freien Wähler schon drin, erklärte Kern in der vergangenen Woche. „Da ist schon viel ausgereizt“, sagte er. Anscheinend hat er einen Gegner unterschätzt, der noch vor zwei Wochen im ersten Wahlgang weniger Stimmen erhielt als die Rödermärker CDU bei der Kommunalwahl. Persönliche Hausbesuche statt Wahlwerbung im Briefkasten und mehr als 2000 verteilte Kreppel am Wahlstand helfen möglicherweise eben doch.

CDU-Fraktionschef Michael Gensert hatte wohl schon eine Vorahnung, als er gleich nach der Schließung der Wahllokale einen Satz von sich gab: „Der Wähler ist hart, ungerecht, erbarmungslos und grausam.“ Grausam war es am Sonntagabend im Rathaus für beide: Kern litt zuerst, Helfmann am Ende. Und mit ihm einige CDU-Spitzen, die sich am Abend der Stichwahlauszählung im Rathaus Urberach eingefunden hatten. Wieder kein Sieg für die „Schwarzen“, die im Kreis Offenbach nur noch einen einzigen Bürgermeister stellen. Auch ein frisches Gesicht brachte keinen Erfolg. „Es muss jemand Neues mit neuen Ideen kommen“, sagte ein sichtlich enttäuschter Herausforderer eine Viertelstunde nach dem Endergebnis.

Bei der Wahl in gut zwei Jahren werden die Karten sicher neu gemischt – egal, ob mit oder ohne Helfmann. Die Rödermärker Grünen haben dann keinen Amtsinhaber mehr am Start, der sich weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus großes Renommee erworben hat. Sie werden mit einem „Leichtgewicht“ in den Ring gehen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare