Die indischen Schwestern Lea, Jobina und Pauline (v. l.) versüßen Hanna Keiner im Pflegeheim der Caritas den Lebensabend.
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Die indischen Schwestern Lea, Jobina und Pauline (v. l.) versüßen Hanna Keiner im Pflegeheim der Caritas den Lebensabend.

Caritas Offenbach

Weit weg von zu Hause

  • Christina Franzisket
    vonChristina Franzisket
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Im Caritas-Pflegeheim Haus Elisabeth arbeiten vier Ordensschwestern aus Südindien. Sie stellen einige Unterschiede zwischen der deutschen und der indischen Kultur fest.

Als Hanna Keiner die Tränen in die Augen schießen, hält Schwester Jobina ihre Hand ganz fest. Die 85-jährige Bewohnerin des Caritas-Pflegeheims Haus Elisabeth erzählt, dass sie schon drei Jahre lang in diesem Zimmer lebt. Dann beginnt sie von ihrer Kindheit zu erzählen.

Schwester Jobina versteht kaum ein Wort von dem, was die Rentnerin sagt. Sie kommt aus Südindien, aus dem Bundesstaat Kerala, ist 28 Jahre alt und gehört dem indischen und katholischen Martha- Orden an.

Seit Ende Dezember arbeitet Jobina zusammen mit drei ihrer Ordensschwestern im Haus Elisabeth, fast 10.000 Kilometer weit entfernt von ihrer Heimat. Die vier Inderinnen helfen bei der Pflege der alten Menschen, leisten Seelsorge und manchmal auch Sterbehilfe. Sie wohnen zusammen im benachbarten Pflegeheim Sankt Ludwig.

Wärme aus Indien

Pflegeheimleiter Erik Schmekel freut sich über die Unterstützung vom anderen Kontinent: „Offenbach ist eine Multi-Kulti-Stadt, die Schwestern passen wunderbar zu uns“, sagt er. „Viele von unseren Mitarbeiter kommen aus den unterschiedlichsten Ländern“, sagt Schmekel. Nur die Bewohner des Heims seien überwiegend deutsche Frauen. Doch das sei für die indischen Schwestern kein Problem. Sie fühlen sich gut angenommen, wie sie sagen. „Die Schwestern bringen viel Wärme mit“, so Schmekel.

Jobinas Mentorinnen, die beiden Ordensschwestern Santhi und Pauline, leben seit vielen Jahren in Deutschland. Santhi wurde vor über zwanzig Jahren von ihrem Kloster erst nach Italien geschickt, um dort eine Ausbildung zur Krankenschwester zu absolvieren, erzählt sie, danach kam sie nach Deutschland.

Kulturelle Unterschiede

Alle zwei Jahren dürfen die Schwestern nach Hause reisen: „Wir vermissen unsere Angehörigen sehr“, sagt Santhi. „Heimweh“ ist ein Wort, das auch Jobina schon kennt. Im Januar hat sie zum allerersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen. Das ruppige Klima mögen die vier von Hitze verwöhnten Inderinnen gar nicht. „Dafür mag ich aber die deutsche Pünktlichkeit und Ordentlichkeit“, sagt Jobina.

Doch nicht nur Klima, Sprache und Kultur sind neu für die Schwestern. Sie haben auch Unterschiede bei der Pflege von alten Menschen festgestellt. Schon die Körperpflege sei anders, das fange schon beim Anziehen an: „Deutsche tragen ganz andere Kleidung“, so Schwester Pauline. Und während Inderinnen oft bis ins hohe Alter lange schwarze Haare tragen, haben deutsche Frauen eher schütteres, kurzes Haar: „Da macht die Haarpflege weniger Arbeit“, findet Pauline.

Besonders liebebedürftig

In Indien reinigen sich die Menschen nach der Toilette mit Wasser, nicht mit Papier. „Aber wir pflegen hier natürlich nach deutschen Gewohnheiten“, sagt Santhi und lacht.

Doch der größte Unterschied liege woanders: „In Indien gibt es kaum Pflegeheime“, sagt Schwester Santhi, „die Alten werden von ihren Familien versorgt.“

Anfangs war sie geschockt, wie selten mancher Bewohner eines Pflegeheims Besuch bekam: „Dabei haben die Alten solche Sehnsucht nach ihren Kindern“, weiß Santhi. In Indien hingegen lebt die ganze Familie unter einem Dach. Schwester Pauline erklärt: „Da ist immer jemand da, der pflegen kann.“ Darum seien alte Menschen in Deutschland besonders liebesbedürftig: „Wir Schwestern müssen viel Liebe geben“, sagt sie.

Liebe geben sie auch Frau Keiner. Noch immer erzählt die 85-Jährige, und Jobina hält die faltige Hand. Die braunen Augen der Inderin blicken sanft unter der weißen Nonnenkutte hervor. Als Keiners Blick auf Jobinas Gesicht fällt, wandelt sich ihr Schluchzen in ein herzliches Lachen: „Diese Schwestern“, sagt sie, „sind die Liebe selbst.“

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