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Unbeliebtes Federvieh: Nilgänse haben nicht nur das Mainufer an der Carl-Ulrich-Brücke in Beschlag genommen.

Gefahrenabwehrverordnung

Diverse Beschwerden: Gänse-Fütterern droht Bußgeld von bis zu 500 Euro

Sie bevölkern Parks und Mainufer, hinterlassen ihren Kot und laufen Radfahrern in den Weg. In wenigen Jahren haben sich Nilgänse ausgebreitet. Aufzuhalten sind sie offenbar nicht mehr. Jetzt kontrolliert die Stadt vermehrt diejenigen, die die invasive Art auch noch füttern.

Offenbach – „Ich hatte doch die Semmeln übrig!“, so die Antwort eines Mannes, als er von einer Zivilstreife des Ordnungsamtes beim Füttern von Enten, Schwänen, Tauben und Nilgänsen angesprochen wurde. Mit einer Tüte alter Brötchen war der Offenbacher am Main unterwegs und erwischt worden. Dass die Gefahrenabwehrverordnung der Stadt ausdrücklich im Stadtgebiet das Füttern von Tauben, Wasservögeln und Fischen verbietet, ist ihm offenbar fremd gewesen. Vermutlich hat der Mann auch nichts vom „Verwarnungs- und Bußgeldkatalog zur Allgemeinen Gefahrenabwehr und Sauberkeit der Stadt Offenbach“ gehört, die in der aktuellen Fassung im Januar 2017 beschlossen wurde. Die legt das Strafmaß vor, in diesem Fall §§ 20 Abs. 2, 22 Abs. 1 Nr. 38: Demnach ist ein Bußgeld von 35 bis 500 Euro möglich. Allerdings geht es der Verwaltung nicht allein um das Füllen des klammen Stadtsäckels.

„Das Fütterungsverbot dient auch dazu, der weiteren Vermehrung von Ratten und anderen Schädlingen vorzubeugen“, betont Frank Weber, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. „Viele Brot- und Speisereste landen in den Mägen der ungeliebten Nager. Und Nilgänse haben wir hier mehr als genug!“ Gegen den Semmel-Verteiler wird das Amt ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren einleiten.

Diverse Beschwerden in Offenbach

Mit zusätzlichen Kontrollen und „Knöllchen“ setzt die Behörde um, was in diversen Beschwerden an sie herangetragen wird. Anwohner und auch Mitarbeiter des Stadtservice haben wiederholt Leute beobachtet, die Brot- und Brötchenreste, auch in größeren Mengen, am Main verfüttern. Bürgermeister Peter Freier appelliert daher zum wiederholten an die Bürger, auf Fütterungen zu verzichten. Und er kündigt an: „Weitere Zivilkontrollen unserer Ordnungshüter am Mainufer sind geplant.“

Auch das Veterinäramt appelliert, Wildvögel grundsätzlich nicht zu füttern. „Damit tun die Menschen den Tieren keinen Gefallen.“ Die für den Menschen gedachten Backwaren schaden den Wasservögeln und sind im schlimmsten Fall sogar tödlich. „Hefe und Enzyme im Brot vertragen die Vögel nicht, gerade trockenes Weißbrot kann im Hals oder Magen aufquellen und die Tiere verenden dann. Langfristig wirkt sich auch der zu hohe Gehalt an Jodsalz im Brot für die Vögel negativ aus.“ Die falsche Ernährung bezahlen vor allem Wasservögel mit Störungen in der Gefiederbildung: die Tiere werden dann flugunfähig. Überpopulation und der Verlust der Scheu vor dem Menschen seien weitere Folgen. Letzteres bringe Wildvögel immer dichter in die menschlichen Siedlungen und „damit werden die Küken schnell Opfer von Hunden oder sterben unter dem nächsten Auto“. Werden die Backwaren in der Nähe von Gewässern gefüttert, kommt es zudem noch zu Überversorgung mit Nährstoffen, und das Gewässer kann umkippen – mögliche Folgen sind aktuell am Bürgeler Schultheisweiher zu beobachten...  

mk

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