Einige Bewohner beäugen kritisch, wie die Drohne mit Kamera an ihnen vorbeifliegt.
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Einige Bewohner beäugen kritisch, wie die Drohne mit Kamera an ihnen vorbeifliegt.

Offenbach

Drohnen über Offenbach

Mission Aufklärung: Baugesellschaft GBO lässt Häuserdächer aus der Luft prüfen.

Von Laura Eßlinger

Mit lautem Surren hebt das futuristische Flugobjekt in der Birkenlohrstraße ab. Gut 80 Zentimeter breit und 60 Zentimeter hoch ist der Flugkörper, den Thomas Kranz mit viel Fingerspitzengefühl und einem übergroßen Joystick steuern muss. Das Wetter ist nicht sehr drohnenfreundlich: Regen und Wind erschweren den Flug. Ausgestattet mit einer Kamera, soll die Drohne Aufnahmen von den Satteldächern der Liegenschaft der Gemeinnützigen Baugesellschaft mbH Offenbach (GBO) machen. Die GBO will so die Dächer auf eventuelle Schäden überprüfen.

Der Flug mit dem Gerät der Offenbacher Firma Flimmerkasten ist erst mal nur ein Testlauf und kostenlos. Wenn die Aufnahmen gut sind, könnte die GBO aber in Zukunft einmal im Jahr die Hausdächer von gut 260 Häusern überfliegen lassen. Besonders im Blick hat GBO-Mitarbeiter Kai Schmidt die Satteldächer deshalb, weil von ihnen lockere Ziegel oder andere Bauteile leicht herunterfallen könnten. Weil solche Dächer nur von Fachpersonal betreten werden dürfen, wurden sie in der Vergangenheit nur vom Boden aus durch die Hausmeister kontrolliert.

Unter den kritischen Augen der Bewohner

Schmidt schätzt, dass die Überprüfung mit Hilfe einer Drohne günstiger sein wird als ein Dachdecker. Ein Flugtag mit der Drohne kostet circa 2200 Euro. Flimmerkasten-Geschäftsführer Björn Schneider rechnet mit insgesamt 10 Flugtagen. Durch die Aufnahmen der Drohne könnte eine dauerhafte Dokumentation und bessere Bewertung der Hausdächer erfolgen, so Schmidt. „Aufnahmen von ganzen Dächern könnte ein Dachdecker nicht machen“, sagt er. Für ihn haben die Aufnahmen vor allem Beweisfunktion: Sollte jemand von einem herabfallenden Ziegel getroffen werden, könnte die GBO auf die regelmäßige Kontrolle der Dächer verweisen.

Vor jedem Flug überprüfen Schneider und Kranz die Akkus des 4,7 Kilogramm schweren unbemannten Flugobjekts, das sie lieber als Multikopter statt als Drohne bezeichnen. Der Begriff sei mittlerweile stark negativ konnotiert, sagt Schneider.

Generell darf eine Drohne nur bis zu 100 Meter hoch fliegen, theoretisch könnte sie aber 2000 Meter hinaufsteigen, so Schneider. Um Drohnen gewerblich nutzen zu können, braucht es eine allgemeine Aufstiegsgenehmigung der zuständigen Landesbehörde. Die kostet in Hessen 200 Euro für zwei Jahre und wird von den Regierungspräsidien Darmstadt und Kassel ausgestellt.

Auch die einzelnen Kommunen können noch Gebühren kassieren. In Offenbach zahlen die Flimmerkasten-Mitarbeiter nichts. Unbedingt vorliegen muss den Drohnenfliegern außerdem die Zustimmung des Grundstückseigentümers und die Erlaubnis des zuständigen Ordnungsamtes. In diesem Fall war das kein Problem.

Die GBO hat im Vorfeld des Testflugs alle Mieter in einem Schreiben informiert und versichert, dass die Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben. Wohnräume sowie Fenster würden nicht dokumentiert, Menschen sollen auf den später von GBO-Mitarbeitern gesichteten Aufnahmen nicht erkennbar sein. Darauf beruft sich auch Anwohnerin Sandra Wipperfürth und findet die Aufnahmen deshalb in Ordnung.

„Die Bundeswehr setzt sie ja in Kriegsgebieten auch ein“, sagt sie. Einige Bewohner hingegen beäugen vom Balkon aus mit kritischen Blicken, wie die Drohne an ihnen vorbeifliegt. „Die Aufnahmen werden ja nicht veröffentlicht“, beruhigt Schneider.

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